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Aktuelle Meldungen
01.06.2026
Tag der Artenvielfalt 2026
Am gestrigen Sonntag wurde der „Tag der Artenvielfalt“ mit einem großen Fest im Botanischen Garten Bonn gefeiert. Unsere lokale Regionalgruppe, die OAG Bonn, war mit einem Stand dabei.
Am frühen Vormittag ging eine heftige Gewitterfront über das südliche Rheinland. Pünktlich zum Aufbau war es dann mit dem Regen vorbei und es sollte auch den ganzen Tag trocken bleiben. Dass die Sonne sich kaum zeigte, war nicht schlimm, nur die Informationsmaterialien wurden vom Wind ab und zu neu sortiert. Der Vogelgesang hielt aber den Tag über an und es wurde nicht so heiß wie in der Woche zuvor.
Insgesamt waren es beste Voraussetzungen, um den ganzen Tag über im Stundentakt vogelkundliche Exkursionen durch den Botanischen Garten anzubieten. Diese Führungen sind unbestritten das Highlight unserer Aktivitäten während des Tags der Artenvielfalt. Obwohl nicht besonders groß und inmitten dichter Bebauung gelegen, beherbergt der Botanische Garten in Bonn eine reiche Vogelwelt. Dazu tragen vor allem die schönen alten Bäume und die großflächigen Gewässer bei. Wir konnten den Teilnehmenden Sommergoldhähnchen ebenso zeigen wie Mäusebussard als auch Stockente und Teichhuhn mit ihren Jungen. Mehrere Dutzend Personen haben wir so für die Vogelbeobachtung begeistern können.
Aauch am Stand konnten wir uns intensiv mit den Besuchenden austauschen. Wir waren beschäftigt, unsere verschiedenen Tätigkeiten vorzustellen. So berichteten wir ausführlich für ADEBAR 2 und die diversen Monitoringprogramme von DDA und NWO, brachten Flyer von OAG Bonn und NWO unter die Leute und beantworteten vogelkundliche Fragen. Einige davon waren erstaunlich konkret, z.B. ging es um das Turmfalkenpaar an einem bestimmten Gebäude und selbst nach einer Artpatenschaft für den Atlas wurde bereits gefragt. Andere Fragen drehten sich um auch sonst häufig genannte Themen wie die Vogelfütterung.
Die Veranstaltung endete um 17:00 Uhr. Leider war der Andrang etwas geringer als in den letzten Jahren. Vielleicht lag es daran, dass Stände auch außerhalb des Hauptgeländes standen. Auch hatten einige andere Verbände leider absagen müssen.
Umso begeisterter sind wir, dass uns die übgrigen rein ehrenamtliche Teilnahme wieder möglich war. Unser Dank geht an Esther Koch und Kathrin Schidelko für die exzellente Orga und an alle Beteiligten der OAG Bonn, die am Stand waren, Exkursionen geleitet haben und beim Ab- und Aufbau geholfen haben.
Vielen Dank an die Botanischen Gärten der Universität Bonn und alle Besucher:innen für die rundum gelungene Veranstaltung.
01.06.2026
NWO-Exkursion: Flamingos und Möwen im Zwillbrocker Venn & Wiesenlimikolen in den Amtsvennwiesen
Datum: 20.06.2026, 10:00 Uhr bis ca. 15:30 Uhr (1 Stunde Mittagspause und 30 Min Autotransfer)
Treffpunkt:Parkplatz am Zwillbrocker Venn, Google Maps
Die Exkursion beginnt im Zwillbrocker Venn, einem Schutzgebiet von knapp 200 Hektar Größe an der deutsch-niederländischen Grenze im Westen vom Kreis Borken. Es ist der Rest eines ehemaligen, weitaus größeren Hochmoorgebietes. Nach dem Verschließen von Entwässerungsgräben in den 1930er Jahren, die für bäuerliche Handtorfstiche angelegt wurden, bildete sich ein Flachwassersee. Die in diesem See befindliche Insel ist heute für seine Flamingokolonie berühmt. Neben Flamingos brüteten hier im vergangenen Jahr auch rund 2800 Lachmöwen- sowie mindestens zwei Schwarzkopfmöwenpaare. Mit etwas Glück lassen sich im Zwillbrocker Venn aber auch Blaukehlchen, Pirol und Schwarzhalstaucher beobachten. Nach circa zwei Stunden kehren wir im nahegelegenen Restaurant Kloppendiek für eine Stärkung ein, ehe wir in die 20 Autominuten entfernten Amtsvennwiesen weiterziehen. Die Amtsvennwiesen sind ein Grünlandgebiet von knapp 250 ha Größe, das sich südlich an das ehemalige Hochmoor des Amtsvenns anschließt. Beide Gebiete sind Bestandteil des Europäischen Vogelschutzgebietes "Moore und Heiden des Westlichen Münsterlandes" und damit auch des Natura 2000-Schutzgebietsnetzes. Die Amtsvennwiesen befinden sich im Norden des Kreises Borken und stellen eines der wichtigsten Brutgebiete für bedrohte Wiesenlimikolen wie Uferschnepfe oder Großen Brachvogel in NRW dar. In diesem überwiegend in Landeseigentum befindlichen Feuchtwiesengebiet werden im Rahmen des EU-Projekts LIFE Wiesenvögel NRW einige Schutzmaßnahmen durchgeführt, um den Bruterfolg der Wiesenvögel zu erhöhen. Was genau die Biologische Station Zwillbrock e.V. hier in enger Zusammenarbeit mit den örtlichen Jäger:innen und Landwirt:innen durchführt, sehen und erfahren die Teilnehmenden innerhalb von zwei Stunden vor Ort.
Wir bedanken uns bei der Biologischen Station Zwillbrock e.V. und Maximilian Roth für die Leitung und Organisation der Exkursion.
Die Teilnahme an der Exkursion ist kostenlos, die Verpflegung im Restaurant Kloppendiek muss jedoch selbst bezahlt werden. Bitte bilden Sie nach Möglichkeit Fahrgemeinschaften. Die Zahl der Teilnehmenden ist begrenzt! Wir bitten um eine verbindliche Anmeldung per Mail an geschaeftsstelle@nw-ornithologen.de.
23.05.2026
Beobachtungstipp – Vögel der Nacht
In den kommenden schönen Frühsommernächten lohnt sich für Vogelbeobachtende auch eine nächtliche Kartierfahrt, um den Vögeln der Nacht zu begegnen. In allen Lebensräumen sind dabei schöne und spannende Begegnungen mit z.T. selteneren und besonders interessanten Arten möglich.
In Wäldern und Grünanlagen machen um diese Jahreszeit die bettelnden Jungvögel der Eulen wie Waldohreule und Waldkauz mit auffälligen Rufen auf sich aufmerksam. In Laubwäldern kommt dazu die Waldschnepfe mit ihren eigentümlichen Balzflügen. In sehr offenen Nadelwäldern und Heiden ist in manchen Gebieten der eigentümliche Gesang der Nachtschwalben (besser als Ziegenmelker bekannt) zu hören.
In offenen Lebensräumen der Agrarlandschaft, vor allem aber in feuchten Niederungsgebieten und Flussauen und in Gewässernähe erweitert sich das Artenspektrum erheblich. Der Wachtelkönig kommt in einigen Gebieten wie der Hellwegbörde in Getreidefeldern und Brachen vor, lebt sonst aber vor allem in Feuchtwiesen und Auen. Sein nächtlicher Gesang („crex -crex“) ist weit zu hören. In der Agrarlandschaft wird er von Wachtel, Rebhuhn und Sumpfrohrsänger begleitet. Aus feuchten Hochstaudenfluren singt der Feldschwirl und mit etwas Glück vielleicht auch einmal der in NRW extrem seltene Schlagschwirl. Wird es noch nasser, können Teichrohrsänger, Wasserralle und vielleicht auch das seltene Tüpfelsumpfhuhn dazu kommen.
Alle genannten Arten stehen als im Fokus des Vogelmonitorings. Für einige von ihnen gibt es spezifische Erfassungsprogramme im Rahmendes Monitorings seltener Brutvögel, aber auch für die aktuelle ADEBAR-2-Kartierung sind sie von besonderem Interesse. Alle Beobachtungen sollten daher auf jeden Fall mit dem richtigen Brutzeitcode via ornitho.de bzw. NaturaList gemeldet werden.
Gute Gründe, sich auch einmal eine vogelkundliche Nacht um die Ohren zu schlagen!
Ralf Joest
22.05.2026
Update zu Watching people watching birds
Ein neuer Kinofilm hat großen Bezug zur NWO. Unter Beteiligung zahlreicher NWO-Ornis und einem Besuch der Filmer bei einem der vergangenen NWO-Tagungen entstand der Dokumentarfilm „Watching people watching birds“.
Der Film von Ulrike Franke und Michael Löken hat in Nordrhein-Westfalen am 6. Juni 2026 Premiere beim Kinofest Lünen. Die Weltpremiere war in Kopenhagen, die Deutschlandpremiere ist beim 41. DOK.fest in München. Die Filmemacher bewerben Ihren Film so „Politisch brisant, ernsthaft und doch humorvoll begleitet WATCHING PEOPLE WATCHING BIRDS Menschen, die sich mit Leidenschaft der Beobachtung von Vögeln widmen. Der weltberühmte Autor Jonathan Franzen, die Bäckereiverkäuferin oder das junge Ornithologenteam: sie alle eint die Liebe zu einer stark bedrohten Spezies. Durch ihre Augen und Ohren tauchen wir ein in die Welt der Vögel – eine Welt, die zu einer eindrucksvollen Metapher für den Zustand unseres Planeten wird.“
Der Film wird am 6. Juni auf dem Kinofest Lünen laufen.
Wann? Samstag, 6. Juni, 14:30 Uhr
Wo? Cineworld Lünen (Im Hagen 3, 44532 Lünen)
Weitere Informationen zum Film und der Trailer finden sich hier.
19.05.2026
Beobachtungstipp – von „Overshootern“ und anderen spannenden Arten
Im Mai und Juni tauchen oft Vogelarten auf, deren Verbreitungsgebiete normalerweise weiter südlich oder östlich liegen. Wir geben einige Tipps und versuchen Euch und Ihnen den Mund wässrig zu machen.
Es ist kaum zu glauben, aber das ornithologische Frühjahr neigt sich schon fast dem Ende zu. Die ersten Meisen sind vielleicht schon mit der Brut durch, bei den Eulen gibt es Ästlinge, und die Gesangsaktivität kann mittags schon deutlich abgeflaut sein. Dennoch ist die Brutzeit natürlich noch nicht vorbei. Viele Langstreckenzieher sind noch nicht lange wieder in ihren Brutgebieten und bei Mauersegler, Neuntöter, Sumpfrohrsänger & Co geht es natürlich jetzt erst richtig los. Außerdem lassen sich jetzt auch die vielen Jungvögel beobachten.
Die zweite Maihälfte und der Beginn des Juni sind aber auch aus einem anderen Grund spannend. Nun ist vielleicht die beste Zeit des Jahres, um Vögel aus südlichen Gefilden zu beobachten. Einige Arten wie der Orpheusspötter waren vor einigen Jahren noch Ausnahmeerscheinungen. Mittlerweile haben sie weite Teile des Südwestens unseres Landes besiedelt und können zunehmend auch weiter nordöstlich beobachtet werden. Es lohnt sich, sich Gesang und Rufe einzuprägen. Orpheusspötter bevorzugen meist warme, trockene Bereiche wie Bahndämme, Halden, Heiden und Ränder von Kiesgruben. In solchen Lebensräumen kann man auch nach den farbenprächtigen Bienenfressern und vielleicht sogar Wiedehopfen Ausschau halten. Diese sind jedoch störungsanfällig und Heerscharen von Fotograf:innen und Vogelbeobachtenden können diese leider schnell wieder vertreiben.
Wer lieber an Gewässern unterwegs ist, kann nach seltenen Reihern Ausschau halten. Lange Zeit wurden viele Fischfresser erbittert verfolgt und bis ins 20. Jahrhundert wurden einige Arten auch wegen ihrer Schmuckfedern intensiv bejagt. Zum Glück hat sich die Hutmode gewandelt und Reiher sind heute besser geschützt als früher. Hinzu kommen der Klimawandel mit milden Wintern und vielleicht auch die Entstehung neuer Lebensräume, so dass verschiedene Reiherarten eine deutliche Ausbreitung in Europa zeigen. Einige der südlichen Reiherarten brüten beispielsweise auf den britischen Inseln, und in den Niederlanden werden diese ebenfalls längst regelmäßig festgestellt. Auch in NRW sind z.B. Purpurreiher und Seidenreiher nicht mehr meldepflichtig und werden vergleichsweise regelmäßig in NRW gesehen. Auch Kuh- und Rallenreiher erfreuten immer wieder Vogelbeobachter*innen. Andere ökologisch ähnliche Arten wie Löffler, Sichler und Stelzenläufer breiten sich auch aus. Bei Letzteren sind auch zumindest Brutversuche zu beobachten. Auch Seidensänger sind bereits in fast allen Landesteilen beobachtet worden. Es lohnt sich also, an den Gewässern im Lande genauer hinzuschauen.
Daneben gibt es viele weitere Arten aus dem Süden, die zu dieser Zeit verstärkt beobachtet werden können. Einige Zugvögel ziehen im Frühjahr weiter als ihre Artgenossen. Im Südwesten verbreitete Arten können z.B. weiter nach Nordosten fliegen, südöstliche Arten tauchen plötzlich weiter nordwestlich auf (im Englischen spricht man von „overshooting“). Darunter sind zahlreiche Ausnahmeerscheinungen, die oft nur ganz kurz hier verweilen, manchmal aber auch Reviere bei uns etablieren. Für Aufsehen sorgten in der Vergangenheit immer mal wieder mediterrane Grasmücken oder auch Arten wie der Rotkopfwürger. In diesem Jahr wurden z.B. auch Iberienzilpzalpe gemeldet, die im Feld meist nur anhand ihrer Lautäußerungen zu bestimmen sind. Ganz aktuell wurde in den letzten Tagen beispielsweise eine Rotflügel-Brachschwalbe von der Bislicher Insel auf ornitho.de gemeldet. Auch Arten, die sonst weiter östlich verbreitet sind, werden im Mai/Juni immer mal wieder in NRW beobachtet. Es lohnt sich also jetzt auch, nach Arten wie Zwergschnäpper, Sprosser, Schlagschwirl, Karmingimpel & Co die Ohren offen zu halten. Wer für ADEBAR oder das Vogelmonitoring unterwegs ist, wird vielleicht zusätzlich noch mit der Beobachtung einer kleinen Seltenheit belohnt. Meldepflichtige Arten sollten natürlich bei der AviKom dokumentiert werden.
Wir wünschen viel Spaß beim Beobachten und spannende Entdeckungen!
18.05.2025
Spechtnachwuchs macht sich lautstark bemerkbar
Wer in der zweiten Maihälfte mit offenem Ohr im Wald spazieren geht, kann es eigentlich nicht überhören: die Spechtjungvögel betteln lautstark.
Dass Spechte Höhlen zimmern und darin brüten, weiß (hoffentlich) jedes Kind. Der Aufwand, Höhlen zu bauen, ist für die Vögel beträchtlich, aber das Brüten in Höhlen bringt einige Vorteile mit sich. In Höhlen sind die Jungen weitestgehend vor Witterungseinflüssen geschützt – eine gute Baumhöhle ist warm und trocken und bietet Schutz vor möglichen Fressfeinden. Es ist entsprechend wenig überraschend, dass Höhlenbrüter eine längere Nestlingszeit haben als vergleichbare Arten, die in offenen Nestern brüten. Obwohl sie bereits früh mit der Brut beginnen, werden junge Buntspechte erst Ende Mai, Anfang Juni flügge – gebietsweise kann es auch noch etwas später sein. Die gesamte Brutzeit aus Brut- und Nestlingsdauer bzw. anschließender Führungszeit dauert bei den kleineren Arten vielfach 40 bis 50 Tage, bei Grün- und Grauspecht knapp 70 und beim Schwarzspecht meist sogar über 70 Tage.
Bei den meisten heimischen Spechtarten umfasst ein Gelege etwa vier bis sieben oder acht glänzend weiße Eier – eine Tarnung ist in der Baumhöhle nicht notwendig. Beim Schwarzspecht sind es typischerweise drei bis fünf Eier, beim verwandtschaftlich ebenfalls zu den Spechten gehörenden Wendehals können es dagegen bis zu 14 Eier sein. Grünspechte und Schwarzspechte verwenden ihre Höhlen übrigens mehrfach, während die anderen Arten fast immer alljährlich neue Höhlen zimmern.
Im Mai sind die geschlüpften jungen Buntspechte nicht zu überhören. Ihre Bettelrufe sind laute anhaltende Rufreihen (gsi-gsi-gsi…), die während des ganzen Tages geäußert werden. Entfernt und für Vogelstimmen-Apps erinnern sie vielleicht ein bisschen an die Rufe des Kleinspechtes. Die Bettellaute hallen erstaunlich weit. Sie sind für die Eltern das Signal, unablässig Futter herbeizubringen – meist sind es Insekten und andere Wirbellose bzw. deren Larven, die Buntspechte mit ihrer geschickten Zunge unter der Borke von Bäumen hervorsuchen. Ein besonders reiches Nahrungshabitat ist stehendes Totholz, das zudem sehr gut geeignet ist, Höhlen anzulegen. Als Generalisten sind Buntspechte aber nicht nur in Wäldern, sondern auch in halboffenen Landschaften und selbst in Parks und Gärten auch im Siedlungsbereich anzutreffen.
Junge Buntspechte tragen eine auffallend rote Kopfplatte, was sie deutlich von den Altvögeln unterscheidet. Sie ähneln damit durchaus Mittelspechten. Es gibt jedoch einige Merkmale zur Unterscheidung. Hier gehen wir genauer darauf ein.
Wie gewohnt bitten wir, bettelnde Spechte in ornitho.de einzutragen. Sichere Brutnachweise mit hohen Brutzeitcodes (bettelnde Jungvögel im Nest bedeutet „C16“, der höchste verfügbare Brutzeitcode) sind bei vielen Vogelarten, die über revieranzeigendes Verhalten nachgewiesen werden, nicht häufig. Durch Ihre Meldungen auf ornitho.de tragen Sie zum besseren Verständnis der Verbreitung und Ökologie der Spechte bei. Störungen am Nest sind aber selbstverständlich zu unterlassen. Wer mit der Bestimmung der Spechte und ihren Lautäußerungen bereits bestens vertraut ist, kann helfen, die Bestandsentwicklung dieser Artengruppe zu überwachen. Beteiligen Sie sich beim Spechtmonitoring im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel! Dazu wird im zeitigen Frühjahr eine Route zweimal jährlich begangen und eine Klangattrappe eingesetzt. Gerne richten wir hier auch neue Routen in Ihrer Nähe ein.
Quelle: Zahner & Wimmer 2019
16.05.2025
Sumpfrohrsänger beobachten und erfassen
Sumpfrohrsänger sind in NRW weit verbreitet. Allerdings ist ihre Verbreitung keineswegs gleichmäßig in der Landschaft verteilt. Oft findet man sie entlang von Gräben und Bächen. Ideale Voraussetzungen, um den unscheinbaren Vogel mit dem auffälligen Gesang entlang von Transekten zu erfassen und die Bestandsentwicklung dieses Vogels zu überwachen. Anfang bis Mitte Mai kehren sie aus ihren afrikanischen Winterquartieren zurück.
Rohrsänger sind eine äußerlich homogen erscheinende Gruppe – auf den ersten Blick sehen viele von ihnen fast gleich aus. Tatsächlich zeigen sie jedoch eine erstaunliche Vielfalt an Anpassungen und evolutionären Strategien. Die Brutbiologie unterscheidet sich enorm, Gesänge sind charakteristisch und auch die Lebensräume sind vielfältig. Auch wenn Arten wie der Teichrohrsänger und der bei uns mittlerweile extrem seltene Drosselrohrsänger zur Brut auf Schilf- und Röhrichtgebiete angewiesen sind, gilt das nicht ausnahmslos. Teichrohrsänger singen auf dem Durchzug, der bei uns bis Ende Mai/Anfang Juni dauern kann, oft aus Hecken und Gebüschen. Sumpfrohrsänger leben dagegen bei uns vor allem in stickstoffliebenden Hochstaudenfluren wie Brennnessel- und Staudenknöterichbeständen. Bis vor einigen Jahrzehnten waren Sumpfrohrsänger als Brutvögel selbst in Getreidefeldern weit verbreitet und der Name „Getreiderohrsänger“ war durchaus üblich. Heute steht das Korn nicht mehr so hoch – Wachstumshemmer und spezielle Sorten machen es möglich und steigern den Ertrag. Vereinzelt findet man Sumpfrohrsänger aber auch heute noch in Getreide, insbesondere im Biolandbau, wo das Korn höher wächst und manchmal beispielsweise auch ein höherwüchsiges Gemisch aus Erbse und Triticale angebaut wird.
Sumpfrohrsänger sind berühmt für ihren Gesang. Kaum eine andere Art baut so viele Imitationen anderer Vogelstimmen in ihren Gesang ein wie Sumpfrohrsänger. Wer genau hinhört, wird neben europäischen Vogelarten auch solche heraushören, deren Lautäußerungen Sumpfrohrsänger im afrikanischen Winterquartier erlernt haben. Der Gesang des Sumpfrohrsängers erinnert ansonsten entfernt an den der seltenen Blaukehlchen oder Orpheusspötter. Beim ebenfalls etwas ähnlich klingenden Gelbspötter sind die quietschenden Motive charakteristisch.
Wer sich an der Erfassung des Sumpfrohrsängers beteiligen möchte, ist eingeladen, sich am Monitoring seltener Brutvögel (MsB) zu beteiligen. Das Monitoring der „Röhrichtbrüter“ bietet sich eigentlich in NRW nur in ganz wenigen Gebieten an, da großräumige Röhrichte nur noch in wenigen Schutzgebieten vorkommen. Bei diesem Monitoring werden Gebiete entlang von Transekten erfasst. Aber gerade entlang von Gräben, Bächen und Flüssen in der Normallandschaft bietet es sich an, sich an diesem Monitoringmodul zu beteiligen. Das Modul umfasst insgesamt nur drei frühmorgendliche Begehungen (je eine Begehung innerhalb der ersten beiden Dekaden von April, Mai und Juni). Dabei werden natürlich nicht nur Sumpfrohrsänger erfasst, sondern eine ganze Reihe anderer Arten wie Rohrammer und Teichrohrsänger oder, wo die Art noch vorkommt, der Kuckuck. Über die erweiterte Artenliste lassen sich auch Wasservögel wie Stock- und Schnatterente, Teichhuhn und andere erfassen. Weitere Informationen zum MsB Röhrichtbrüter finden Sie hier. Wo Sumpfrohrsänger im Umfeld von Gewässern vorkommen, bietet sich auch das MsB Binnengewässerarten an, bei dem das Gesamtgewässer samt Uferbereich das Erfassungsgebiet bildet. Gerne richten wir mit Ihnen gemeinsam neue Transekte oder Erfassungsgebiete auch in Ihrer Nähe für Sie ein. Die Daten aus dem MsB gehen übrigens auch in ADEBAR 2 ein, so dass sich das Vogelmonitoring und das Atlasprojekt ideal ergänzen. In diesem Jahr hat die Saison schon begonnen, wir würden uns aber freuen, Sie ab 2027 beim MsB der brütenden Wasservögel begrüßen zu dürfen.
15.05.2026
Start in die Bienenfressersaison und Rückblick auf 2025
Am 21. Mai beginnt die diesjährige Saison für das Monitoring des Bienenfressers im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel. Dazu werden die Vögel in ihren Kolonien erfasst. Das Bienenfressermonitoring wird von der entsprechenden Fachgruppe der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft (DOG) und dem DDA organisiert.
Bienenfresser sind eine ursprünglich vor allem mediterran verbreitete koloniebrütende Vogelart, die sich in Mitteleuropa in den letzten Jahren deutlich nach Norden ausgebreitet hat. In NRW sind Bienenfresser aber weiterhin ausgesprochen seltene Brutvögel und aktuell ist unklar, ob und inwieweit die Ausbreitung weiter fortschreitet. Die aktuellsten Verbreitungsmodelle, die sich auf die klimatischen Bedingungen konzentrieren, sehen viele Gebiete in NRW als geeignet an. Lebensraum und Nahrungsverfügbarkeit müssen aber natürlich auch stimmen.
Die Fachgruppe der DOG hat in ihrem Feedback Zahlen aus dem letzten Jahr veröffentlicht. Demnach wurden in Deutschland 2025 6175 Paare erfasst, wobei geschätzt 10 % der Paare unerfasst blieben, so dass von rund 6800 Brutpaaren in Deutschland ausgegangen werden kann. Das sind etwa 11 % mehr als im Vorjahr. Die höchsten Dichten wurden wieder in Südbaden erreicht. Auch in NRW war ein Bestandsanstieg zu verzeichnen, hier waren es 64 % mehr als im Vorjahr.
Zwar sind die meisten Kolonien bzw. Einzelvorkommen in NRW bekannt, aber Bienenfresser zeigen eine große Dynamik und können natürlich auch Brutplätze aufgeben oder neue besiedeln. Daher sollte auch in bisher unbesiedelten Regionen auf Bienenfresser geachtet werden. Bei Hinweisen auf eine Brut bitten wir Sie, sich mit der Landeskoordination in Verbindung zu setzen. Wer schon mitmacht, sollte ab Ende Mai seine Kolonie kontrollieren. Auch Nullmeldungen bzw. Kolonieaufgaben sind selbstverständlich von Interesse. Die Daten können mittlerweile bequem im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel via ornitho.de übermittelt werden. Alle Informationen zum Monitoring des vielleicht buntesten Brutvogels unseres Bundeslandes sowie den vollständigen Feedback-Bericht der DO-G-Fachgruppe finden Sie hier.