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Aktuelle Meldungen

25.10.2024

Beobachtungstipp: Drosseln im Spätherbst

Im Herbst richtet sich der Blick der Öffentlichkeit, wenn es um den Vogelzug geht, vor allem auf Großvögel wie Kraniche und Gänse. Wir gucken aber noch etwas genauer hin und belassen es nicht dabei. Schließlich lassen sich im Herbst auch viele andere Zugvögel beobachten – darunter gleich mehrere Drosselarten, die nicht selten selbst im Siedlungsbereich gut zu beobachten sind.

 

Rotdrossel
Rotdrossel (© Hans Glader)

Der Drosseldurchzug findet vielfach nachts oder in den frühen Morgenstunden statt. An guten Zugtagen ziehen aber viele Arten auch tagsüber und auch in NRW lassen sich von geeigneten Stellen aus oft Hunderte Drosseln an einem guten Morgen beobachten. Das betrifft insbesondere Wacholderdrosseln und Rotdrosseln, aber auch Singdrosseln können größere Trupps bilden, während Amseln tagsüber eher in geringer Truppstärke festgestellt werden. Auch rastend können im Spätherbst und teilweise auch im Winter Drosseltrupps beobachtet werden. Drosseln bewegen sich am Boden hüpfend statt laufend vorwärts und lassen sich so gut von Staren unterscheiden. Die meisten Drosselarten bei uns sind Teilzieher, Rotdrosseln und Ringdrosseln sind bei uns in NRW von wenigen Ausnahmen abgesehen vor allem auf dem Durchzug zu sehen, mancherorts überwintern aber auch Rotdrosseln. Drosseln lassen sich in einer Vielzahl von Lebensräumen beobachten, Futter finden sie auf Obstwiesen, auf denen auch in der kalten Jahreszeit noch Äpfel zu finden sind, aber auch in Wäldern oder strukturreichen Offenländern. Vor allem Amseln suchen auch Futterstellen auf. Nächtliche Zugrufe lassen sich allerdings auch ganz regelmäßig über den hell erleuchteten Innenstädten hören, so dass es kaum einen Ort gibt, an dem aufmerksamen Beobachter:innen keine Drosselbeobachtungen gelingen können.

 

Unter den echten Drosseln der Gattung Turdus kommen sechs Arten regelmäßig bei uns vor – die Artenvielfalt ist also überschaubar, so dass nichts dagegen spricht, auch als Anfänger:in die einzelnen Arten kennenzulernen.

Amsel
Amsel-Männchen im 1. Winterkleid
(© Angelika Meister)

Am bekanntesten sind ohne Frage Amseln, die wir wohl kaum vorstellen müssen. Der alte Name Schwarzdrossel beschreibt jedenfalls die Verwandtschaftszugehörigkeit korrekt. Auch Amseln sind Teilzieher und im Herbst bekommen wir in Mitteleuropa Zuzug aus dem Norden und Osten, während manches Individuum, das wir aus der Brutzeit aus dem nächsten Wald kennen, auf dem Weg in den Südwesten sein könnte. Unterscheiden lassen sich die nördlichen Amseln kaum von den heimischen Vögeln, auch wenn nördliche Vögel im Mittel oft etwas längere Flügel haben – eine Anpassung an das ausgeprägtere Zugverhalten. Im Feld fällt das nicht auf. Die hohen nächtlichen srieh-Rufe sind oft das einzige, das wir vom Amselzug mitbekommen, doch auch tagsüber können ziehende Vögel beobachtet werden. Vor allem in der ersten Oktoberhälfte und in der Monatsmitte lohnt es sich, bei schwarzen Drosseln genauer hinzugucken. Jetzt rasten manchmal auch Ringdrosseln an Feldgehölzen oder Waldrändern. Ihre lauten tock-tock-Rufe wirken oft härter und tiefer als bei Amseln. Ringdrosseln sind außerdem etwas größer, die Flügel sind aufgehellt und der helle Brustring sollte letzte Unsicherheiten bei der Bestimmung beseitigen, aber Vorsicht, es gibt auch Amseln mit Farbaberrationen. Ringdrosseln sind bei uns die mit Abstand seltenste regelmäßig vorkommende Drosselart und vor allem im Oktober zu beobachten.

Singdrosseln sind sehr häufige, oft übersehene Brutvögel in Mitteleuropa. Charakteristisch auf dem Zug sind die hohen zipp-Rufe, während das gefleckte Gefieder der Unterseite Ähnlichkeiten mit Rot- und Misteldrossel aufweist. Die Rufe hört man auch in der Dunkelheit. Mitteleuropäische Brutvögel überwintern als Kurzstreckenzieher vor allem im Mittelmeerraum. In den wintermilden Regionen von NRW sind aber selbst Januarbeobachtungen nicht ungewöhnlich und im Februar können bereits die ersten Sänger gehört werden.

 

Misteldrossel
Misteldrossel neben Mistel (© Darius Stiels)

Misteldrosseln sind die größte heimische Drosselart. Die Fleckung der Unterseite erinnert an Singdrosseln, in der Luft sind sie aufgrund ihrer Größe nicht leicht von Wacholderdrosseln zu unterscheiden. Schnarrende Rufe sind jedoch charakteristisch. Auf dem Zug fallen Misteldrosseln vor allem in kleineren Trupps oder als Einzelvögel auf. Sie sind aber auch manchmal mit Wacholder-, Mistel- und Singdrosseln vergesellschaftet. Der Name ist kein Zufall – Mistelbeeren werden häufig gefressen und wer im Winter nach Seidenschwänzen sucht, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit zuerst Misteldrosseln finden.

Rotdrosseln sind nordische Brutvögel und bei uns klassische Durchzügler im Herbst und Frühjahr, die aber auch teilweise überwintern. Bei der Rast fallen sie nicht selten unter Wacholderdrosseltrupps auf. Sie sind ähnlich gefärbt wie Singdrosseln, unterseits ebenfalls kräftig gefleckt, die Achselfedern sind aber viel rötlicher und vor allem die Kopfzeichnung ist kennzeichnend. Im Flug sind sie durch spitzere Flügel starenähnlicher als Singdrosseln. Wichtigstes Merkmal ist aber der sehr hohe, scharfe (und in guten Sonagrammen erkennbar modulierte) zieeh-Ruf.

 

Wacholderdrossel
Wacholderdrossel (© Darius Stiels)

Wacholderdrosseln haben im 20. Jahrhundert ihre Brutverbreitung in NRW ausgebreitet, mittlerweile ist die Art aber insbesondere im Nordwesten unseres Landes als Brutvogel nahezu wieder verschwunden. Auf dem Zug und als Wintergast können Wacholderdrosseln allerdings in allen halboffenen Lebensräumen des Landes beobachtet werden. Nicht selten bilden sie große Trupps. Sie sind bei näherer Betrachtung erstaunlich bunt gefärbt und auch ein ganzes Stück größer als Sing- und Rotdrosseln und sogar größer als Amseln. In früheren Zeiten wurden Wacholderdrosseln, die tatsächlich auch manchmal Wacholderbeeren fressen, oft bejagt. Auch heute ist illegale Vogeljagd, vor allem im Mittelmeerraum, ein Gefährdungsfaktor für Drosseln.

Einige wenige weitere Drosselarten aus Sibirien bzw. Nordamerika (Wanderdrossel) sind ebenfalls als sehr seltene Ausnahmeerscheinungen in NRW nachgewiesen worden. Wer selbst Drosseln beobachtet, kann seine Beobachtungen wie gewohnt auf www.ornitho.de melden. Der europaweite Durchzug, z.B. der Rotdrossel, lässt sich aussagekräftig auf dem Eurobirdportal nachvollziehen.
Wir wünschen schöne Drossel-Beobachtungen!

 

 

02.11.2026

Einladung zur ADEBAR-2-Tagung und zum NWO-Advenstkolloqium

ADEBAR-Logo
Logo ADEBAR 2

Liebe Kolleginnen und Kollegen, liebe Freundinnen und Freunde der Ornithologie,

wir laden Sie herzlich zur ADEBAR 2-Tagung sowie zum anschließenden Adventskolloquium der NWO ein, die am 5. Dezember 2026 im LWL-Landeshaus in Münster stattfinden werden.

Die Veranstaltung bietet am Vormittag als „ADEBAR 2-Tagung“ Einblicke in aktuelle Projekte rund um das Vogelmonitoring und die ADEBAR2-Kartierung in Nordrhein-Westfalen. Dabei bleibt Zeit für Ihre Fragen. Am Nachmittag folgen im „Adventskolloquium“ zwei interessante Vorträge: Arno Schoppenhorst referiert über den Wiesenvogelschutz in Bremen und Prof. Oliver Krüger von der Universität Bielefeld berichtet von einer langfristigen Populationsstudie zum ökologischen Gleichgewicht zwischen Uhu, Habicht und Mäusebussard. Neben den hochkarätigen Fachbeiträgen bleibt genug Zeit für Austausch und Begegnungen in vorweihnachtlicher Atmosphäre. Die Teilnahme ist kostenlos. Heiß- und Kaltgetränke sowie ein leichtes Mittagessen werden angeboten. Eine Spende wird erbeten. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen, spannende Diskussionen und ein schönes, gemeinsames Adventskolloquium in Münster!
Die Einladung, das detaillierte Programm und die Anfahrtsbeschreibung finden Sie hier.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Birgit Beckers (1. Vorsitzende der NWO)

PS: Bitte melden Sie sich bis zum 22.11.2026 per E-Mail bei Ralf Joest an: joest@nw-ornithologen.de

Ralf Joest

 

 

15.10.2026

Hotspot der Vogelvielfalt: Bioakustische Langzeitstudie am Leverkusener Buschbergsee erweitert das Verständnis der Biodiversität und Dynamik der ansässigen Vogelwelt

Artikel-Cover
Artikel-Cover: Uferschwalben (© Hans-Martin Kochanek)

Neuer Artikel im Charadrius: Hotspot der Vogelvielfalt: Bioakustische Langzeitstudie am Leverkusener Buschbergsee erweitert das Verständnis der Biodiversität und Dynamik der ansässigen Vogelwelt. Passives akustisches Monitoring spielt eine immer größere Rolle in der Avifaunistik. Roger Briesewitz et al. unterstreichen dies mit ihrer Untersuchung, die sie folgendermaßen zusammenfassen:

„Ein gutes Verständnis der Biodiversität an einem ökologisch interessanten Standort ist die Voraussetzung für Maßnahmen zum Erhalt und zum Schutz der dortigen Natur. Die Vogelwelt gilt als Indikator für den ökologischen Zustand eines Lebensraums. Die Erfassung der Vogelwelt wurde bisher durch Momentaufnahmen in gewissen Abständen von Experten vor Ort visuell und auf Grundlage der Vogellaute durchgeführt. Durch neue Technologien ist es jetzt möglich, Vogelstimmen durch passives akustisches Monitoring (PAM) an einem Ort zu erfassen und von einer KI-basierten Software wie BirdNet die Vogelarten bestimmen zu lassen. Eine solche akustische Langzeitstudie wurde über den Zeitraum von einem Jahr am Buschbergsee, einer stillgelegten Kiesgrube in Leverkusen, durchgeführt. Die Darstellung der BirdNet-Analyse mit der von uns neu entwickelten Software BirdSound zeigt die große Biodiversität der Vogelwelt am Buschbergsee in visuell leicht verständlicher und durch Speicherung der Aufnahmen überprüfbarer Form. 73 % der Vogelarten wurden mit einer Präzision von 90 % oder besser erkannt. Bei 27 % der Arten kam es zu Falschbestimmungen von mehr als 10 %. Bei diesen Arten und generell bei weniger als 30 Nachweisen pro Jahr wurden die Bestimmungen manuell überprüft und Fehlbestimmungen entfernt. Durch die bioakustische Langzeitstudie wurden Einblicke in die Dynamik der Vogelwelt im Laufe der Jahreszeiten gewonnen und viele neue Vogelarten am See identifiziert. Die Ergebnisse der Studie weisen auf notwendige Maßnahmen zur ökologischen Aufwertung des Areals hin und liefern eine fundierte Argumentationsgrundlage für die Bestrebungen, den Buschbergsee unter Naturschutz zu stellen.“

 

Der Charadrius mit diesem und weiteren Beiträgen ist für Mitglieder kostenlos, kann aber auch zum Preis von 18,00 € pro Heft + Porto bei der Geschäftsstelle bezogen werden. Auch Neumitglieder erhalten das Heft kostenfrei (solange der Vorrat reicht). NWO-Mitglied werden lohnt sich!

 

 

08.10.2026

Der Seidensänger im Höhenflug: erster Brutnachweis im Süderbergland bei Iserlohn

Artikel-Cover
Artikel-Cover: Seidensänger (© Andre Matull)

Neuer Artikel im Charadrius: Der Seidensänger im Höhenflug: erster Brutnachweis im Süderbergland bei Iserlohn. Andre Matull dokumentiert seine Beobachtungen zusammenfassend im folgenden Text.

„Im Jahr 2025 wurde am Seilersee in Iserlohn erstmals eine erfolgreiche Fortpflanzung des Seidensängers Cettia cetti im Süderbergland belegt. Sie fügt sich in die aktuelle Ausbreitung der Art ein, im Zuge derer auch Nordrhein-Westfalen besiedelt wurde. Mit einer Höhe von 223 m NHN stellt der Nachweis die erste bestätigte Brut oberhalb der 200-Meter-Linie in Deutschland dar und damit zugleich den aktuell höchstgelegenen Brutplatz bundesweit. Die Dokumentation des Brutnachweises umfasst die Revierbesetzung ab Ende April, die Nestbauaktivität sowie belegten Futtertransport und die Kotsackentsorgung bis Ende Juli. Er veranschaulicht die Besiedlungsdynamik und zeigt, dass erstmals klimatisch anspruchsvollere Mittelgebirgslagen über der bisherigen Höhenverbreitungsgrenze erfolgreich besiedelt wurden.“

 

Der Charadrius mit diesem und weiteren Beiträgen ist für Mitglieder kostenlos, kann aber auch zum Preis von 18,00 € pro Heft + Porto bei der Geschäftsstelle bezogen werden. Auch Neumitglieder erhalten das Heft kostenfrei (solange der Vorrat reicht). NWO-Mitglied werden lohnt sich!

 

 

07.10.2026

ADEBAR 2-Meeting im Münsterland

ADEBAR-Veranstaltung
Jonas Brüggeshemke (DDA) berichtet über die Einwanderung des Austernfischers in die Innenstadt von Münster – ein Beispiel für die spannenden Ergebnisse von ADEBAR 2
(© Ralf Joest)

Der Herbst ist die Zeit der Ernte. Auch wenn der Vogelzug noch in vollem Gang ist, laden die länger werdenden Abende schon dazu ein, auf die Ergebnisse der Saison zurück zu blicken. Für alle ADEBAR 2-Aktive in NRW bedeutet dies, sich nun der Auswertung der in der Brutsaison gesammelten Daten zu widmen. Genau dies war Thema des ADEBAR-Treffens für das Münsterland, das Aline Förster auf Haus Heidhorn, dem Sitz der NABU Station Münsterland am ersten Oktober-Wochenende organisiert hatte.

Ralf Joest (NWO) stellte den Stand der ADEBAR-Kartierung in NRW dar. Aline Förster (NABU Station Münster), Jonas Brüggeshemke (DDA) und Johannes Freese (DDA) berichteten über den Stand der Kartierungen in Warendorf, Münster und Steinfurt. Dabei wurde auch das Vorgehen bei der Auswertung erläutert. Es konnten aber auch schon erste Ergebnisse gezeigt werden, die interessante Einblicke in die Entwicklung unser Vogelwelt seit der letzten ADEBAR-Kartierung vor 20 Jahren geben. Auf der einen Seite sind deutliche Rückgänge bei Arten der Feldflur wie z.B. dem Kiebitz und dem Feldsperling zu erkennen. Auf der anderen Seite haben Arten wie das Schwarzkehlchen oder der Gartenrotschwanz im Münsterland im Bestand deutlich zugenommen. Beim Waldkauz und insbesondere beim Austernfischer ist in Münster eine Einwanderung in den urbanen Raum zu erkennen.

Interessante Ergebnisse, die schon jetzt zeigen, welches Potential in ADEBAR 2 steckt. Schon dies sollte Grund genug sein, weiter zu machen. Ein weiterer Grund ist aber der Austausch und die Zusammenarbeit mit Gleichgesinnten. Daher klang die Veranstaltung im Gespräch bei Kaffee und Kuchen im schönen Bauerngarten von Haus Heidhorn aus.

Für alle Interessierten biete ich jeweils am ersten Mittwoch des Monats (wenigstens) ein Online-Meeting an, auf dem wir uns über Auswertung und Ergebnisse austauschen können. Aber auch wenn Sie vor Ort kleinere Treffen, zum Beispiel der lokalen OAG, veranstalten möchten, sprechen Sie mich gerne an: joest@nw-ornithologen.de

Ralf Joest

 

 

05.10.2026

Bundesweites Feedback zum Monitoring seltener Brutvögel: Ziegenmelker

Ziegenmelker
Nachtschwalbe oder Ziegenmelker
(© Stefan R. Sudmann)

Die nacht- bzw. dämmerungsaktiven Ziegenmelker, neuerdings von einigen Nachtschwalben genannt (die Vögel melken weder Ziegen noch sind sie Schwalben), sind in den meisten Regeionen nach jahrzehntelangen Bestandsrückgängen nur noch seltene Brutvögel in Deutschland. Ihre bundesweite Bestandsentwicklung wird in Deutschland vom Dachverband Deutscher Avifaunisten über ein Modul des Monitorings seltener Brutvögel erfasst.

Das Ziegenmelkermodul startete erst im Jahr 2024. Dabei werden singende Vögel entlang von Transekten erfasst. Bundesweit gibt es bisher 59 vergebene Routen, von denen mittlerweile auch aus 50 Gebieten Daten zurückgekommen sind. Maximal wurden dort zusammengerechnet 387 Individuen erfasst. Zudem hat die NWO die Erforschung dieser charismatischen Art in einem besonderen Projekt unterstützt.

Schwerpunkte des Ziegenmelkermonitorings liegen in Niedersachen und Rheinland-Pfalz. In NRW gibt es bisher nur drei Routen, von denen zwei vergeben sind und insgesamt 10 Vögel erfasst wurden. In NRW werden allerdings Ziegenmelker noch anderweitig erfasst, so dass der bundesweite Blick an dieser Stelle relevanter ist. Nach den vorläufigen Auswertungen des aktuellen Berichtes gibt es gebietsweise sowohl leicht negative als auch leicht positive Tendenzen. Insgesamt ergibt sich gegenüber dem Vorjahr daher eine weitestgehend stabile Bestandssituation. In Sachsen konnten entlang einer einzelnen Route 45(!) Individuen erfasst werden, in Sachsen-Anhalt gab es eine Route mit 28 und in Niedersachsen eine mit 27 Individuen.

Einen vollständigeren vorläufigen Überblick über die Ergebnisse der diesjährigen Saison liefert der Bericht des DDA, der hier heruntergeladen werden kann.

 

 

01.10.2026

Raumnutzung von Kranich, Blässgans , Tundrasaatgans, Graugans und Kiebitz im Oppenweher Bruch und Oppendorfer Fledder im Kreis Minden-Lübbecke

Artikel-Cover
Artikel-Cover: Kraniche (© Karin Bohrer)

Neuer Artikel im Charadrius: Raumnutzung von Kranich, Blässgans , Tundrasaatgans, Graugans und Kiebitz im Oppenweher Bruch und Oppendorfer Fledder im Kreis Minden-Lübbecke. Karin Bohrer und Lothar Meckling fassen die Ergebnisse über ihre Studie an Rastvögeln so zusammen.

„Im Winter 2024/2025 wurden erstmals systematische und landesübergreifende Rastvogelzählungen im landwirtschaftlich geprägten Bereich südlich des Oppenweher Moores (Kreis Minden-Lübbecke) durchgeführt, das zur Diepholzer Moorniederung gehört. Die Diepholzer Moorniederung, und Teile der hier untersuchte Gebiete sind ausgewiesen als Ramsar-Gebiet und Teil des Natura 2000-Netzwerkes der EU FFH- und Vogelschutzrichtlinie. Allerdings zeigen die hier vorgestellten Daten, dass wichtige Bereiche für Kraniche, Blässgänse, Tundra Saatgänse und Kiebitze (aber auch Arten wie Kornweihe) außerhalb der bisher definierten Schutzzonen liegen. Für Kraniche repräsentiert das Untersuchungsgebiet der wichtigste Rastplatz in Nordrhein-Westfalen und wurden bisherig bekannte landesweite Bestandsschätzungen mehrfach überschritten. Insgesamt zeigen die Ergebnisse, dass der Bereich Oppendorfer Bruch internationale Bedeutung für den Kranich, nationale Bedeutung für die Blässgans und landesweite Bedeutung für die Tundrasaatgans besitzt. Der Bereich Oppendorfer Fledder erreicht nationale Bedeutung als Rastgebiet für Kranich und Blässgans; für Tundrasaatgans und Kiebitz wird eine landesweite Bedeutung erreicht. Im Zählgebiet Oppenweher Moor in Niedersachsen wurden im Rahmen der Untersuchung zudem Kranichbestände mit internationaler Bedeutung nachgewiesen. Auf Basis der hier vorgestellten Daten bedürfte es sowohl eine Nachjustierung der Bestandsdaten in den existierenden Standard-Datenbögen des Vogelschutzgebietes „Oppenweher Moor“ als ein Schutzkonzept für den bisher nicht als Schutzzone abgegrenzte Bereiche die aber auf Basis der Bestände und Raumnützung ebenso wichtig sind als die bereits designierte Gebiete. Zudem wird empfohlen, der nordrhein-westfälische Teil des Untersuchungsgebietes in den landes- und bundesweite Monitoring von Gänsen und Schwänen aufzunehmen, damit die hier vorgestellte Ergebnisse weiter verstetigt werden können und eine wichtige Lücke im Netzwerk der Zählgebiete geschlossen werden kann.“

 

Der Charadrius mit diesem und weiteren Beiträgen ist für Mitglieder kostenlos, kann aber auch zum Preis von 18,00 € pro Heft + Porto bei der Geschäftsstelle bezogen werden. Auch Neumitglieder erhalten das Heft kostenfrei (solange der Vorrat reicht). NWO-Mitglied werden lohnt sich!

 

 

30.09.2026

Europaweite Limikolenzählung am 17./18. Oktober 2026

Kiebitz
Hauptzielart der herbstlichen Limikolenerfassung ist der Kiebitz (© Hans Glader)

Alle sechs Jahre organisiert die „International Wader Study Group“ eine Synchronzählung rastender Goldregenpfeifer. Ziel ist die Erfassung der Gesamtpopulation in Europa als Grundlage für den Schutz dieser Art. In Deutschland werden bei diesem Termin auch Kiebitz und Großer Brachvogel erfasst, die in ähnlichen Habitaten vorkommen und für die so eine gute Datenlage über das Rastvorkommen im Binnenland geschaffen wird. Die Teilnahme an dieser Zählung ist ganz einfach.

In NRW geht es dabei vor allem um den Kiebitz, der auch abseits der Zählkulissen der Wasservogelzählung und Gänse- und Schwanenzählung häufig vorkommt. Gerade die Rastbestände in den Agrargebieten wie den Börden zu erfassen, ist für den Vogelschutz sehr wichtig. Bei den letzten Vogelschutzberichten waren die Ergebnisse der Zählung im Herbst 2020 die einzige gute Datenbasis für NRW. Europaweit werden mit den Ergebnissen die internationalen Populationsschätzungen für den Goldregenpfeifer aktualisiert und abgeleitete Parameter wie das sogenannte 1%-Kriterium der Ramsar-Konvention angepasst. (Große) Brachvögel rasten in NRW nur sehr lokal, aber auch hier sind aktuelle Zahlen natürlich wichtig.

Wann?

Der Termin der Limikolen-Zählung ist der 17./18. Oktober, gleichzeitig mit dem regulären Mittmonats-Zähltermin für Wasservögel und Gänse und Schwäne. Die eigentliche Zählperiode läuft von Freitag bis Montag, d.h. vom 16. bis 19. Oktober. Damit die Zählung so synchron wie möglich abläuft, wäre eine Erfassung in dieser Periode wichtig.

Mitmachen

In vielen Gebieten erfolgt die Erfassung über Gänse- und Schwanenzählung, an Gewässern meist auch über die Wasservogelzählung. In der Agrarlandschaft, vor allem in den Bördelandschaften lohnt es sich aber auch auf Äckern, gezielt nach den drei Limikolenarten zu suchen. Beobachtungen können hier einfach per NaturaList-App oder über ornitho.de gemeldet werden. Für solche Meldungen wird ein spezieller Projektcode zugeschaltet: GRP/KI2026 (in der NaturaList-App unter „Erfassungsprojekt“, im gleichen Fenster, in dem man auch Details zu Altersangabe oder Zugverhalten eingibt). Falls in einem kontrollierten Gebiet keine Limikolen vorgefunden wurden, genügt einmal eine Meldung von Null Kiebitzen. Dann ist bei einer späteren Auswertung klar, dass jemand vor Ort war. Um Doppelerfassungen zu reduzieren, empfehlen wir, sich vor der Zählung bei einem der Ansprechpartner:innen zu melden. Optional können und sollen gerne auch Informationen zum Rasthabitat eingetragen werden. Bei der Eingabe sollten außerdem überfliegende von rastenden Vögeln unterschieden werden.

Rückblick

Bei der letzten Zählung im Oktober 2020 wurden in NRW zehn Goldregenpfeifer, 7.987 Kiebitze und 281 Große Brachvögel (geschätzt 300) gezählt. Goldregenpfeifer kommen also in NRW selten vor. Sie sind sozusagen das Sahnehäubchen bei einer Zählung, aber bei Kiebitz und Großem Brachvogel liegen die Bestände für das Binnenland im Mittelfeld, bzw. an deren Obergrenze (Brachvogel). Das vollständige Ergebnis der letzten Zählung ist hier online verfügbar.

Weitere Informationen und Kontakte finden sich in einem ausführlichen Rundbrief.