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Aktuelle Meldungen

23.07.2026

ADEBAR 2 in NRW – Zwischenbilanz im zweiten Kartierjahr

Trauerschnäpper
ADEBAR2-Quadranten mit TK/4-Verantwortlichen in NRW (Vergabestand am 14.07.2026)

Mit dem Abschluss der zweiten Kartiersaison kann die NWO für das bundesweite Brutvogelatlas-Projekt ADEBAR 2 eine erfreuliche Bilanz ziehen: Dank des außergewöhnlichen Engagements der vielen ehrenamtlich Aktiven sind wir auf einem sehr guten Weg, eine fundierte Datengrundlage für einen neuen Atlas der Brutvögel in NRW und Deutschland zu schaffen.

Unser herzlicher Dank gilt allen Kartierenden, regionalen Koordinatorinnen und Koordinatoren sowie allen anderen, die zum Gelingen dieses großen Gemeinschaftsprojekts beitragen. Die erhobenen Daten bilden eine unverzichtbare Grundlage für den Vogelschutz in NRW und weit darüber hinaus.

Beeindruckende Beteiligung und viele wertvolle Daten

Die bisherigen Ergebnisse können sich sehen lassen: Bis zum 01. Juli 2026 waren bereits 485 der insgesamt 1.098 Kartierquadranten (44 %) in NRW vergeben. Damit gehört unser Bundesland – unter den Flächenländern, die 2025 mit der Kartierung begonnen haben – weiterhin zu den führenden Ländern bei der Flächenabdeckung.

Besonders erfreulich ist die Situation in den Ballungsräumen sowie in vielen Städten und Gemeinden des Tieflandes. Hier konnten bereits zahlreiche Quadranten vollständig oder sogar mehrfach bearbeitet werden. Insgesamt haben 542 Aktive bislang mehr als 7.100 vollständige und 6.300 unvollständige ADEBAR-Listen erstellt und dabei über 10.000 Stunden ehrenamtlicher Kartierarbeit geleistet. Hinzu kommen zahlreiche Beobachtungen über ornitho.de und NaturaList, die ebenfalls in die Auswertung einfließen.

Die Mittelgebirge bleiben eine spannende Herausforderung

Fernglas und Handy
Fernglas und Smartphone sind genug, um Daten für ADEBAR 2 zu erheben
(© Ralf Joest)

Trotz dieser positiven Entwicklung gibt es weiterhin Regionen, in denen zusätzliche Unterstützung benötigt wird. Insbesondere in den weniger dicht besiedelten Mittelgebirgen – etwa im Sauerland oder Siegerland – bestehen noch Kartierungslücken.

Gerade diese Landschaften sind ornithologisch besonders interessant. Die Veränderungen der Waldökosysteme in den vergangenen Jahren bieten die Chance, neue Entwicklungen in der Vogelwelt zu dokumentieren. Deshalb möchten wir gezielt dazu ermutigen, auch einmal neue Gebiete zu erkunden. Eine Möglichkeit bieten gemeinsame Kartieraktionen, sogenannte „Birdblitze“, bei denen mehrere Aktive an einem Tag oder Wochenende gemeinsam einen Quadranten bearbeiten.

Nach der Kartierung beginnt die Auswertung

Neben der Feldarbeit rückt nun zunehmend die Auswertung der gesammelten Daten in den Mittelpunkt. Für zahlreiche Quadranten werden noch Verantwortliche gesucht, die die vorhandenen Beobachtungen im ADEBAR-Dashboard auswerten. Diese Aufgabe ist weit weniger kompliziert, als sie zunächst erscheinen mag, und eröffnet spannende Einblicke in Veränderungen der Brutvogelbestände gegenüber der ersten ADEBAR-Kartierung.

Gemeinsam Lücken schließen

Auch wenn bereits viel erreicht wurde, liegen noch einige spannende Jahre vor uns. Mit dem anhaltenden Engagement der vielen ehrenamtlichen Kartierenden und Auswertenden sind wir jedoch zuversichtlich, die noch bestehenden Lücken zu schließen und ADEBAR 2 in NRW weiter voranzubringen.

Wir bedanken uns herzlich bei allen Beteiligten für ihren großartigen Einsatz und wünschen eine erholsame Sommerzeit. Wir freuen uns darauf, gemeinsam die nächsten Schritte zu gehen.

Ralf Joest (joest@nw-ornithologen.de)

 

 

17.07.2026

Gemeinsam für Mensch und Natur in NRW: Wiederherstellung von Natur als Chance nutzen – NWO unterzeichnet Erklärung mit mehr als 30 anderen Verbänden

Trauerschnäpper
Trauerschnäpper brüten in lichten, höhlenreichen Wäldern voller Totholz, teilweise kommen sie auch in alten Parks und Gärten mit entsprechendem Baumbestand vor
(© Hans Glader)

Mit der EU-Wiederherstellungsverordnung hat sich Europa erstmals verbindliche Ziele für die Renaturierung geschädigter Natur gesetzt – für NRW die große Chance, die Weichen auf Klimaresilienz und höhere Lebensqualität zu stellen.

Gemeinsam mit vielen weiteren, engagierten nordrhein-westfälischen Akteuren unterstützen wir eine Gemeinsame Erklärung, um den großen gesellschaftlichen Rückhalt für eine entschlossene und kooperative Umsetzung der W-VO sowie die hohe Bedeutung intakter Natur für alle Bereiche der Gesellschaft zu unterstreichen und konstruktive Dialoge und Diskussionen zu initiieren.

Die NWO ist Teil eines breiten Netzwerks, das nicht nur aus dem Naturschutz kommt, sondern auch aus den Bereichen Soziales und Gesundheit, Sport und Wirtschaft sowie Ernährung, Nachhaltigkeit sowie Garten- und Landschaftspflege. Wir bekennen uns heute zur gemeinsamen Verantwortung für den Schutz und die Wiederherstellung unserer natürlichen Lebensgrundlagen.

Mehr Natur bedeutet mehr Lebensqualität! In NRW sind über 50 % der geschützten Ökosysteme in keinem guten Zustand – mit Folgen für Klima, Artenvielfalt und uns alle. Die EU-Wiederherstellungsverordnung gibt uns jetzt die Werkzeuge, um das zu ändern.

Arten verschwinden, Lebensräume gehen verloren, Extremwetter nimmt zu. Etwa 80 % der geschützten Lebensräume in Europa sind in schlechtem Zustand. Wenn wir diese Lebensräume wiederherstellen, profitieren nicht nur Tiere und Pflanzen – sondern wir alle: Intakte Natur sichert unsere natürlichen Lebensgrundlagen. Fruchtbare Böden und gesunde Bestäuberpopulationen sind Grundvoraussetzung für eine nachhaltig sichere Lebensmittelproduktion. Naturnahe Wälder, Moore und Feuchtgebiete mindern die Folgen von Hitze, Dürre und Starkregen. Funktionierende Ökosysteme sind Voraussetzung für eine verlässliche Rohstoffversorgung und stabile Lieferketten. Naturnahe Landschaften und Grünflächen sind unverzichtbar für Gesundheit und Erholung.

Stieglitz
In artenreichen Blühflächen und Brachen in der Agrarlanschaft und im Siedlungsbereich finden Stieglitze reichlich Nahrung (© Hans Glader)

Die erfolgreiche Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung in NRW bedarf neben der stringenten und langfristig gesicherten und Finanzierung Transparenz, wissenschaftliche Fundierung und die Einbindung aller relevanten Akteure. Insbesondere an der Schnittstelle zwischen Naturschutz und Landnutzung sollten kooperative und nachweislich wirksame Ansätze für naturverträgliche Bewirtschaftung identifiziert, weiterentwickelt und zentral gefördert werden.

Mit der seit August 2024 geltenden Wiederherstellungsverordnung haben die Mitgliedsstaaten erstmals einen verbindlichen europäischer Rahmen geschaffen, um diesen Trend umzukehren. Was in Unternehmen oder der Klimapolitik längst Standard ist, hält nun auch im Naturschutz Einzug: messbare und zeitgebundene Ziele werden mit einer flexiblen Maßnahmenplanung hinterlegt. Statt rückblickend zu berichten, wie sich der Zustand der Natur weiter verschlechtert hat, wird nun vorausschauend geplant. Die Verordnung definiert konkrete Wiederherstellungsziele – für geschützte Biotope und auch für alle Hauptlebensräume außerhalb von Schutzgebieten. Viele Zielvorgaben und Indikatoren sind nicht neu und auch die notwendigen Datenerhebungen findet teilweise bereits statt. Aktuell arbeiten Bund und Länder am nationalen Wiederherstellungsplan, dem zentralen Instrument zur Erreichung der Ziele der Verordnung. Dieser muss bis September 2026 bei der Europäischen Kommission vorliegen.

Was bedeutet „Wiederherstellung“? Maßnahmen zur Wiederherstellung von Ökosystemen sind vielfältig. Dazu gehören beispielsweise in den Agrarlandschaften mehr Landschaftselemente und eine naturverträgliche Bewirtschaftung sowie die Stärkung von Bestäuberpopulationen (z.B. artenreiche Blühstreifen). Oder in Wäldern die Aufwertung durch höhere Anteile an Totholz, breitere Altersstruktur und mehr Vielfalt der Baumarten. Im Siedlungsbereich dienen Grünflächen als Indikator, naturnah gestaltete Wasserflächen kühlen die Umgebung und steigern die Artenvielfalt.

Die Verordnung verpflichtet dabei die Mitgliedstaaten zur Zielerreichung, greift jedoch nicht direkt in die Bewirtschaftung einzelner Flächen ein. Wie Maßnahmen konkret umgesetzt werden, entscheiden Bund und Länder selbst – etwa über Förderprogramme, freiwillige Maßnahmen und bestehende Instrumente. Damit bleibt viel Raum für praxisnahe und regional angepasste Lösungen. Die Umsetzung erfolgt überwiegend auf Landes-, Regional- und kommunaler Ebene. Damit kommt auch NRW eine Schlüsselrolle zu.

Wir rufen die Landesregierung, Bezirksregierungen, Kreise, Städte und Gemeinden dazu auf, die Umsetzung der EU-Wiederherstellungsverordnung in NRW entschlossen, ambitioniert und partnerschaftlich voranzutreiben. Wir stehen bereit, diesen Prozess konstruktiv zu begleiten und aktiv mitzugestalten. Für die Natur, für kommende Generationen und für ein zukunftsfestes, lebenswertes Nordrhein-Westfalen. Die Wiederherstellung der Natur ist eine gemeinsame Aufgabe – und eine gemeinsame Chance. Nutzen wir sie.

Die gemeinsame Erklärung aller Verbände kann hier heruntergeladen werden.

 

 

16.07.2026

ADEBAR 2: Wo sind eigentlich die Feldsperlinge?

Feldsperling
Feldsperling in der Hellwegbörde
(© Herrmann Knüwer)

Das Schöne an der ADEBAR-Kartierung ist, dass man praktisch gezwungen ist, auch mal in der „Normallandschaft“ zu kartieren und nicht einfach wie alle anderen zur Beobachtungshütte ins nächste Feuchtgebiet zu fahren. Das schärft den Blick für die kleinen Besonderheiten in der unmittelbaren Umgebung. Anstatt darauf zu hoffen, dass gefühlt 73ste Foto von derselben Knäk- oder Moorente zu machen, hat man Gelegenheit, sich mit den unscheinbaren Arten der Kulturlandschaft zu beschäftigen, die man sonst oft einfach „abhakt“.

Bei meinen ADEBAR 2 - Rundgängen in den Dörfern der Hellwegbörde war in diesem Jahr das ganze Spektrum der Avifauna der Dörfer erfreulich gut vertreten. Dies reichte von Türkentaube über Grauschnäpper und beiden Schwalbenarten bis zu Hausrotschwanz und Bluthänfling. Besonders auffällig waren noch viele Stare, und auf fast jedem Kamin rief eine Dohle. Auch Haussperlinge waren recht häufig anzutreffen. Dagegen scheint der Feldsperling nahezu vollständig aus der Landschaft verschwunden zu sein: jedenfalls hatte ich Mühe, die Art auf den drei von mir bearbeiteten Quadranten nachzuweisen. Erst gegen Ende der Saison ist es mir schließlich doch noch gelungen, an einer der für diese Region typischen Obstbaumalleen entlang der grünen Feldwege kurz vor meiner Haustür einige Bruten zu finden.

Hellwegbörde
An dieser alten Obstbaumallee in der Hellwegbörde konnte ich noch ein paar Bruten des Feldsperlings entdecken (© Ralf Joest)

Der Feldsperling war noch vor wenigen Jahren in der Hellwegbörde regelmäßig und weitverbreitet anzutreffen. Bei der letzten ADEBAR-Kartierung für den Zeitraum 2005 bis 2009 wurden für die drei Quadranten mit typischer Bördelandschaft noch mehr als 50 bzw. zweimal mehr als 150 Reviere angegeben. Für die Rheinische Börde wies Michael Kuhn schon vor einigen Jahren in einem bemerkenswerten Charadrius-Artikel auf den dramatischen Bestandsrückgang der Art hin. Lokal führte dieser Trend zum vollständigen lokalen Verschwinden, wie eine Studie der OAG Bonn dokumentiert. Auch bundesweit sind die Bestände des Feldsperlings nach den Daten des Monitorings häufiger Brutvögel erheblich zurückgegangen. Die Ursachen für diese drastische Entwicklung werden zurzeit erforscht. Vermutet werden u.a. Pestizide, Krankheiten oder Nahrungsmangel zur Brutzeit oder im Winterhalbjahr. Ein einzelner, entscheidender Faktor ließ sich aber bislang nicht identifizieren. Die Rückgänge gerade bei den Feldvögeln sind sicher nur durch das Zusammenwirken mehrerer Faktoren zu verstehen. Klar ist aber, dass diese Arten von Maßnahmen zur Aufwertung der Agrarlandschaft profitieren.

Dieses kleine Beispiel zeigt, dass die für ADEBAR 2 erhobenen Daten eine unverzichtbare Grundlage für die Argumentation im Vogelschutz sein werden. Nur durch die wiederholte Erfassung aller, auch der sogenannten Allerweltsarten, können wir bemerken, wie deren Bestände sich verändern. Die Auswertung der kartierten Daten gibt Einblicke in die Dynamik der Brutvogelbestände in der eigenen Umgebung, aber auch landes- und bundesweit. Es wird sicher spannend, das Kommen und Gehen der Arten auch auf dem eigenen Quadranten verfolgen zu können: Helfen Sie mit!

Ralf Joest (joest@nw-ornithologen.de)

 

 

15.07.2026

ADEBAR-Titelbild – Wettbewerb wird verlängert

Titel ADEBAR 2
Ihr Werk als Titelbild für ADEBAR 2?

Ob Zeichnung, Gemälde oder Collage – unser Dachverband, der DDA, freut sich jeden Tag über neue, spannende Einsendungen für das Titelbild des neuen ADEBAR. Allerdings kamen Rückmeldungen, dass der Bearbeitungszeitraum für viele Vogelbegeisterte und Kartierende eine besondere Herausforderung war, da er mitten in der intensiven Brutzeit lag.

Der Wettbewerb wird daher um zwei Monate verlängert und läuft nun noch bis zum 30. September 2026. Die Bekanntgabe des Gewinner:innen-Bildes wird dann auf den 15. November verschoben.

Faire Chance für alle: Auch wer bereits ein Bild eingereicht hat, kann die zusätzliche Zeit natürlich nutzen, um noch den ein oder anderen Pinselstrich zu korrigieren oder das eigene Werk auszuarbeiten. Schicken Sie dazu einfach eine Mail an adebar.wettbewerb@dda-web.de mit dem Hinweis, dass Sie bereits ein Bild ins Rennen geschickt haben und wir die neuere Version berücksichtigen sollen.

Den DDA erreichen außerdem immer wieder Fragen zu geeigneten Vorlagen. Ein passendes Bild zu finden, ist oft nicht ganz leicht, denn auch die Nutzungsrechte müssen geklärt sein. Wenn Sie Unterstützung bei der Suche nach entsprechendem Material benötigen, melden Sie sich ebenfalls gerne unter adebar.wettbewerb@dda-web.de.

Hintergründe zur Suche nach einem ADEBAR-Titelbild finden Sie hier.

 

 

08.07.2026

Ein gutes Wachteljahr? Hinweise zur gezielten Suche

Wachtel
ornitho-Karte: Bisherige Wachtelmeldungen in NRW bis zum 10.07.2026

Wachteln haben eine faszinierende Brutbiologie, Bestände können zwischen einzelnen Jahren stark schwanken und die Vögel entziehen sich aufgrund ihrer komplexen Brutbiologie oft klassischen Erfassungsprogrammen. Dank ornitho.de und den Erfassungen für ADEBAR 2 gibt es jedoch vorsichtige erste Hinweise auf ein gutes Wachteljahr 2026.

Vogelbeobachtende bekommen Wachteln aufgrund ihrer heimlichen Lebensweise meist nur selten zu Gesicht. Sie sind typische Feldvögel, die in Getreideäckern, Brachen und in nicht zu nassem Grünland leben. Sie kommen vom Tiefland bis ins Gebirge vor. Wie bei nahezu allen Feldvögeln haben ihre Bestände langfristig abgenommen. Ihr typischer Gesang „pick-per-wick“ wurde früher von der Landbevölkerung oft als „Bück-den-Rück“ interpretiert. Wachteln singen oft nachts und werden daher bei Tagesexkursionen nicht selten übersehen bzw. überhört. Um Wachteln nachzuweisen, sind daher Nachtexkursionen besonders hilfreich. Wachteln sind die einzigen Langstreckenzieher unter den heimischen Hühnervögeln. Sie überwintern in Afrika südlich der Sahara. Leider sind sie auf dem Zug häufig Opfer von menschlicher Verfolgung.

Während erste Wachteln bereits im April bei uns erscheinen, kommen andere Individuen erst spät im Jahr in ihren mitteleuropäischen Brutgebieten an, teilweise erst im Juni. Wahrscheinlich haben einige dieser Wachteln zuvor bereits im Mittelmeerraum gebrütet. Auch werden Jungvögel sehr schnell geschlechtsreif und können wohl bereits im selben Jahr brüten. Wachteln fliegen je nach Bedingungen in Südeuropa also in unterschiedlichem Maß nach Mitteleuropa ein. Solche Einflüge nach Mitteleuropa gibt es sonst auch bei einigen seltenen Gastvögeln und Ausnahmeerscheinungen, sind aber auch von anderen Artengruppen außer Vögeln bekannt. So scheint es 2026 auch einen Einflug von Distelfaltern nach Westeuropa zu geben. Die Ursachen müssen aber natürlich nicht kausal zusammenhängen.

Durch Beobachtungen in ornitho.de lässt sich die Verbreitung der Wachteln mittlerweile recht gut abbilden. Daten aus einem einzelnen Jahr geben dabei allerdings nur grobe Anhaltspunkte. In der gezeigten ornitho-Karte sind beispielsweise auch Doppelmeldungen enthalten. Durch Mahd und Trockenheit verlagern sich die Vorkommen und Männchen verbleiben nur kurz im Brutgebiet, bevor sie an anderer Stelle erneut balzen. Wachteln wurden 2026 fast überall in NRW festgestellt. Bisher gab es 837 Wachtelmeldungen aus NRW mit einem Brutzeitcode (die Art tritt auch als nächtlicher Durchzügler auf und Rufe können dann sogar über Städten gehört werden, ohne dass die Vögel dort rasten oder gar brüten). Im letzten Jahr waren es zur selben Zeit lediglich 675 Meldungen. Durch ADEBAR 2 hat sich die Beobachtungs- und Meldeaktivität vielerorts gesteigert und auch aus den anderen genannten Gründen kann anhand dieser Zahlen noch nicht auf eine genaue kurzfristige Bestandsentwicklung geschlossen werden. Die Zahlen geben aber zumindest einen allerersten Hinweis auf ein stärkeres Auftreten als im letzten Jahr. Auffälligere Nachweislücken gibt es noch in einigen Bereichen der Westfälischen Bucht, in kleineren Bereichen des Niederrheins und im Sieger- und Sauerland. Gebiete ohne aktuellen Nachweis liegen aber zumindest teilweise auch in relativ dünn besiedelten Gebieten, in denen die Meldeaktivität geringer ist, so dass ein tatsächliches Fehlen nicht unbedingt anzunehmen ist. Schwerpunkte der Meldungen sind allerdings die fruchtbaren und ackerreichen Börden, was durchaus den Erwartungen entspricht, aber auch hier wurden wahrscheinlich noch Wachteln übersehen.

Auch wenn für viele andere Arten die Brutzeit bereits vorbei ist, kann es sich in den nächsten zwei Wochen noch lohnen, gezielt nach Wachteln zu suchen. Mit vorsichtigem und standardisiertem Klangattrappeneinsatz kann die Nachweiswahrscheinlichkeit gesteigert werden. Auch Zufallsmeldungen helfen, die Verbreitung dieser Art besser zu verstehen. Konkrete Tipps zur Erfassung, auch mithilfe von Klangattrappen, geben die artspezifischen ADEBAR-Hinweise. Wir sind optimistisch, mit Abschluss von ADEBAR 2 einen besseren Einblick in Vorkommen und Bestände dieses ungewöhnlichen Feldvogels zu bekommen.

 

 

08.07.2026

Bundesweites Feedback zum Saatkrähenmonitoring

Saatkrähe
Saatkrähe (© Hans Glader)

In NRW werden seit mehreren Jahrzehnten Saatkrähen erfasst. Bundesweit gibt es das Saatkrähenmodul im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel seit 2019. Nun liegen bereits vorläufige Ergebnisse für die diesjährige Saison des MsB vor.

Bundesweit sind 1798 Kolonien in der Kulisse. Auch in NRW sind mittlerweile 331 Gebiete digital hinterlegt und 124 vergeben, damit hat es einen deutlichen Fortschritt beim Übergang in die digitale Datenerhebung gegeben. Bundesweit wird die erfreuliche Entwicklung in NRW im nun erschienenen Feedback-Bericht hervorgehoben. Das Saatkrähenmodul wird in NRW dankenswerterweise von der Vogelschutzwarte im LANUK koordiniert.

Erfeulicherweise ist der bundesweite Datenrücklauf dieses Jahr zu dieser Zeit bereits höher als letztes Jahr. Mit einer Zeitreihe von acht Jahren sind nun auch erste vorläufige Auswertungen möglich. Überregional kam es zu einer Zunahme des Bestandsindexes, der auch in allen Großregionen Deutschlands einigermaßen gleichmäßig zu sein scheint. Lokal kann es jedoch auch unterschiedlich aussehen. Vielerorts kommt es zu Vergrämungen der Vögel.

Bundesweit gibt es acht Zählgebiete mit mehr als 1.000 Nestern, davon eine auch in NRW. Die größte „Kolonie“ (einzelne Zählgebiete können aus mehreren Teilkolonien bestehen) befindet sich mit 2.401 Nestern in Schleswig-Holstein.

Weitere Informationen, Kontakte und Mitmachmöglichkeiten gibt es hier. Der vollständige Feedback-Bericht ist hier als pdf verfügbar.

 

 

06.07.2026

Bundesweites Feedback zum Graureihermonitoring

Graureiher
Graureiherkolonie (© Darius Stiels)

Graureiher gehören zu den bekanntesten Brutvogelarten unseres Landes. Nun liegen vom Dachverband Deutscher Avifaunisten (DDA) erste bundesweite Ergebnisse aus der Monitoringsaison 2026 vor.

Seit 2019 werden die bundesweiten Brutbestände des Graureihers im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel erfasst. Die Datenübermittlung via ornitho.de und NaturaList-App erlaubt vergleichsweise schnell nach der Saison erste vorläufige Analysen. Der Datenrücklauf ist allerdings noch nicht abgeschlossen und Kartierende werden gebeten, eventuell noch fehlende Daten nachzumelden. Bisher deutet sich an, dass 2026 wie auch das Vorjahr ein eher schlechtes Graureiherjahr war. Der Bestandsindex ist leicht gesunken. Negativ scheint die Bestandsentwicklung vor allem im Osten und Norden Deutschlands.

Das digitale Monitoring hat auch zu einer Verbesserung der Datenqualität geführt. Auch die Liste der erfassten Gebiete ist gegenüber dem Vorjahr gestiegen und das MsB ist in allen Bundesländern aktiv. Kombinationen mit früheren Daten sind mittlerweile möglich und erste Bestandstrends zeigen die großräumige Entwicklung seit nunmehr fast 50 Jahren. Alle Details lassen sich im Feedback-Bericht des DDA nachlesen.

Das Monitoring des Graureihers wird in NRW von der Vogelschutzwarte im LANUK koordiniert. Weitere Informationen, Kontakte und Mitmachmöglichkeiten beim Graureihermodul gibt es hier. Der vollständige Feedback-Bericht ist hier als pdf verfügbar.

 

 

25.06.2026

Flussseeschwalben trotzen Starkregen und Hitze

Flussseeschwalbe
Wegen der Hitze erhielten die Küken bei der Beringung noch eine Erfrischung
(© Stefan R. Sudmann)

Barbara C. Meyer und Stefan R. Sudmann kümmern sich seit Jahrzehnten erfolgreich um den Schutz der bedrohten Flusssseeschwalbe. Die eleganten Fischjäger brüten ursprünglich an naturbelassenen Flüssen und Strömen mit ungestörten Kiesbänken. Da diese Lebensräume im mitteleuropäischen Binnenland nahezu verschwunden sind, bieten künstliche Flöße einen geeigneten Ersatzlebensraum. Nun können die beiden Biologen von einem neuen Erfolgserlebnis berichten.

Bei der Kontrolle der Brutflöße am Niederrhein im Rahmen des vom Landesamt für Natur, Umwelt und Klima NRW (LANUK) unterstützten NRW-weiten Monitorings wurden bislang mehr als 180 Brutpaare festgestellt. Nur 2017 waren es mit knapp 200 Paaren mehr. Besonders erfreulich ist, dass trotz der Starkregen während der Schlupfphase und der momentanen Hitze nur wenige Küken gestorben sind. Deshalb tummeln sich nun auf vielen Brutflößen die kleinen Seeschwaben. Von den Eltern werden sie mit Fischen (kühlt von innen) und Wasser im Gefieder (kühlt von außen) versorgt. Ein toller Erfolg, der durch die Unterstützung verschiedener Kiesfirmen, der Biologischen Station im Kreis Wesel und Privatpersonen möglich wurde. “

Barbara C. Meyer & Stefan R. Sudmann