09.01.2024

Weißstörche in NRW im Höhenflug

Weißstorch
Eine Erfolgsgeschichte im Artenschutz in NRW: Weißstorch (© Hans Glader)

Die Rückkehr des Weißstorches in Nordrhein-Westfalen ist einer der größten landesweiten Artenschutzerfolge der letzten Jahrzehnte. Von drei Brutpaaren im Jahr 1991 erfolgte eine Populationszunahme auf 705 Paare im Jahr 2022 mit insgesamt 1.203 ausgeflogenen Jungvögeln.

Die Entwicklung in NRW spiegelt sich auch in ganz Deutschland. Der Sympathieträger Weißstorch hat in NRW von umfangreichen Arten- und Naturschutzmaßnahmen profitiert und vom Engagement vieler Akteurinnen und Akteure. Auch das veränderte Zugverhalten, wahrscheinlich in Folge veränderter Nahrungsgrundlagen und ggf. des Klimawandels, ist Ursache für die Bestandszunahme.

In einer aktuellen Veröffentlichung aus unserer AG Weißstorch berichten Michael Jöbges, Birgit Beckers und Gerhard Lakmann über diese Erfolgsgeschichte des Natur- und Artenschutzes. Weißstörche besiedelten Nordrhein-Westfalen wahrscheinlich im 16. Jahrhundert. Vermutlich war der Bestand dabei noch nie so groß wie heute. Der Schwerpunkt der Verbreitung liegt heute wie wohl auch in früheren Zeiten im Tiefland Westfalens und am Niederrhein. Die meisten Horstpaare leben im Kreise Minden-Lübbecke, wo die Art selbst zu Zeiten des Bestandstiefs im Jahr 1991 noch brütete. Weißstörche haben von vielen Schutzmaßnahmen wie LIFE-Projekten zur Wiederherstellung ihrer Lebensräume profitiert. Hinzu kommen markante Veränderungen des Zugverhaltens. Die Population in NRW gehört zu den sogenannten Westziehern. Die Vögel überwintern heute vielfach bereits auf der Iberischen Halbinsel, während der Zug über die Meerenge von Gibraltar nach Westafrika heute seltener als früher stattfindet. Die meisten Weißstörche kommen im Februar/März in NRW an und verlassen unser Bundesland meist ab Ende Juli bis September mit einem Höhepunkt des Durchzugs im August. Jungvögel ziehen meist vor den Altvögeln. Wenige Weißstörche überwintern auch bei uns, ihre Zahl liegt vielleicht bei etwa 30-40 und ist seit mehereren Jahren ziemlich konstant. Brutplätze befinden sich zwar zu 80 % auf Nistplattformen, aber der Anteil der Baumbrüter liegt bei erstaunlichen 18 %. Besiedelt werden hier besonders naturnahe Auenlebensräume. Weißstörche haben offensichtlich keine Probleme, geeignete Nistplätze zu finden.

Die AutorInnen wehren sich dagegen, Weißstörche als „Problemart“ anzusehen. Entsprechende Aussagen aus der Landwirtschaft, der Jäger:innenschaft oder auch von einzelnen Naturschützer:innen, die über einen negativen Einfluss auf andere Arten mutmaßen, sind unbegründet. Der Bestandsrückgang bei vielen Arten der Kulturlandschaft hängt von anderen Faktoren ab als von der Zunahme des Weißstorchs.

Der Artikel erschien in der Zeitschrift Natur in NRW (Heft 4/2023) und kann kostenlos als pdf hier heruntergeladen werden.