17.10.2024

Vogel des Jahres 2025: Hausrotschwänze in NRW

Hausrotschwanz
Vogel des Jahres 2025: Hausrotschwanz
(© Darius Stiels)

Bei der von NABU und LBV veranstalteten Wahl zum Vogel des Jahres 2025 wurde der Haurotschwanz mit mehr als 30 % der 143.00 abgegebenen Stimmen knapper Sieger vor der Waldohreule. Schwarzstorch, Schwarzspecht und Kranich kamen auf die weiteren Plätze, wie der NABU vor Kurzem auf seiner Homepage bekannt gab. Für uns Grund genug, sich genauer anzuschauen, wie es denn mit Hausrotschwänzen in NRW aussieht.

Hausrotschwänze stehen wie kein anderer Kandidat für unsere Siedlungen als Lebensraum für Wildtiere. Sie sind ursprüngliche Felsbewohner und wer beispielsweise Urlaub in den Alpen oder anderen Gebirgen Europas macht, wird kaum an Hausrotschwänzen vorbeikommen. In NRW sind natürliche Felslebensräume selten, aber auch bei uns brütet die Art beispielsweise in ehemaligen oder aktiven Steinbrüchen. Die am dichtesten besiedelten Gebiete sind bei uns aber vor allem Städte und Dörfer. Mehr als sechs Brutpaare können auf einem Quadratkilometer brüten. Hausrotschwänze gehören zu den wenigen Vögeln, die selbst komplett verbaute Innenstädte besiedeln. Im ländlichen Raum brüten sie in Dörfern oder an Einzelgehöften, oft auch nur ein Paar pro Hof. Hohe Dichten werden in NRW etwa entlang der Rheinschiene und im Ruhrgebiet erreicht, wobei die Höhenlagen zwischen 100 und 400 m über dem Meeresspiegel etwas dichter besiedelt zu sein scheinen als das Tiefland. Im Brutvogelatlas NRW, dessen Daten allerdings schon etwa 15 Jahre alt sind, wird von einem Bestand von etwa 93.000 bis 125.000 Brutpaaren ausgegangen.

Besiedelt wurde NRW allerdings vermutlich erst im 18. und zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Das Vorhandensein von hohen Kirchen und anderen steinernen Gebäuden dürfte dabei eine gewisse Rolle gespielt haben. NRW wurde also erst vergleichsweise spät besiedelt und in Nordrhein nahm die Art im 20. Jahrhundert noch weiter zu. Die höchsten Dichten dürfte es nach Ende des Zweiten Weltkrieges gegeben haben, als die Trümmerlandschaften der verwüsteten Städte einen idealen Lebensraum boten. Nach dem Wiederaufbau kam es zu Bestandsrückgängen. Seitdem schwankten die Bestände, blieben aber in etwa konstant. Deutschlandweit kam es jedoch seit den 1990er Jahren zu Bestandsabnahmen. Die Art gilt aber nach den aktuellen Roten Listen noch als ungefährdet. Eine der wichtigsten Gefährdungsursachen dürfte der Verlust geeigneter Brutplätze sein. Mit der zunehmenden Sanierung von Altbauten, beispielsweise im Rahmen der ansonsten ja zu begrüßenden energetischen Gebäudesanierung, verlieren die Vögel Nischen und Halbhöhlen, in denen sie ihre Nester anlegen können. Unsere AG Gebäudebrüter kümmert sich um viele weitere Arten, die von der Zerstörung ihrer Brutlebensräume im Siedlungsbereich betroffen sind. Auch der Verlust von Insekten als Nahrungsgrundlage und die Bejagung in Südeuropa könnten Auswirkungen haben.

Unsere Brutvögel sind Kurzstreckenzieher. Sie ziehen im Herbst nach Südwesten und überwintern im Mittelmeerraum wie z.B. in Nordwestafrika und auf der Iberischen Halbinsel. Auf dem Wegzug lassen sich Hausrotschwänze oft auch in anderen Lebensräumen beobachten, so rasten sie nicht selten in der Feldflur. Die Rückkehr erfolgt vergleichsweise früh, bereits um Mitte März lassen sich Hausrotschwänze wieder an vielen Stellen in NRW beobachten. Hausrotschwänze überwintern auch teilweise bei uns und sind selbst im Januar in den wintermilden Gebieten an Rhein und Ruhr zu beobachten.

Wer Hausrotschwänze beobachten möchte, dürfte vielerorts fündig werden. Belohnt werden vor allem Frühaufsteher. Hausrotschwänze beginnen bereits lange vor Sonnenaufgang mit dem Gesang und sind im Frühjahr einer der allerersten Sänger. Der knarzende Gesang ist ziemlich einzigartig im städtischen Umfeld und leicht zu erlernen. Die prächtig gefärbten Männchen sind leicht zu erkennen. Weibchen sind dagegen unauffällig braun-grau, aber auch bei diesen fällt der namensgebende rötliche Schwanz auf. Im Gegensatz zu weiblichen Gartenrotschwänzen sind Brust und Bauch bei Hausrotschwänzen deutlich dunkler. Eine Besonderheit im Vergleich zur näheren und weiteren Verwandtschaft (Hausrotschwänze gehören zur Familie der Muscicapidae, den Fliegenschnäpperartigen) ist, dass Männchen im zweiten Kalenderjahr oft sehr ähnlich wie Weibchen aussehen. Sie tragen dann ein „Hemmungskleid“, wobei auch Vögel vorkommen, die deutlich mehr Ähnlichkeit mit adulten Männchen haben. Dann wird oft von „Fortschrittskleid“ gesprochen, wobei die Abgrenzungen nicht immer einfach möglich sind.