Vogelbestimmung – Zilpzalp oder Fitis?
Laubsänger sind eine der artenreichsten Vogelgruppen der gemäßigten Breiten Eurasiens. In NRW brüten drei Arten regelmäßig, von denen die Bestimmung zweier Arten immer wieder zu Kopfzerbrechen bei Vogelbeobachtenden führen. Im Folgenden gibt es Tipps für die Bestimmung von Zilpzalp und Fitis.
Fitis und Zilpzalp sind kleine agile Vögel, die sich geschickt durch das Blattwerk bewegen und auch auf dünnen Zweigen halt finden. Die Gesamtfärbung ist oberseits gelb-grünlich bis bräunlich mit hellerer Unterseite und vor allem im lichtdurchfluteten Laub nur selten als Bestimmungsmerkmal wirklich hilfreich. Fitisse wirken unterseits vor allem auf der Brust etwas gelber, Jungvögel im Spätsommer sind oft auch auf der ganzen Unterseite gelblich. Zilpzalpe sind dagegen oft noch etwas unscheinbarer gefärbt. Die große individuelle Variation erschwert aber die Unterscheidung. Die Kopfzeichnung gibt etwas mehr Hinweise: Fitisse sind kontrastreicher gezeichnet, der meist gelbliche Überaugenstreif und der etwas dunkler wirkende Zügel geben Hinweise auf diese Art. Beim Zilpzalp treten diese Merkmale oft weniger hervor. Bei vielen Individuen hilft auch die Beinfarbe, beim Fitis meist eher rosa bis bräunlich, beim Zilpzalp braun bis schwarz. Fitisse haben außerdem eine längere Handschwingenprojektion. Das bedeutet, der Teil des Flügels, der über die Schirmfedern hinausragt, ist länger als beim Zilpzalp. Das klingt etwas akademisch, ist aber eine typische Anpassung für einen Langstreckenzieher. Fitisse verbringen den Winter in Afrika, während Zilpzalpe als sogenannte Kurzsteckenzieher im Mittelmeerraum bleiben oder sogar bei uns ausharren.
Die Brutlebensräume unterscheiden sich etwas: Zilpzalpe können fast überall angetroffen werden, wo es Bäume gibt und leben z.B. in Wäldern, Feldgehölzen und Gärten. Fitisse kommen meist in lichteren Wäldern, am Waldrand und auf Schonungen vor. In Heiden, Mooren oder am Rand von Kiesgruben lassen sie sich nicht selten singend in Birkenbeständen beobachten. Sie sind in NRW deutlich seltener als Zilpzalpe. Auf dem Durchzug im April und im Spätsommer/Herbst können Fitisse aber auch in anderen Lebensräumen vorkommen und dabei auch singend angetroffen werden.
Die wichtigsten Bestimmungsmerkmale sind dann auch die Lautäußerungen. Der Name „Zilpzalp“ ist onomatopoetisch (lautmalerisch) – verständlicher formuliert singen Zilpzalpe ihren eigenen Namen. Das „zilp-zalp“ wird teilweise in leichten Abwandlungen oft stundenlang und teilweise auch in den Mittagsstunden vorgetragen. Die etwas herabfallende liebliche Strophe des Fitis hat keine Ähnlichkeit damit und erinnert vielleicht etwas an Buchfinkengesang oder den Beginn des Gesangs des Baumpiepers. Die typischen Rufe beider Arten sind einander dagegen ähnlich, beim Zilpzalp klingt der Ruf aber einsilbiger als das weiche zweisilbige „hu-id“ des Fitis. Zahlreiche Tonaufnahmen der Lautäußerungen finden sich auf der Plattform xeno-canto, hier für den Zilpzalp und hier für den Fitis.
Zu guter Letzt wollen wir nicht verschweigen, dass es mit dem Waldlaubsänger eine dritte regelmäßig bei uns vorkommende Laubsängerart gibt. Die grüne Oberseite, die leuchtend gelbe Brust mit Kontrast zum weißen Bauch erinnern etwas an den Fitis, sind in ihrer starken Ausprägung aber meist sehr charakteristisch. Nach einer trillernden Gesangsstrophe folgen oft melodisch „dü-dü-dü“-Silben. Mehrer weitere Laubsängerarten treten in NRW als Ausnahmeerscheinung auf.
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