FAQ - Häufig gestellte Fragen
Vogelbestimmung – Greifvogel im Garten?
Gärten können durchaus vielfältige Lebensräume sein, in denen eine Vielzahl von Vogelarten beobachtet werden kann. Nicht selten werden auch Greifvögel gesichtet und bereiten ab und zu Bestimmungsprobleme.
Zwar können grundsätzlich zumindest auf dem Zug (über Städten bildet sich nicht selten Thermik, so dass dort einige Greifvögel sogar gezielt die Aufwinde nutzen) oder als seltene Ausnahmeerscheinung quasi alle heimischen Greifvögel auch von der Terrasse oder vom Balkon aus gesehen werden, einige Arten sind aber ganz regelmäßig im Siedlungsbereich zu beobachten. Die häufigsten stellen wir hier vor, da viele Greifvögel gerade für Anfänger:innen nicht leicht zu erkennen sind.
Sperber Accipiter nisus
Gerade im Winterhalbjahr, wenn viele Menschen Kleinvögel füttern, hört man nicht selten Luftalarmrufe und ein Schatten schießt vorbei. Sperber sind hochspezialisierte Vogeljäger, für die Futterstellen eine willkommene Nahrungsquelle sind – allerdings interessieren sie sich eben nicht für Sonnenblumenkerne, sondern für Meisen, Finken, Sperlinge und Drosseln. Auch an Balkonen von Hochhäusern können sie durchaus mal beobachtet werden. Sperber sind etwa taubengroß und haben eine fein gebänderte Unterseite. Der Schwanz hat breite Bänder. Männchen und Weibchen sind wie bei Greifvögeln üblich unterschiedlich groß. Die Weibchen sind größer und erbeuten damit auch eher etwas größere Vogelarten wie Amseln. Manchmal brüten Sperber auch in Gärten – typischerweise in Koniferenbeständen. In einigen Städten brüten auch Habichte in Stadtparks. Illegale Greifvogelverfolgung sorgt höchstwahrscheinlich dafür, dass die Art nicht deutlich häufiger ist. Habichte sind deutlich größer als Sperber, aber insgesamt recht ähnlich gefärbt. Bei flüchtiger Betrachtung bzw. oft kurzen Beobachtungen oder großen Entfernungen können die beiden Arten leicht verwechselt werden. Habichte ernähren sich vielfach von größeren Vögeln wie beispielsweise Tauben.
Mäusebussard Buteo buteo
Mäusebussarde sind die häufigsten heimischen Greifvögel. Typischerweise brüten sie in Wäldern und Feldgehölzen und suchen oft im Offenland nach Nahrung. Nur vereinzelt brüten sie auch im Siedlungsbereich. Meistens sieht man sie kreisen, aber natürlich können sie auch in größeren Gärten Nahrung suchen oder rasten – sie ernähren sich von Kleinsäugern und sind deutlich größer als Sperber. In der Färbung sind sie sehr variabel, es dominieren aber verschiedene Brauntöne, oft erkennt man ein helles Brustband. Mehr Informationen zum Mäusebussard haben wir bereits hier zusammengestellt, weshalb wir uns an dieser Stelle kurz halten. Die meisten Beobachtungen unbestimmter Greifvögel in der freien Landschaft betreffen Mäusebussarde, die von Anfänger:innen mit quasi allen anderen Greifvogelarten verwechselt werden. Hier hilft einfach Übung. Greifvögel sind nicht die am einfachsten zu bestimmende Vogelgruppe und auch erfahrene Beobachter:innen schauen sich nicht selten Mäusebussarde zweimal an, um sie von einigen ähnlichen selteneren Arten zu unterscheiden. Im Zweifelsfall ist es aber viel wahrscheinlicher, einen ungewöhnlich gefärbten Mäusebussard zu beobachten als irgendeine Seltenheit.
Kleine braune Vögel im Garten – alles Spatzen?
Viele Vögel sind für das menschliche Auge recht unscheinbar gefärbt. Nicht selten dominieren Brauntöne, die eine besonders gute Tarnung ermöglichen. Weniger auffällig gefärbte Weibchen und Jungvögel sind oft weniger bekannt. Schnell werden dann fälschlicherweise Heckenbraunellen, Buchfinken und andere als „Spatz“ bestimmt.
Wenn ein kleiner brauner Vogel im Garten auftaucht, sind „Spatzen“ sicherlich für viele Beobachter:innen die erste Referenz. Hinter „Spatz“ verbergen sich aber zwei verschiedene Arten, der Haussperling und die mancherorts bereits selten gewordenen Feldsperlinge. Haussperlinge sind in vielen Gärten häufig, auch wenn die Bestände langfristig deutlich abgenommen haben. Auch Feldsperlinge besuchen Futterstellen, sind aber zumindest in NRW aus den meisten größeren Städten leider verschwunden. Vereinzelt sind sie noch in Dörfern anzutreffen. Bei Feldsperlingen sind Männchen und Weibchen quasi identisch gefärbt: sie haben eine warmbraune Kopfplatte und einen schwarzen Fleck im Bereich der Kopfseiten sowie eine schwarze Kehle. Haussperlingsmännchen mit ihrer grauen Kopfplatte sollten viele erkennen. Das Schwarz an Kinn und Kehle reicht manchmal bis auf die Brust. Die Weibchen sind jedoch unscheinbarer gefärbt, was dazu führt, dass viele unscheinbar gefärbte Vogelarten gedanklich ebenfalls unter „Spatz“ abgespeichert werden können. Ein guter Anhaltspunkt, wenn man die Vögel beispielsweise an einer Futterstelle beobachtet, kann der Schnabel sein. Typische Insektenfresser haben meist einen feinen dünnen Schnabel. Das gilt für Rotkehlchen (die gerade flüggen Jungvögel haben unterseits ein braunes Wellenmuster) und Heckenbraunellen sowie die Grasmücken, von denen Mönchsgrasmücken zwar häufig sind, meist aber über den Gesang entdeckt werden. Heckenbraunellen sind in gebüschreichen Gärten durchaus nicht selten, wenn auch kaum im Trupp anzutreffen – aufgrund ihres faszinierenden Paarungssystems können es aber selbst zur Brutzeit auch mal vier Altvögel gleichzeitig sein.
Welche Vögel legen die buntesten Eier?
Das Färben von Eiern hat eine lange Tradition – am bekanntesten sind sicherlich Ostereier, aber man hat im südlichen Afrika schon 60.000 Jahre alte dekorierte Straußeneier gefunden. Sumerer und alte Ägypter kannten verzierte Straußeneier als Grabbeigabe. Die Eier des Bankivahuhns, der Stammform unseres Haushuhns, sind aber erstmal unscheinbar weißgelblich bis rötlichbraun. Die reinweiße Farbe der Eier einiger Haushuhnrassen (die übrigens nichts mit der Gefiederfarbe der Hühner zu tun hat), ist das Ergebnis von Zucht und Domestikation. Farbenprächtige Eier gibt es dagegen bei vielen anderen Vogelarten, ohne dass Menschen oder Hasen hier ihre Finger im Spiel hatten.
Aus der Vielfalt der Eierfarben und Muster innerhalb der mehr als 10.000 Vogelarten ergibt sich eine kaum überschaubare Variation, die wir hier natürlich nicht mal annähernd wiedergeben können. Natürlich sind einige Eier nahezu weiß – z.B. bei Höhlenbrütern wie Eulen, andere haben die verschiedensten Grundfarben, es gibt grünliche, rötliche, blaugräuliche und natürlich nicht selten bräunliche oder beige Farbtöne. Zudem haben viele Eier Flecken, Strichel und komplizierte Muster. Bei Limikolen, die ihre Nester – oft nicht mehr als eine einfache Mulde – in baumlosen Lebensräumen ablegen, dienen diese Muster ganz offensichtlich der Tarnung. Beim Kuckuck und seinen Wirten gibt es ein evolutives Wettrüsten, wobei einzelne Kuckucksweibchenlinien (sogenannte Gentes) auf bestimmte Wirte spezialisiert sind und Eier legen, die denen ihrer Wirte angepasst sind. Die Muster aller Eier entstehen übrigens durch spezielle Pigmentdrüsen im Eileiter.
Welche Vögel legen die größten Eier?
Das „Standard-Ei“ ist für viele Menschen natürlich das Hühnerei. Aber es gibt Vogelarten, die deutlich größere und auch viel kleinere Eier legen. Welche Vogelarten sind die Rekordhalter und wie groß oder klein kann so ein Vogel-Ei werden?
Auf den ersten Blick ist es natürlich einfach. Je größer der Vogel, umso größer das Ei. So verwundert es nicht, dass die größten Eier aller rezenten Vogelarten die beiden heute anerkannten Straußenarten (Strauß und Somalistrauß) legen. Mittlere Eimaße liegen laut Handbook of the Birds of the World bei etwa 16 x 13 cm. Das Volumen beträgt damit etwa dem von 24 Hühnereiern. Ein Ei bringt rund 1400 g auf die Waage. Straußeneier sind aber nicht die größten Eier der Vogelwelt, die es je gegeben hat. Noch heute finden sich in einigen Gebieten Madagaskars die Überreste von Eischalen des ausgestorbenen Elefantenvogels Aepyornis maximus. Mittlere Eigrößen von 30 x 22 cm sind veröffentlicht (Mlíkowský 2003, Sylvia). Das Volumen lag bei über 8 Litern und ein einzelnes Ei konnte über 9 Kilogramm wiegen. Das entspricht also ungefähr 7 Straußeneiern oder 200 Hühnereiern. Elefantenvögel wurden vom Menschen ausgerottet und überlebten wahrscheinlich bis ins 12. oder 13. Jahrhundert. Übrigens, auch die Eier der ausgestorbenen Dinosaurier (Vögel sind auch Dinosaurier!) waren nach allem, was wir bisher wissen, nicht größer, auch wenn einige Dinoeier mit 4 Litern Volumen und einem Durchmesser von 25 cm alles andere als klein waren.
