FAQ - Häufig gestellte Fragen
Wie sehen Vögel?
Wie nehmen Vögel eigentlich ihre Umgebung visuell wahr? Als Wirbeltiere mit zwei Augen gibt es erstmal viele Gemeinsamkeiten mit uns Menschen, aber es gibt auch einige spannende Unterschiede.
Der grundsätzliche Aufbau der Augen ist mit Linse und Tränendrüsen den unsrigen recht ähnlich und auf der Retina gibt es extrem lichtempfindliche Stäbchenzellen und Zäpfchen, die dem Farbensehen dienen. Vögel hören zwar auch gut und können wohl auch besser riechen als vielfach angenommen, aber der Sehsinn ist für die meisten Arten besonders wichtig. Säugetiere sind im Gegensatz zu Vögeln vergleichsweise wenig bunt gefärbt und nur einige Arten – darunter altweltliche Primaten wie wir – können überhaupt Farben sehen. Die Ursachen dafür dürften in einer gänzlich anderen Evolutionsgeschichte liegen. Anders als selbst heute tagaktive Säuger haben die meisten Vögel beispielsweise keine Vorfahren, die wahrscheinlich über Millionen Jahre nachtaktiv lebten und dadurch ganz anderen Selektionsdrücken unterworfen waren. Ein auffälliger äußerer Unterschied von Vögeln zum Menschen ist die sogenannte Nickhaut, ein drittes von der Seite kommendes Augenlid, eine Bindehautfalte, die ähnlich unseren Lidern dem Schutz und der Befeuchtung der Augen dient (beim Menschen gibt es dieses Merkmal nur rudimentär). Die meisten Vogelarten haben eine dunkle Iris, allerdings gibt es auch Arten mit auffällig gefärbten hellen Iriden, manchmal mit individuellen Unterschieden z.B. nach Alter und Geschlecht. Welche Rolle die Irisfarben z.B. bei Kommunikation und Verhalten spielen, ist bisher aber noch nicht sehr gut untersucht.
Wie gut können Vögel riechen?
Bis Anfang des 20. Jahrhunderts dachte man noch, Vögel hätten keinen besonders guten Geruchssinn. Eine Aussage, die so heute so nicht mehr Aufrecht erhalten werden kann.
Die Vermutung, Vögel könnten schlecht riechen, reichte dabei allerdings teilweise noch weiter zurück. In den 1820er Jahren beobachtete der einflussreiche US-amerikanische Ornithologe John James Audobon (eine nicht unumstrittene Gestalt, aber einer der Paten der nordamerikanischen Ornithologie), dass Truthahngeier nicht an einen ausgelegten Kadaver kamen, den er mit Gebüsch abgedeckt hatte, während ein gut sichtbarer Kadaver von Truthahngeiern angenommen wurde. Kenneth Stager zeigte allerdings in den 1960er Jahren, dass Truthahngeier ausgezeichnet riechen konnten. Ende der 19070er zeigte David Houston anhand von Experimenten, dass Truthahngeier jedoch frisches Aas bevorzugen. Audobon hätte also wohl einfach einen weniger verrotteten Kadaver nehmen sollen und die Wissenschaftswelt hätte vielleicht schon früher annehmen können, dass Vögel gut riechen. Allerdings wurde bereits in den 1930er Jahren Erdgas, das durch Leitungen gepumpt wurde, Ethanthiol zugesetzt – eine übelriechende Flüssigkeit, deren Geruch auch von Kadavern ausgeht. Ethanthiol hilft bei der Suche von Gaslecks. In abgelegenen Regionen konnten vom Geruch angelockte Truthahngeier als Hinweis auf Gaslecks gedeutet werden und so vermutlich den Ingenieuren bei der Suche nach undichten Stellen helfen.
Es gab aber noch andere verwirrende Hinweise, die dafür sorgten, dass der Geruchssinn der Vögel unterschätzt wurde. Studien Anfang des 20. Jahrhunderts deuteten auf vergleichsweise kleine Riechkolben hin. Aber auch schon damals gab es erste Forschungsergebnisse, die diesen Annahmen widersprachen. Heute wissen wir, dass viele Vögel sehr wohl gut riechen können und dies auch großen Einfluss auf die Verhaltensökologie in dieser Tiergruppe hat und auch die Neuroanatomie hat diese ersten Annahmen widerlegt. Erste anspruchsvolle Experimente wie die am Truthahngeier wurden in den 1950er und 1960er Jahren durchgeführt. Heute haben Studien viele Geruchsrezeptoren nachgewiesen und genetische Studien zeigen grundsätzlich vergleichbare Geruchsfähigkeiten von Säugern und Vögeln (z.B. Steiger et al. 2008, Proc. Royal Soc. B.). Hinzu kommen mittlerweile zahlreiche Untersuchungen an verschiedenen Vogelarten, die die weite Verbreitung eines ausgeprägten Geruchssinns unter den Vögeln belegen. Von Albatrossen über Tauben, Alke, Papageien bis hin zu verschiedenen Singvögel ist der Geruchssinn mittlerweile in Bezug auf unterschiedlichste Fragestellungen untersucht worden.
Vogelzug und Klimawandel: Wenn das Timing nicht mehr stimmt – Was ist ein phänologischer Mismatch?
Die Klimakrise kann ganz unterschiedliche Auswirkungen auf Vögel haben. Ein wichtiger Aspekt, der in diesem Zusammenhang immer wieder genannt wird, ist die „Mismatch-Hypothese“. Hier passt das Timing nicht und das kann ernsthafte Konsequenzen haben.
Bevor es in die Details geht, ist es aber notwendig, einen Schritt zurückzutreten und sich anzuschauen, in welchem zeitlichen Rhythmus biologische Vorgänge ablaufen. Kurzfristige Tag-Nacht-Rhythmen bleiben an dieser Stelle unberücksichtigt, Lichtverschmutzung und singende Rotkehlchen unter Straßenlaternen sind ein eigenes Thema. Längerfristige Rhythmen bestimmen dagegen den Jahreslauf von Vögeln: das Brutverhalten, den Heim- und Wegzug oder die Mauser. Vögel haben eine innere Uhr. Untersuchungen zeigen, dass diese nicht ganz mit der tatsächlichen Jahresrhythmik übereinstimmt (ein inneres Vogeljahr ist in Laborexperimenten kürzer als 12 Monate) und zusätzlich gibt es externe Zeitgeber. Diese können insbesondere die Tageslänge, aber auch Faktoren wie Temperatur und Niederschlag (und eventuell auch die Nahrungsverfügbarkeit) sein.
Vogelzug und Klimawandel: Wie verändern sich Zugwege?
Vogelzug ist wahrscheinlich eines der erstaunlichsten Phänomene der Evolution auf unserem Planeten. Wir wissen nicht ganz genau, wann die heutigen Zugwege entstanden sind, Wanderungen von Tierarten sind aber wahrscheinlich deutlich älter als Vögel als eigenständige Tiergruppe selbst.
Vielfach wird selbstverständlich angenommen, dass die letzten Eiszeiten und das anschließende Holozän einen starken Einfluss auf die heutigen Wanderungsbewegungen insbesondere auf der Nordhalbkugel und damit auch hier bei uns in Europa gehabt haben. Einige Zugwege erscheinen erstaunlich konserviert: Steinschmätzer aus Alaska fliegen über abertausende Kilometer durch Asien, um in Afrika zu überwintern. Mögliche Überwinterungsgebiete in Amerika erscheinen viel näher. Neuntöter aus dem Westen ihres Verbreitungsgebietes überwintern im östlichen Afrika und ziehen nicht nach Westafrika. Der Vogelzug hat starke genetische Grundlagen. Schon lange ist das Phänomen der Zugunruhe bekannt. In den Zugzeiten hüpfen selbst gekäfigte Vögel aufgeregt hin und her. Sofern die Vögel sich orientieren können, hüpfen sie vor allem in die Richtung ihrer bevorzugten Abzugsrichtung - viele Zugvögel aus NRW würden sich im Herbst in der Südwestecke einer Voliere aufhalten. In bahnbrechenden Experimenten an Mönchsgrasmücken wurde gezeigt, dass die Nachkommen von Südwest- und Südostziehern eine mittlere Route nach Süden bevorzugen. Gleichzeitig etablieren sich aber auch neue Zugwege. In den letzten Jahren erschienen Veröffentlichungen, die dies für die jüngste Zeit z.B. für Spornpieper (Dufour et al 2021, Current Biol.), Gelbbrauen-Laubsänger (Dufour et al 2022, Movement Ecol.) oder Zwergammern (Ellwanger et al 2021, Dutch Birding) nahelegen. Die Mehrheit der Individuen dieser Arten ziehen traditionell aus der Paläarktis nach Südostasien, nicht wenige tauchen aber in den letzten Jahren vermehrt auch in Westeuropa auf und sind vielleicht Vorboten einer neuen Zugstrategie. Ob sich dieses Verhalten langfristig etabliert, bleibt aber natürlich abzuwarten. Ein noch bekannterer Fall der Ausbildung eines gänzlich neuen Zugweges ist das Beispiel der oben schon erwähnten Mönchsgrasmücken. Viele Vögel aus Mitteleuropa ziehen zum Überwintern nach Nordwesten auf die britischen Inseln, wo sie von intensiven Vogelfütterungen profitieren. Womöglich hat auch der Klimawandel mit seinen milderen Wintern dazu beigetragen. Damit sind wir bei der eigentlichen Frage angekommen, welchen Einfluss der Klimawandel auf die Zugwege und die Lage der Überwinterungsgebiete für Zugvögel hat.
