FAQ - Häufig gestellte Fragen

Vogelgehirn – Händigkeit bei Vögeln?

Nicht nur bei Menschen gibt es Links- und Rechtshändigkeit, auch bei vielen Tieren gibt es das entsprechende Pendant zum Rechtshänder oder Linkshänder. Vögel haben natürlich keine Hände wie wir, aber dennoch gibt es bei Vögeln entsprechend einseitig ausgeprägte Verhaltensweisen.

 

Rosaflamingo
Rosaflamingo (© Hans Glader)

Besonderheiten wie der neuseeländische Schiefschnabel mit seinem fast immer nach rechts gebogenem Schnabel fallen natürlich sofort auf, aber darum soll es hier nicht gehen. Der Vogelkörper ist äußerlich symmetrisch. Dennoch kann es aber beispielsweise Gliedmaßen geben, die bevorzugt genutzt werden. Bei Vögeln sind das in der Regel die Füße, schließlich sollten die Flügel einigermaßen die gleiche Kraft ausüben, um kräftesparend in eine Richtung zu fliegen. Oft wird dies mit einem Lateralismus im Hirn in Verbindung gebracht. Lateralismus des Hirns bedeutet, dass die beiden Hirnhälften obwohl äußerlich ähnlich unterschiedliche Aufgaben und Funktionen übernehmen. Das muss nicht unbedingt eindeutig mit Links-/Rechts-Händigkeit zusammenhängen, aber bei Vögeln gibt es dazu immerhin einige gute Hinweise. Entsprechende Verhaltensweisen lassen sich tatsächlich auch im Freiland beobachten und mittlerweile gibt es mehrere Beispiele aus ganz unterschiedlichen Vogelgruppen, die sich tatsächlich sehr gut mit der Händigkeit bei uns (oder anderen Säugetieren) vergleichen lässt.

Welchen Einfluss hat Plastik auf Vögel?

Das Umweltschutzthema Plastik findet im Vergleich zum klassischen Naturschutz in den Medien oft mehr Anklang, wird aber im Naturschutz gerade im Binnenland eher selten betrachtet. Dabei gibt es mehrfache Überschneidungen mit dem Vogelschutz.

 

Flussseeschwalbe
Makroplastik in Form von Angelschnüren kann zur Todesfalle für Wasservögel wie Flussseeschwalben werden (© Hans Glader)

Das Thema Plastikverschmutzung ist ein klassisches Umweltschutzthema. Es gibt jedoch mehrere wichtige Überschneidungen mit dem Vogelschutz, so dass Kunststoffe in der Umwelt auch ornithologisch relevant sind.

Im Fokus stehen bei der Debatte um die Plastikverschmutzung oft die Effekte auf die Meereswelt. Davon betroffen sind daher häufig zahlreiche Seevögel, aber für uns in NRW sind terrestrische Arten bzw. solche des Süßwassers vielleicht von unmittelbarer Bedeutung. Plastikverschmutzung spielt bisher im Vogelschutz in Mitteleuropa dennoch bisher kaum eine Rolle. Untersuchungen sind sicherlich aufwendig und andere Umweltfaktoren wie die Lebensraumzerstörung stellen insgesamt meist bedeutendere Gefährdungsfaktoren dar. Nach einem aktuellen Übersichtsartikel (Mansfield et al. 2024, Sci. Tot. Env.) zur Plastikverschmutzung gab es is 2024 aber nicht mal eine international in der Fachwelt sichtbare Studie aus den DACH-Ländern oder den an NRW angrenzenden Benelux-Staaten zu Plastikverschmutzung bei Nicht-Seevögeln, was der Situation wohl auch nicht gerecht wird. Auch wenn sich das geändert hat dürfte der Forschungsbedard unbestritten sein. Grundsätzlich unterscheidet man je nach Größe Makroplastik (> 5 mm), Mikroplastik (<100 nm). Von Makro- und Mikroplastik sind aber Vögel aus fast bei uns lebenden taxonomischen Gruppen betroffen. Das Plastik kommt aus den unterschiedlichsten Quellen und kann aufgenommen oder beispielsweise auch in Nester eingebaut werden.

Wann beginnt der Wegzug? „Winter is coming“ im Frühsommer?

Waldwasserläufer
Waldwasserläufer – bereits auf dem Weg in den Süden? (© Hans Glader)

Das ganze Jahr über sind weltweit Vögel irgendwo auf dem Zug in ihre Brut- und Winterquartiere. Der Wegzug in die Winterquartiere, oft auch Herbstzug genannt, beginnt allerdings nicht erst nach Ende des Sommers. Bereits im Frühsommer beginnnt der Abzug der ersten mitteleuropäischen Brutvögel. Der Juni ist in Mitteleuropa vielleicht der ungewöhnlichste Monat, denn Heim- und Wegzug können sich zu dieser Jahreszeit bei uns sogar kreuzen.

Langsteckenzieher erreichen ihre nordrhein-westfälischen Brutgebiete oft erst im Mai. Die letzten Zugvögel besetzen ihre Reviere bei uns sogar erst Ende Mai. Hocharktische Brutvögel können bei uns außerdem noch Ende Mai durchziehen, nicht selten gelingen zu dieser Jahreszeit schöne Beobachtungen von im Binnenland eher selten zu beobachtenden Limikolen und nachts ist selbst über Siedlungen der Ruf bzw. Gesang ziehender Wachteln zu hören. Einige Arten sind auch noch Anfang Juni auf der Zwischenrast zu sehen. Normalerweise weiter südlich brütende Zugvögel erreichen zu dieser Jahreszeit ebenfalls manchmal Gebiete weiter nördlich. Oft wird vermutet, dass sie quasi über das Ziel hinausschießen, weshalb auch von „Zugprolongation“ oder „Overshootern“ gesprochen wird. Manchmal ergeben sich dadurch Beobachtungen regional seltener Arten, die für die meisten Beobachtenden mindestens das Salz in der Suppe der Vogelbeobachtung ausmachen. So ist der Juni der Monat, in dem es immer wieder zu Einflügen von Gänsegeiern nach NRW kommt, auch wenn die Zahlen von Jahr zu Jahr schwanken und dies ein besonderes und seltenes Phänomen bleibt.

Im Juni haben viele Standvögel und Kurzstreckenzieher aber auch bereits Junge. Diese streifen umher und können ggf. auch in ungewöhnlichen Lebensräumen auftauchen. Doch auch abgesehen von diesen eher ungerichteten Bewegungen, gibt es bereits einige Vögel, die sich auf den regulären Weg in ihre Überwinterungsgebiete machen. Für diese Arten gilt bereits im Frühsommer, der aus einer Fantasyserie bekannte Spruch „Winter ist coming“.

Wie schlafen Vögel?

Schlaf gehört zu den erstaunlichsten physiologischen Phänomenen. Die möglichen Ursachen für Schlaf sind im Detail gar nicht so leicht zu erforschen. Es herrscht aber weitgehende Einigkeit, dass es mit der notwendigen Erholung zu tun hat und wahrscheinlich auch eine große Rolle beim Lernen und Erinnern spielt. Wie auch Säugetiere schlafen Vögel, es gibt neben Gemeinsamkeiten jedoch einige erstaunliche Unterschiede zwischen beiden Gruppen.

Rosaflamingo
Rosaflamingos legen beim Schlafen den Kopf ins Rücken- bzw. Schultergefieder
(© Hans Glader)

Tagaktive Vögel schlafen nachts, nachtaktive Arten schlafen tagsüber. Zwischen verschiedenen Vogelarten gibt es zudem große Unterschiede in der täglichen Schlafdauer. Diese kann sehr kurz sein, kürzer als eine Stunde (z.B. bei Staren), oder knapp zwei Drittel des Tages umfassen, wie man es beim Zwergsäger beobachtet hat. Stare und Weißwangengänse schlafen im Sommer weniger als im Winter und sonst tagaktive Zugvögel ziehen oft nachts. Wie Säugetiere auch zeigen die Hirnströme bei schlafenden Vögeln zwei charakteristische Muster: Tiefschlaf (SWS: „slow wave sleep“) und REM-Schlaf (R.E.M. = „rapid eye movement“ – vielen als Name einer Rockband bekannt). Eine Besonderheit zeigen Strauße. Sie haben während SWS-Phasen die Augen geöffnet. Die Vorderhirnaktivität wechselt während eigentlicher REM-Phasen schnell zwischen SWS und REM, ein Muster, das interessanterweise bei Säugern nur von Kloakentieren (Schnabeltiere und Schnabeligel) bekannt ist.

Schlafphasen sind bei Vögeln meist deutlich kürzer als beim Menschen und werden bei manchen Arten auch immer wieder ganz unterbrochen. Eine naheliegende Erklärung dafür, ist, dass Ausschau nach möglichen Fressfeinden gehalten wird. Viele Vögel suchen zum Schlafen auch sichere Plätze auf. Dazu gehören bei typischen Höhlenbrütern wie Meisen oder Spechten z.B. Baumhöhlen, andere schlafen im dichten Laubwerk und Schlafplätze von Staren und Schwalben im Schilf sind sicherlich vielen bekannt. Vögel wie Baumläufer schlafen außerhalb der Brutzeit oft eng aneinandergedrängt in kleinen Gruppen, was den Kälteverlust in Winternächten reduziert. Wasservögel schlafen schwimmend. Bei einigen Arten wird der Kopf gedreht und teilweise im Schultergefieder versteckt. Vögel legen den Kopf allerdings nicht wie manchmal behauptet unter den Flügel.

Eine Besonderheit des Vogelschlafs ist, dass Vögel quasi nur mit einer Gehirnhälfte schlafen können, während die andere wach ist. Dies wurde mittlerweile u.a. bei Hühnern, Enten, Möwen und Zebrafinken nachgewiesen, so dass das Phänomen weit verbreitet ist. Da die Neuronen kreuzweise verschaltet sind, können also Vögel mit dem linken Auge auf Prädatoren achten, während die rechte Hirnhälfte schläft – und umgekehrt.