FAQ - Häufig gestellte Fragen

Wer macht den Sommer? Schwalben in NRW

Schwalben gehören zu den bekanntesten Vögeln überhaupt. Eine reicht noch nicht für den Sommer, aber Frühlingsboten sind sie auf jeden Fall. Aber wie viele Schwalbenarten gibt es bei uns, wo leben sie, wie kann man sie unterscheiden und wie sieht es eigentlich um die Gefährdung und den Schutz unserer Schwalben aus?

Schwalben sind wie kaum eine andere Singvogelfamilie an das Leben in der Luft angepasst. Weltweit werden aktuell 92 Arten unterschieden (IOC World Bird List 15.1, www.worldbirdnames.org), von denen drei regelmäßig in NRW brüten: Rauchschwalbe, Mehlschwalbe und Uferschwalbe. Alle drei sind elegante schlanke Vögel mit dreieckig wirkenden, spitzen, relativ langen Flügeln und meist auffällig gegabelten Schwänzen.

 

Rauchschwalbe Hirundo rustica

Rauchschalbe
Rauchschwalben brauchen schlammige Pfützen, an denen sie Nistmaterial sammeln können (© Hans Glader)

Die Rauchschwalbe ist vielleicht die bekannteste heimische Schwalbenart. Rauchschwalben sind oberseits dunkelblau mit langem Schwanz, wobei vor allem die Männchen auffällige Schwanzspieße haben, die Jungvögeln im Spätsommer aber noch fehlen und die deshalb manchmal mit anderen Arten verwechselt werden. Unterseits haben die Vögel eine rötliche Kehle, die von einem dunkelblauen Brustband abgeschlossen wird. Der Bauch ist weiß, kann aber bei einzelnen Vögeln auch hier bei uns rötlich sein. Wer in gängige Bestimmungsbücher schaut, denkt dabei vielleicht irrtümlich an Unterarten aus anderen Regionen. Rauchschwalben sind fast kosmopolitisch verbreitet. Sie leben als Brutvögel in ganz Europa, weiten Teilen Asiens und Nordamerika, die Winterquartiere liegen in den Tropen. „Unsere“ Schwalben überwintern in Afrika südlich der Sahara. Heute kaum zu glauben, aber früher dachte man, die Vögel würden im schlammigen Grund von Gewässern überwintern. Vielleicht spielten Schlafplätze im Schilf an Gewässerrändern eine Rolle bei der Entstehung dieser Vermutung.

Rauchschwalben brüten vor allem im Inneren von Gebäuden, insbesondere in eher dunkleren Viehställen. Mit der Aufgabe kleinbäuerlicher Strukturen, der Aufgabe der Viehhaltung und neuartigen Ställen haben sie Brutlebensraum verloren. Wie alle Schwalben sind sie als Insektenfresser auf ein reichhaltiges Nahrungsangebot angewiesen. Das Insektensterben könnte also ebenfalls eine wichtige Rolle beim Bestandsrückgang spielen. In NRW lebten im Zeitraum 2005-2009 laut Brutvogelatlas noch 47.000 bis 90.000 Brutpaare, wobei der Bestandstrend abwärts zeigt. Die Art steht als gefährdet auf der Roten Liste.

 

Mehlschwalbe Delichon urbicum

Mehlschwalbe
Mehlschwalben leben in Kolonien und bauen ihre Nester außen an Gebäuden (© Hans Glader)

Während Rauchschwalben in NRW fast nur im ländlichen Raum brüten, sind Mehlschwalben in Städten und Dörfern verbreitet. Sie bauen ihre Nester außen an Gebäuden – oft sind es Häuser mit hellem Putz und überstehender Traufe - ein Sekundärlebensraum, an Küsten und im Gebirge werden Kalksteinfelsen besiedelt. Auch Mehlschwalben sind oberseits tief dunkelblau, die nahezu rein weiße Unterseite und der weiße Bürzel machen die Bestimmung unter guten Bedingungen aber unproblematisch. Schwanzspieße fehlen.

Leider werden immer wieder Nester von Häusern entfernt, obwohl das sogar eine Straftat darstellt. Wer sich am Kot stört, kann leicht mindestens einen Meter unter den Nestern kleine Brettchen anbringen. Mancherorts wird den Vögeln mit Kunstnestern oder sogenannten Schwalbenhotels geholfen. Unsere AG Gebäudebrüter hat zahlreiche Informationen und Praxisbeispiele zu diesem Thema.

In NRW steht es um die Mehlschwalbe ähnlich schlecht wie um die Rauchschwalbe. Im Brutvogelatlas sind für 2005 bis 2009 36.000 bis 68.000 Brutpaare angegeben und die Art steht als gefährdet auf der Roten Liste. Wie alle Schwalben sind Mehlschwalben Langstreckenzieher, die meist wenige Wochen nach den Rauchschwalben im Brutgebiet ankommen.

 

 

Uferschwalbe Riparia riparia

Uferschwalbe
Uferschwalben brüten in selbstgegrabenen Röhren in Steilwänden (© Hans Glader)

Die kleinste und am wenigsten bekannte heimische Schwalbe ist die Uferschwalbe. Sie bewohnt natürlicherweise die Steilufer von Flüssen, in die sie lange Röhren gräbt. Abgrabungen sind nach der Begradigung unserer Fließgewässer zu einem wichtigen Sekundärlebensraum geworden. Uferschwalben sind oberseits gänzlich braun, unterseits gibt es ein braunes Brustband auf hellem Untergrund.

Neben der Vernichtung des Lebensraumes stellen Störungen an den verbliebenen Brutplätzen eine wichtige Gefährdung dar. Die Bestände schwanken aber auch stark in Anhängigkeit von den Niederschlägen in der Sahelzone. Wer möchte, kann sich beim Uferschwalbenmonitoring im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel bei der Erfassung der Bestandstrends selbst engagieren. In NRW lebten im Atlaszeitraum 4.000 bis 6.000 Brutpaare und die Art gilt als stark gefährdet.

Die Liste der Schwalbenarten in NRW wäre allerdings nicht vollständig, würden wir nicht noch zwei Ausnahmeerscheinungen erwähnen. Rötelschwalben sind im Mittelmeerraum weit verbreitet und werden in seltenen Fällen auch in NRW beobachtet. Von der Felsenschwalbe, deren nächste Brutplätze in Süddeutschland liegen, gibt es erst eine Beobachtung aus NRW.

Vogelmonitoring: Wie werden Vögel erfasst?

Star mit Nistmaterial
Ein Star sammelt Nistmaterial - ein deutlicher Hinweis, dass er in der Nähe brüten wird
(© Hans Glader)

Die NWO zählt Vögel, besser formuliert Tausende Ehrenämtler*innen sind jeden Tag draußen und erfassen Zufallsbeobachtungen mithilfe von ornitho.de oder erfassen Vögel im Rahmen unserer Monitoringprogramme. Ziel von Erfassungsprogrammen kann es sein, die Arten eines Gebietes festzustellen und im besten Fall auch zu wissen, wie viele Individuen es von jeder Art gibt. Durch wiederholte Erfassungen lassen sich auch Veränderungen der Bestände einzelner Arten bzw. damit einhergehende größere Veränderungen ganzer Vogelgemeinschaften überwachen. Aber wie funktioniert das eigentlich konkret?

Am Anfang steht häufig die Frage, ob Teilbestände oder der Gesamtbestand in einem ausgewählten Gebiet erfasst werden sollen. Bei einem erfolgreichen Seeadlerpaar in NRW ist die Erfassung vermeintlich nicht so schwierig, aber auch hier stellt sich die Frage, ob wir wirklich ganz NRW abgesucht haben oder evtl. noch ein Paar übersehen haben könnten. Das ist nicht ganz auszuschließen und ganz streng genommen haben wir es bei eigentlich vollständigen Erfassungen eher mit einem Mindestbestand zu tun (Seeadler lassen sich aber vergleichsweise gut finden). Außerdem ist es wichtig zu überlegen, ob die Verbreitung einer Vogelart oder ihr Bestand im Vordergrund steht. Das bedeutet nicht, dass es zwischen beiden keinen Zusammenhang gibt, aber ein Koloniebrüter mag in einem Gebiet viel häufiger sein als eine gleichmäßig verbreitete Vogelart, die überall aber nur in sehr geringer Dichte vorkommt. Sucht man nur Teile eines Gebietes auf, lässt sich der Bestand einer überall gleichmäßig vorkommenden Vogelart vermutlich recht gut hochrechnen, bei einem Koloniebrüter oder einer anderen sehr ungleichmäßig verteilten Vogelart wird das schwierig. Die Erfassung von Teilbeständen findet auch dann oft Anwendung, wenn Bestandsentwicklungen (Trends) wichtiger als der exakte Bestand sind.

Bei Brutvögeln lassen sich grundsätzlich besetzte Nester zählen, aber manche Vogelarten bauen mehr als ein Nest und das Finden von Nestern kann unterschiedlich schwierig sein: Graureihernester vor dem Laubaustrieb zu zählen ist grundsätzlich einfacher, als alle Amselnester in einem großen Gebiet zu erfassen. Für viele Vogelarten ist im Rahmen typischer Bestandserfassungen die äußerst aufwändige Nestersuche aber heutzutage keine Option mehr. Zum Glück zeigen jedoch viele Vögel an, dass sie ein Revier besetzt haben – z.B. durch ihren Gesang und dank Ferngläsern lassen sich Vögel auch aus der Distanz bestimmen. Dadurch ergeben sich viele weitere Möglichkeiten, Bestände zu erfassen.

Wir können hier nicht alle verfügbaren Methoden im Detail erklären, die in der Praxis zur Anwendung kommen. Oft sind die Ansätze artspezifisch, manchmal reicht es, bestimmte Lebensräume in einem Teilgebiet aufzusuchen und auch Beringung, Telemetrie, Fotofallen, passives akustisches Monitoring, Spurensuche inklusive DNA-Analyse und vieles andere kann je nach Fragestellung zum methodischen Werkzeugkasten gehören. Artspezifische Methoden wie die bereits genannten Nesterzählungen kommen z.B. bei einigen Modulen des Monitorings seltener Brutvögel auch in NRW zum Einsatz. So werden für das Trendmonitoring der Uferschwalben die Brutröhren gezählt. Stehen aber gleich ganze Vogelgemeinschaften im Fokus, müssen die Methoden universeller sein. Wir möchten hier an dieser Stelle dazu drei besonders häufig angewendete Ansätze vorstellen: Revierkartierung, Linienkartierung und Punkt-Stopp-Zählung.

Vogelmonitoring: Wie werden Vogelansammlungen erfasst?

Kampfläufer, Kiebitze, Pfeifente
Wie viele Vögel sind auf dem Foto? 1 Pfeifente, 3 Kiebitze und 44 Kampfläufer (© Hans Glader)

Viele Vogelarten bilden große Ansammlungen: Zur Brutzeit sind es insbesondere Kolonien, außerhalb der Brutzeit bilden viele Vogelarten Schwärme, die aus einer oder aus mehreren Arten bestehen können. Aber wie werden eigentlich Vogelschwärme gezählt?

Das Erfassen von Kolonien ist nicht immer einfach, insbesondere wenn diese nicht gut einzusehen sind oder aber so groß, dass ein einfaches Auszählen der Nester nicht in Frage kommt. In Nordrhein-Westfalen fehlen natürlich die großen Seevogelkolonien, aber auch Graureiher, Uferschwalben, Möwen und andere bilden Kolonien. Im Monitoring seltener Brutvögel werden die Bestände dieser Arten überwacht.

Große Vogelschwärme werden darüber hinaus aber auch ganz regelmäßig im Rahmen von Schlafplatzzählungen (z.B. der Möwen) oder bei den Programmen zu rastenden Wasservögeln sowie zu Gänsen und Schwänen im Sommer oder im Winter erfasst. Bei kleineren Gruppen ist es natürlich kein Problem, ein paar wenige Vögel lassen sich einfach durchzählen. An wichtigen Rastplätzen können es aber auch Hunderte, Tausende oder sogar noch mehr Vögel sein. Manchmal bestehen diese sogar aus unterschiedlichen Arten, was es noch deutlich schwieriger macht. Es lohnt sich vor Beginn der Zählung einmal die Zahl der Vögel grob zu schätzen – sollten die Vögel in der Folge auffliegen, hat man zumindest eine ganz grobe Anzahl. Bei Beobachtungen des Tagzuges wird man häufiger mit großen Trupps überfliegender Vögel konfrontiert, seien es Tausende Finken an einem Massenzugtag oder große Schwärme von Ringeltauben. Hier bleibt oft besonders wenig Zeit, bis die Vögel aus dem Sichtfeld verschwunden sind.

Vogelbeobachtung: Gibt es Geier in NRW?

Fliegender Gänsegeier
Gänsegeier erscheinen mittlerweile alljährlich in NRW – gibt es 2023 wieder einen Einflug?
(© Darius Stiels)

Seit einigen Jahren gelingen jedes Jahr Beobachtungen von Geiern in Mitteleuropa. Auch NRW wird immer wieder von den großen Vögeln aufgesucht. Einflüge finden vor allem im Frühsommer statt. Vor allem im Juni lohnt es sich, Ausschau zu halten. In manchen Jahren gibt es mehrere Feststellungen, in anderen fehlen sie fast gänzlich.

Geier sind wohl die imposantesten Greifvögel Europas. Mit teilweise deutlich über zweieinhalb Meter Spannweite sind sie die Riesen unter den Verwandten der häufigeren Milane und Bussarde und damit sogar oft noch größer als Stein- und Seeadler. Jahrhundertelang wurden Geier verfolgt, obwohl sie als Aasvertilger eine entscheidende Rolle im Ökosystem inne haben. Lebende Beute wird übrigens von den meisten Geiern kaum genommen. Nachgeburten oder natürlich Totgeburten werden dagegen häufiger verspeist. Auch heute noch leiden Geier leider vielerorts unter illegaler Verfolgung durch Abschuss und Vergiftung oder den Einsatz von Diclofenac in der Tierhaltung – das Medikament ist für Geier selbst in geringer Dosis giftig und kann beim Fressen an Kadavern behandelter Tiere aufgenommen werden. Insbesondere in Südasien hat dies die einst dort ubiquitären Arten an den Rand der globalen Ausrottung gebracht, aber auch in Afrika sind die Geierbestände aus verschiedenen Gründen fast überall im freien Fall. Unverständlicherweise wurde Diclofenac auch in Europa für die Behandlung von Haustieren zugelassen. In Europa hat dagegen auch der Landnutzungswandel zum Verschwinden dieser Vögel maßgeblich beigetragen. Großflächige Weidelandschaften, in denen auch mal ein totes Tier oder eine Nachgeburt liegen bleibt, wurden früher von Auerochsen, Wildpferden und anderen Vertretern der Megafauna geschaffen, später traten oft Haustiere wie Rinder an ihre Stelle. Heute ist dieser Landschaftstyp meist überall verschwunden. Bis in die frühe Neuzeit lebten Geier aber auch in Mitteleuropa, so gibt es Berichte über Brutvorkommen in der Eifel in Rheinland-Pfalz. Auch wenn das bis zu einem gewissen Grad Spekulation ist, ist es durchaus wahrscheinlich, dass die Vögel damals auch regelmäßig hier in NRW zu sehen waren. Erfreulicherweise gibt es aber auch gute Nachrichten über Geier.