FAQ - Häufig gestellte Fragen
Vogelbestimmung – Welcher Greifvogel ist das?
Immer wieder erreichen uns Anfragen zu unbestimmten Vögeln und nicht selten stellen Greifvögel dabei eine besondere Herausforderung dar. Die Lösung, sofern sie anhand eines Fotos herauszufinden ist, ist fast immer dieselbe – ein Mäusebussard.
Mäusebussarde zeigen eine erstaunliche Variabilität im Gefieder und können damit für erstaunliche Verwirrung sorgen. Nicht nur zwischen Alt- und Jungvögeln gibt es einige Unterschiede, auch darüber hinaus sieht kaum ein Vogel so aus wie der andere. Es gibt helle, fast weiße Exemplare ebenso wie dunkelbraune Individuen. Noch ist vergleichsweise wenig über die Ursachen dieser erstaunlichen innerartlichen Unterschiede bekannt. Mäusebussarde sind mittelgroße Greifvögel mit mittellangen, breiten Flügeln. Für Anfänger*innen in der Vogelbeobachtung erscheinen Mäusebussarde oft erstaunlich groß, zumal Größeneinschätzungen ohne Vergleich gegen den Himmel auch für erfahrene Beobachter*innen nicht leicht sind. Die Handschwingen bilden eine „gefingerte“ Flügelspitze, die vor allem beim Kreisen auffällt. Mäusebussarde können im Sommer vor allem mit den selteneren Wespenbussarden und im Winter mit den (noch selteneren) Raufußbussarden verwechselt werden, doch können auch andere Greifvögel wie Habicht oder Rohrweihe zu Verwechslungen führen. Als häufigster Greifvogel bei uns sollten Mäusebussarde aber immer zuerst in Betracht gezogen werden. Die NWO führt übrigens auch Seminare zur Bestimmung von Greifvögeln und Falken durch.
Vogelbestimmung – Welcher Vogel singt so schön im Garten?
Zwischen Februar/März und Juni erreichen uns immer wieder Anfragen zu einer ganz bestimmten Vogelstimme. Der Vogel singt oft abends oder früh morgens in einem Garten, nicht selten aus einer Fichte oder einem anderen Nadelbaum, hat einen recht schönen, nicht unmelodischen Gesang und ab und zu wird sogar gefragt, ob es sich nicht um eine Nachtigall handeln könnte. Nachtigallen sind jedoch in NRW nur noch sehr selten in Gärten anzutreffen und der Sänger ist in den Fällen, in denen uns eine Tonaufnahme erreicht hat, fast immer eine bestimmte Art: die Singdrossel.
Singdrosseln haben einen individuell recht variablen Gesang, aber charakteristisch ist das Wiederholen einzelner Silben. Dies wird auch in den verschiedenen Merksprüchen deutlich, die es für diese Art gibt. Hans Heiner Bergmann und Uwe Westphal nennen in ihrem Grundkurs Vogelstimmen (2010, Q&M, Wiebelsheim) beispielsweise: „David! David! David! – Du Kuhdieb! Du Kuhdieb! Du Kuhdieb! – Gib acht! Gib acht! Gib acht!“. Singdrosseln singen morgens ähnlich früh wie die besser bekannten Amseln und Rotkehlchen und können abends nach Sonnenuntergang zu den letzten Vogelstimmen gehören, die man hört, bevor es still wird oder Nachtvögel wie Eulen die akustische Kulisse übernehmen. Eine weitere häufige Vogelart ist ebenfalls immer mal wieder ein Grund für Verwirrung unter Anfänger*innen, die mit Vogelstimmen noch nicht so sicher sind: Mönchsgrasmücken haben einen schwätzenden Gesang mit eingestreuten charakteristischen Flötentönen – dem sogenannten Überschlag.
Vogelbestimmung – Zilpzalp oder Fitis?
Laubsänger sind eine der artenreichsten Vogelgruppen der gemäßigten Breiten Eurasiens. In NRW brüten drei Arten regelmäßig, von denen die Bestimmung zweier Arten immer wieder zu Kopfzerbrechen bei Vogelbeobachtenden führen. Im Folgenden gibt es Tipps für die Bestimmung von Zilpzalp und Fitis.
Fitis und Zilpzalp sind kleine agile Vögel, die sich geschickt durch das Blattwerk bewegen und auch auf dünnen Zweigen halt finden. Die Gesamtfärbung ist oberseits gelb-grünlich bis bräunlich mit hellerer Unterseite und vor allem im lichtdurchfluteten Laub nur selten als Bestimmungsmerkmal wirklich hilfreich. Fitisse wirken unterseits vor allem auf der Brust etwas gelber, Jungvögel im Spätsommer sind oft auch auf der ganzen Unterseite gelblich. Zilpzalpe sind dagegen oft noch etwas unscheinbarer gefärbt. Die große individuelle Variation erschwert aber die Unterscheidung. Die Kopfzeichnung gibt etwas mehr Hinweise: Fitisse sind kontrastreicher gezeichnet, der meist gelbliche Überaugenstreif und der etwas dunkler wirkende Zügel geben Hinweise auf diese Art. Beim Zilpzalp treten diese Merkmale oft weniger hervor. Bei vielen Individuen hilft auch die Beinfarbe, beim Fitis meist eher rosa bis bräunlich, beim Zilpzalp braun bis schwarz. Fitisse haben außerdem eine längere Handschwingenprojektion. Das bedeutet, der Teil des Flügels, der über die Schirmfedern hinausragt, ist länger als beim Zilpzalp. Das klingt etwas akademisch, ist aber eine typische Anpassung für einen Langstreckenzieher. Fitisse verbringen den Winter in Afrika, während Zilpzalpe als sogenannte Kurzsteckenzieher im Mittelmeerraum bleiben oder sogar bei uns ausharren.
Welcher Vogel singt am lautesten?
Wenn im Frühjahr die Vögel wieder singen, gibt es tatsächlich Mitmenschen, die sich über diese Naturgeräusche beschweren. Die meisten von uns können da wohl nur mit Kopfschütteln reagieren, aber natürlich können singende Amseln, balzende Zwergohreulen oder bettelnde junge Waldohreulen unmittelbar vor dem Schlafzimmerfenster kurzfristig die Geräuschkulisse dominieren und dabei auch mal den menschlichen Schlaf stören. Aber wie laut sind eigentlich die lautesten Vögel?
Einen balzenden Uhu können wir in einer windstillen Nacht noch in mehreren Kilometer Entfernung hören – besonders wenn seine Stimme in einem Mittelgebirgstal durch die natürliche Konzertmuschel der Talwände noch verstärkt wird. Der Schalldruckpegel wird dabei oft in Dezibel (dB) angegeben. So erreichen selbst winzige Wintergoldhähnchen 75 dB, eine Amsel schafft 87 dB und Zaunkönig und Rotkehlchen bringen es auf 90 dB (damit sind wir auf dem Level einer Hauptverkehrsstraße). Unter den heimischen Gartenvögeln gehört die Singdrossel mit 100 dB zu den lautesten Sängern – das entspricht der Lautstärke eines Drucklufthammers oder der Geräuschkulisse in einer Disko. Der sprichwörtliche Hahn auf dem Mist (das vom asiatischen Bankivahuhn abstammende männliche Haushuhn) bringt es als bekanntester Wecker der Vogelwelt sogar auf 105 dB (Angaben aus Brackenbury 1979, J. Exp. Biol).
