Aktuelle Meldungen

31.05.2020

Einflug südlicher Gäste?

Bienenfresser
Bienenfresser (© Hans Glader)

In diesem Jahr kündigt sich ein Einflug südlicher Gäste an. Während des Frühjahrs wurden bei unseren südlichen Nachbarn in der Schweiz so viele durchziehende Bienenfresser gemeldet wie noch nie (Quelle: Vogelwarte Sempach). Auch in NRW hat es bereits Beobachtungen abseits der wenigen bekannten Brutgebiete gegeben. Es lohnt sich also momentan die Augen und Ohren aufzuhalten - Bienenfresser werden oft erst gehört, bevor man die Vögel entdeckt - die typischen Rufe, etwa wie "prrrüt, prrrüt", machen auf die bunten Vögel aufmerksam. Manchmal jagen sie Luftinsekten gemeinsam mit Schwalben und Mauerseglern.

Auch neue Brutansiedlungen sind nicht auszuschließen. Bienenfresser gelten jedoch als äußerst empfindlich und es gibt leider zahlreiche Fälle, bei denen Fotografen oder Beobachter*innen die Vögel stark gestört haben. Falls Ihnen Beobachtungen gelingen, tragen sie die Vögel bitte in ornitho.de ein, wo automatisch die genaue Lokalität für außenstehende Beobachter verborgen wird, die Daten aber für Auswertungen zur Verfügung stehen. Sollten Sie einen konkreten Verdacht auf brütende Bienenfresser haben, kann es sinnvoll sein, behördliche Stellen zu informieren, damit ggf. Schutzmaßnahmen durchgeführt werden können.

Hintergrundinformationen über Bienenfresser finden sich wie gewohnt in unserem Brutvogelatlas.

Übrigens auch ein weiterer Gast klopft schon fast an unsere Haustür. Aus Österreich und Süddeutschland werden aktuell verstärkt Rosenstare gemeldet. Beim Durchmustern von Starenschwärmen könnte man also eine Überraschung erleben. Bisher gibt es aus NRW jedoch noch keine Meldung und es bleibt abzuwarten, ob die Vögel unser Bundesland erreichen. Sollten Sie Glück haben, melden Sie den Vögel an unsere Avifaunistische Kommission.

 

 

26.05.2020

Rostgänse und Nilgänse am Niederrhein

Rostgansfamilie
Rostgansfamilie trifft Nilgänse
(© Stefan R. Sudmann)

Nur wenige Themen in der Ornithologie werden so heftig diskutiert wie Neozoen, Tierarten, die ursprünglich in einer Region nicht heimisch waren, vom Menschen aber dort absichtlich oder unabsichtlich angesiedelt wurden. In NRW fallen darunter insbesondere Papageien und einige Wasservogelarten. Nilgänse, ursprünglich vor allem in Afrika südlich der Sahara beheimatet, sind mittlerweile in NRW ein gewohnter Anblick - kaum ein Großstadtpark, in dem die Vögel nicht selbst weniger ornithologisch interessierten Menschen auffallen. Aktuell deutlich seltener sind Rostgänse, von denen es Wildvorkommen auch in Europa gibt, deren Brutvorkommen im nordwestlichen Mitteleuropa aber ebenfalls auf Aussetzungen durch Menschen bzw. Flucht aus Gefangenschaft zurückzuführen ist. Nilgänse werden in der Europäischen Union als sogenannte invasive nicht-heimische Art (BfN-Skript 471) geführt, während Rostgänse nicht auf der entsprechenden Liste stehen. Die Rostgänse auf dem Foto sind sich dieses Umstands offensichtlich sehr bewusst... ;-)

Vielen Dank an Stefan R. Sudmann, der des Thema humoristisch angegangen ist. Die NWO beschäftigt sich seit langem naturschutzfachlich mit Vogel-Neozoen (AG Neozoen).

 

 

30.04.2020

Grauammern und Rebhühner in der Hellwegbörde

Kohlmeise
Es gibt wieder mehrere Grauammerreviere in der Hellwegbörde (© Darius Stiels)

Die Hellwegbörde ist eines der großen Ackerbaugebiete in Nordrhein-Westfalen. Im gleichnamigen Vogelschutzgebiet befindet sich eines der Schwerpunktvorkommen von Feldvögeln in Nordrhein-Westfalen. In der Region am Übergang von Westfälischer Bucht zum Sauerland kümmert sich die Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz (ABU) gemeinsam mit Landwirtinnen und Landwirten um den Erhalt der Artenvielfalt in der Agrarlandschaft. Dennoch ist dort wie in weiten Teilen Europas die Bestandsentwicklung von Vogelarten offener Lebensräume langfristig negativ. Einstige Allerweltsarten unter den Feldvögeln sind heute auf den Roten Listen zu finden.

Umso erfreulicher ist es, dass Dr. Ralf Joest, Leiter unserer AG Feldvögel und Mitarbeiter der ABU, nun von positiven Entwicklungen berichten kann:

„Die sich in den letzten Jahren andeutende Renaissance der Grauammer in der Hellwegbörde scheint sich fortzusetzen. Die Grauammer ist eine Charakterart der Bördelandschaften, war aber bei uns schon fast ausgestorben. Bei meinen Kartierungen von Feldvögeln auf Probeflächen und bei gezielten Erfassungen im Raum Lohne-Schmerlecke sowie Westereiden-Oestereiden konnte ich in der zweiten Aprilhälfte bis jetzt bereits gut zwanzig Standorte singender Männchen kartieren. Je nach Zählweise lassen sich hieraus acht bis zwölf Reviere ableiten. Weitere Erfassungen im Verlauf der Brutsaison werden zeigen, ob sich diese bestätigen und ob sogar Brutnachweise gelingen. Die Reviere konzentrieren sich wieder in Räumen mit einem hohen Anteil von Vertragsnaturschutzflächen. In diesem Jahr scheint sich auch der Bestand der Rebhühner erholt zu haben. Bei abendlichen Kontrollen und bei den sonstigen Erfassungen waren erfreulich viele rufende Hähne oder Paare festzustellen. Auch diese Art profitiert sehr von den Vertragsnaturschutzmaßnahmen. Darüber hinaus haben ihr vermutlich die trockenen und warmen Bedingungen der letzten Brutperiode und der milde Winter geholfen.“

Ein ausführlicher Bericht, der auch auf die Bedeutung des Rapsanbaus für die Vogelwelt eingeht, findet sich auf der Homepage der ABU.

 

 

26.04.2020

Vogeltränken aufstellen

Kohlmeise
Wasserstellen locken Vögel an - hier eine Kohlmeise (© Hans Glader)

Der menschengemachte Klimawandel macht sich längst auch in Mitteleuropa immer häufiger bemerkbar und auch die aktuelle Dürre passt zu den Vorhersagen der Klimaforschung. Aktuell leiden viele Vögel und andere Tiergruppen unter der Trockenheit. Langfristig verändern sich Ökosysteme, unmittelbar trocknen aber erstmal Pfützen und Flachgewässer aus. Dabei müssen die meisten Vögel – obwohl sie aufgrund ihres Stoffwechsels echte Wassersparer sind – regelmäßig trinken. Viele Arten baden ausgesprochen gerne, schließlich hängt das Überleben eines Vogels maßgeblich vom Zustand seines Federkleids ab.

Wer den Vögeln im direkten Umfeld helfen möchte, kann jetzt Tränken aufzustellen. Eine wassergefüllter Blumenuntersetzer auf der Terrasse, im Garten oder auf dem Balkon dürfte rasch mehrere Arten anlocken. Oft bieten sich dabei sehr schöne Beobachtungsmöglichkeiten. Bitte beachten Sie, dass Tränken sicher vor Katzen aufgestellt werden sollten (z.B. in einer aufgehängten Schale) und auch Scheibenanflüge sind ein Risiko. Zudem gibt es aktuell auch in NRW Fälle einer durch Bakterien verursachten Vogelkrankheit, die offensichtlich vor allem Blaumeisen, aber auch andere Arten, befällt. Details dazu finden Sie auf der Homepage des Naturschutzbundes Deutschland (NABU). Auch andere Vogelkrankheiten können an Tränken und Futterstellen übertragen werden. Tränken sollten daher täglich gereinigt werden und bei Verdachtsfällen entfernt werden, um die Ansteckungsgefahr zu reduzieren.

 

 

24.04.2020

Tag der Vogelartenvielfalt: Birdrace am 2. Mai 2020

Wespenbussard
Bei vielen Birdrace-Teams oben auf der Wunschliste: Wespenbusard (© Wolfgang Charles)

Für viele Vogelbeobachter*innen ist es eines der Höhepunkte im ornithologischen Jahreskalender: Das Birdrace 2020 findet am Samstag, den 2. Mai statt! Auch in diesem Jahr werden wieder viele Teams bundesweit an den Start gehen und versuchen, an einem Tag möglichst viele Vogelarten zu beoabchten. Die Aktion ist gleichzeitig ein Spendenrennen. Mit dem gesammelten Geld kann die Beobachtungsplattform ornitho.de weiter ausgebaut werden. Bei allem Ehrgeiz steht natürlich das Wohl der Vögel im Vordergrund und Störungen sollen selbstverständlich unterbleiben. Natürlich wird es dieses Jahr auch veränderte Rahmenbedingungen geben - steht normalerweise das Teamerlebnis im Vordergrund, werden wir dieses Jahr dank anderer Spielregeln soziale Distanzierung berücksichtigen können. Traditionell ist NRW die Hochburg des Birdrace und wir hoffen, dass es auch dieses Jahr so sein wird. Wer sich also noch nicht angemeldet hat, kann das auf der Homepage des Dachverbands Deutscher Avifaunisten noch rasch nachholen. Wir wünschen viel Spaß und einen vogelreichen Tag - gerne auch mit weniger Schneeregen als im Jahr 2019.

 

 

10.03.2020

Podcast zum Thema Artenschutzprüfung

Podcast-Gebaeudebrueter
Buschtrommel-Podcast zu Artenschutzprüfungen

Franco Cassese von unserer AG Gebäudebrüter war erneut zu Gast bei der Buschtrommel - einem Podcast zu Natur- und Naturschutzthemen. Diesmal ging es um ein Thema, von dem zwar viele bereits gehört haben, das aber dennoch wohl nur wenigen Ornis näher bekannt ist. Die Artschutzprüfung, kurz ASP, ist ein äußerst wichtiges Instrument für den Schutz von Tieren in Deutschland. Franco Cassese erzählt im Interview nun leicht verständlich, welche Bedeutung dieses scharfe Schwert des Naturschutzes hat. Natürlich liegt der Schwerpunkt auf Gebäudebrütern wie Mauerseglern und Haussperlingen, aber die dahinterliegenden Rechtsgrundlagen spielen eine Rolle bei ganz vielen Eingriffen in die Natur. Wer also immer mal wissen wollte, was sich hinter Artenschutzprüfung, lokalen Populationen und anderen Fachbegriffen verbirgt, ist bei diesem Podcastgenau richtig.

Über Franco Casseses Engagement für den Schutz von Mauerseglerbrutplätzen bei Gebäudesanierungen berichtet übrigens auch ein kurzer Film, der in Kooperation mit dem NABU Dortmund entstand.

 

 

09.03.2020

Rückblick auf die Jahrestagung 2020

MV2020
TeilnehmerInnen bei der Jahrestagung 2020
(© Darius Stiels)

Die Teilnehmerzahl fiel dieses Jahr wohl wegen der Sorge um das Coronavirus deutlich geringer aus, trotzdem fand gestern die diesjährige Mitgliederversammlung und Jahrestagung der NWO in Recklinghausen statt. Im Vormittagsprogramm wurde die Mitgliederversammlung zügig abgehalten. Karl-Heinz Kühnapfel wurde für seine Verdienste um Vogelkunde und Naturschutz mit dem diesjährigen NWO-Preis ausgezeichnet, für seine Bachelorarbeit zu Schutzmaßnahmen für den Kiebitz erhielt Marvin Fehn den Förderpreis der NWO. Das Vortragsprogramm startete mit Christian Härting und Jonas Brüggeshemke, die den neu besetzten Landesfachausschuss Ornithologie des NABU NRW vorstellten. Dr. Goetz Rheinwald regte die Anlage eines Daten-Archivs an, in dem die in zahlreichen privaten Tagebüchern oder Tabellen gesammelten Beobachtungsdaten vergangener Jahrzehnte aufbewahrt werden sollten. Das Vogelquiz, das in diesem Jahr wieder von Michael Schmitz organisiert wurde, konnte Darius Stiels für sich entscheiden, im Stechen um Platz zwei setzte sich Margret Bunzel-Drüke vor Moritz Meinken durch.

Das Nachmittagsprogramm startete mit einem Vortrag von Peter Herkenrath über den aktuellen Vogelschutzbericht und Franco Cassese berichtete über erfolgreiche Maßnahmen für Gebäudebrüter im Zuge von Gebäudesanierungen. Einen spannenden Ausblick auf die Zukunft des Monitorings häufiger und seltener Brutvögel gab Sven Trautmann vom DDA, der die baldige Möglichkeit digitaler Datenaufnahme und Auswertung in diesen Programmen in Aussicht stellte. Um Vertragsnaturschutz ging es beim Vortrag von Patrick Hundorf, der aus der Hellwegbörde berichtete. Zum Abschluss des Vortragsprogramms entführten Karin Bohrer und Lothar Meckling die ZuhörerInnen ins brasilianische Pantanal und zu den imposanten Iguacu-Wasserfällen.

Weitere Fotos der Tagung gibt es auf unserer Facebookseite

 

 

23.02.2020

Vogelschutztagung 2020

Drohne
Drohnen und Vogelschutz: Probleme, Herausforderungen und Möglichkeiten werden bei der Tagung Thema sein
(© F. Dacheneder)

Die Vogelschutzwarte NRW führt gemeinsam mit der Natur- und Umweltschutz- Akademie (NUA) und der NWO am Samstag, den 07.11.2020 in der Biologischen Station Rieselfelder Münster die diesjährige Vogelschutztagung durch. Auf der Tagung werden aktuelle Themen aus dem Vogelschutz diskutiert und praktische Lösungsansätze erarbeitet. Die Veranstaltung richtet sich an ehren- und hauptamtlich im Vogelschutz Aktive. Als Schwerpunkt werden die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von Drohnen im Vogelschutz und ggf. weitere aktuelle Themen vorgestellt und diskutiert. Wie können Drohnen im Vogelschutz und beim Vogelmonitoring helfen? Welche Probleme entstehen für den Vogelschutz durch den Einsatz von Drohnen als Freizeitbeschäftigung? Wie ist der Einsatz von Drohnen naturschutzrechtlich zu bewerten? Neben Fachvorträgen wird es selbstverständlich genügend Zeit für Austausch und Diskussion geben.

Um teilzunehmen, ist eine Anmeldung bei der NUA erforderlich. Alle Informationen dazu im NUA-Veranstaltungsprogramm

Bei Rückfragen hilft Peter Herkenrath von der Vogelschutzwarte im LANUV: peter.herkenrath@lanuv.nrw.de
Tel. 02361 / 305 3412