Was machen Vögel im Winter?

Eisvogelmännchen - in strengen Wintern bekommen Eisvögel Probleme
(© Hans Glader)

Wenn der Winter kommt, stehen Vögel vor großen Herausforderungen. Schnee und Kälte, Vegetationspause und stark reduzierte Insektenaktivität, aber auch die kurzen Tage beeinflussen die Vogelwelt ganz wesentlich. Vögel zeigen die unterschiedlichsten Anpassungen an diese Bedingungen.

Zugvögel reagieren ganz offensichtlich damit, diesen Bedingungen auszuweichen. Insbesondere unter den Insektenfressern sind Langstreckenzieher, die viele Tausend Kilometer nach Süden ausweichen. Einige Zugvögel reagieren auch kurzfristig auf sich ändernde Wetterbedingungen und suchen erst bei einer geschlossenen Schneedecke mildere Regionen auf. Unter bestimmten Bedingungen kommt es auch zu Invasionen bestimmter Vogelarten.

Für Vögel, die den Winter hier verbringen, ist oft die notwendige erhöhte Nahrungsaufnahme die größere Herausforderung. Als gleichwarme Organismen können Vögel ihre Körpertemperatur, die übrigens meistens höher als bei Säugetieren ist, ihre Körpertemperatur damit aufrechterhalten. Einige Vogelarten stellen im Herbst und Winter ihre Nahrung um. Manche Insektenfresser nehmen nun verstärkt Sämereien und Körner zu sich (dies gilt z.B. für die Meisen, die am winterlichen Futterhaus Sonnenblumenkerne fressen). Auch Vorratshaltung betreiben einige Vögel. Bei Kälte suchen viele Vogelarten geschützte Bereiche auf, Kohlmeisen übernachten in geschützten Baumhöhlen oder Nistkästen, Zaunkönige suchen im Wintergarten zwischen den eingelagerten Topfpflanzen nach Nahrung und einige Vögel bilden Schlafgemeinschaften. Eng aneinander gekuschelt verlieren z.B. Baumläufer weniger Wärme. Während heftigen Schneefalls können sich Raufußhühner sogar einschneien lassen. Erst wenn der Schneesturm vorbei ist, kommen sie aus ihren Schneehöhlen wieder heraus.

Natürlich gibt es auch ganz charakteristische anatomische Anpassungen. Das dichte, durch Bürzeldrüsensekret imprägnierte Federkleid mit stark verästelten Daunen hält schon fast sprichwörtlich warm. Bei den exponierten Füßen sorgt ein spezielles Wärmeaustauschprinzip dafür, dass Vögel barfuß auf dem Eis keine kalten Füße bekommen. Wir erklären hier übrigens auch, warum Vögel nicht auf kalten Metallstangen festfrieren. Zahlreiche Limikolenarten, Möwen und Reiher sieht man oft auf einem Bein rastend. Dies scheint Energie zu sparen, mit einem Bein körpernah im wärmenden Gefieder wird aber in jedem Fall der Wärmeverlust noch einmal reduziert.

Trotz all dieser Anpassungen können kalte Winter für manche Vogelarten gefährlich sein. Nach sehr langen Frostperioden sind die meisten Gewässer zugefroren und ausgerechnet Eisvögel (der Name hat ursprünglich wohl nichts mit „Eis“ zu tun) finden nichts mehr zu fressen. Bestandsverluste werden jedoch bei günstigen Bedingungen schnell wieder ausgeglichen. Mehrfache teils verschachtelte Bruten machen dies möglich. Auch bei Arten wie dem Zaunkönig können kalte Winter zu massiven Bestandseinbrüchen führen. Von den milden Wintern der letzten Jahre profitieren dagegen auch manche Arten.

Den Zusammenhang zwischen Wetter bzw. Klima und Vogelbeständen, Ökologie und Verhalten zu verstehen, ist in Zeiten der menschengemachten Klimakrise wichtiger denn je. Durch Ihre Beteiligung an unseren Monitoringprogrammen können Sie aktiv dabei mithelfen!

 

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