Aktuelle Meldungen

07.09.2021

Beobachtungstipp: Ungewöhnliche Limikolenrast im Rheinland

Bekassine
Bekassinen sind auf Feuchtgebiete zur Rast angewiesen (© Hans Glader)

Spätsommer und Frühherbst sind die beste Zeit, um Limikolen zu beobachten. Die meisten Watvögel sind hochnordische Brutvögel, die im Taigagürtel oder der arktischen Tundra brüten. Nur einige wenige Arten sind (hochgradig bedrohte oder sogar schon hier ausgestorbene) Brutvögel in NRW. Auf dem Wegzug machen jedoch viele Arten Rast in Mitteleuropa. Wohl den meisten Vogelbeobachter*innen sind die großen Schwärme im Wattenmeer der Nordsee bekannt. In NRW gibt es dagegen nur noch wenige Gebiete, die als Rastgebiete für Watvögel gut geeignet sind. Am bekanntesten sind sicherlich die Rieselfelder Münster sowie einige wenige Flächen wie die Flutmulden an der Bislicher Insel und einige Schutzgebiete in Westfalen. Andernorts wurden vielfach Wiesen und Äcker drainiert, Flüsse begradigt, Klärteiche fielen dem Braunkohletagebau zum Opfer und geeignete Restflächen sind oft von Menschen überlaufen. Umso erfreulicher, dass es diesen Spätsommer gleich aus zwei Gebieten positive Nachrichten gibt.

In der Rheinaue Walsum in Duisburg hat das letzte Hochwasser einige spannende Feuchtbereiche hinterlassen. Für die Region unglaubliche 17 Limikolenarten wurden hier in den letzten Wochen beobachtet. Unter diesen waren Besonderheiten wie Pfuhlschnepfe und Zwergstrandläufer. Dazu kommen tolle Arten wie Seidenreiher, Löffler oder auch ein rastendes Blaukehlchen. Außergewöhnlich und besonders erfreulich ist, dass die meisten Daten über Rastvögel dort durch zwei Jungornis (12 und 16 Jahre alt) erhoben wurden. Die Biologische Station Westliches Ruhrgebiet berichtet über das Rastvorkommen ausführlich auf Ihrer Facebookseite.
Als wäre das noch nicht genug erreichen uns aus dem südlichen Rheinland vergleichbare Meldungen. Wachtberg-Gimmersdorf im Rhein-Sieg-Kreis hatten wohl bisher die wenigsten Watvogel-Fans auf der ornithologischen Landkarte. Eine kleine Feuchtfläche in der Agrarlandschaft hat unter den lokalen Ornis in den letzten Wochen dort für einigen Wirbel gesorgt. Insgesamt wurden dort dort mittlerweile 14 Limikolenarten (13 in den letzten Wochen) beobachtet. Darunter waren lokale Besonderheiten wie Kiebitzregenpfeifer und Zwergstrandläufer, aber auch andere Rastvögel wie Schwarzstorch und Spießente sind für das Vorgebirge ganz außergewöhnlich. Mehr Informationen gibt es auf der Homepage der OAG Bonn.

Die beiden Beispiele zeigen wie aufregend Vogelbeobachtung vor der eigenen Haustür sein kann, sie unterstreichen aber auch die Ergebnisse der Roten Liste wandernder Vogelarten, auf der sich leider wenig überraschend mehrere der beobachteten Arten wiederfinden lassen.

 

 

05.09.2021

Beginn der Zählsaison beim Kormoranmonitoring

Kormoran
Startender Kormoran (© Hans Glader)

Mitte September beginnt wieder die Zählsaison unseres Kormoran-Monitorings. Zahlreiche ehrenamtlich Aktive zählen die Vögel abends an ihren Schlafplätzen. Die Zählungen finden jeweils zur Monatsmitte zwischen September und März statt. Aufgrund der Phänologie der Art sind besonders die Zahlen aus dem Oktober und Januar von Interesse, aber auch aus den anderen genannten Monaten werden Daten immer erwünscht.

Die erhobenen Daten dienen als Basis für die Bewertung der aktuellen Situation des Kormorans in NRW, zur Dokumentation der langfristigen Entwicklung der Durchzug- und Winterbestände. Sie sind auch Grundlage der Bewertung des Einflusses der Kormorane auf Fischbestände - ein Thema, welches oft sehr emotional behandelt wird und bei der eine gute Datengrundlage für jegliche Diskussion unabdingbar ist. Volker Laske verwaltet die Daten für die NWO und erstellt regelmäßig Berichte zusammen. Das LANUV (Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz) kauft die Daten im Rahmen einer Kooperationsvereinbarung mit der NWO auf und kann sie für Auswertungen nutzen.

Wer mehr über die Kormoranzählung wissen möchte oder sich an der Zählung beteiligen möchte, findet hier hier weitere Informationen.

 

 

17.08.2021

Hinweise zur Suche nach Mornellregenpfeifern

Mornellkarte
Mornellregenpfeifer-Beobachtungen in NRW aus ornitho 2016-2021 (ornitho-regioportal)

Jetzt im Spätsommer, etwa zwischen Mitte August und Mitte September, ist es wieder so weit: Eines der spannendsten Phänomene des Vogelzugs im Binnenland Mitteleuropas lässt sich nun wieder beobachten. Auf frisch gegrubberten Äckern, oft in Kuppen- oder auf leicht südwestexponierten Hängen rasten an traditionellen Plätzen wieder Mornellregenpfeifer. Überfliegende Vögel werden oft anhand ihrer Rufe entdeckt. In NRW gibt es zwei recht gut bekannte Rastpllätze, das eine befindet sich in der Hellwegbörde, das andere in der Zülpicher Börde. Auch in anderen Regionen Deutschlands, gibt es vor allem in der Mittelgebirgsregion einige bekannte Rastplätze. Erfahrungsgemäß sind jetzt wieder viele Beobachter*innen unterwegs. Wer unterwegs ist, sollte einige Hinweise beachten, denn immer wieder kommt es zu Störungen der Vögel oder auch zu Konflikten mit der Landwirtschaft. Fast überall gilt Wegegebot, Feldwege dürfen nicht zugeparkt werden (und oft auch nicht befahren werden). Vor allem aber hat das Wohlergehen der Vögel immer Vorrang. Mornells gelten zwar als wenig störempfindlich, aber das muss keineswegs immer gelten - wenn sich die Vögel von Beobachter*innen wegbewegen, sind diese wahrscheinlich doch zu nah. Ein kräftezehrendes Auffliegen sollte unbedingt vermieden werden. Große Menschenansammlungen stören unter Umständen mehr als einzelne Beobachter*innen - vielerorts bitten lokale Ornis und auch Biologische Stationen darum, die Vögel punktgenau und geschützt in ornitho einzutragen bzw. gezielte Suchen vorher abzusprechen! Wer unsicher ist, kann sich ggf. bei seinen ornitho-Regionalkoordinator*innen erkundigen.

Bei all den Vorsichtsmaßnahmen bleibt die Suche nach Rastplätzen - auch zum Schutz dieser Art - wichtig. Wer Mornells suchen möchte, sollte also vor allem mal in den Gebieten nachsuchen, die bisher weniger gut abgedeckt sind. Es würde nicht überraschen, wenn es noch Rastplätze gibt, die wir bisher nicht auf dem Schirm haben. Übrigens, auch Negativkontrollen sich wichtig und sollten in ornitho eingetragen werden. Die aktuelle Verbreitungskarte zeigt, dass Mornellregenpfeifer fast überall in NRW auftauchen können. Und spannende Beobachtungen sind zu dieser Jahreszeit in der Feldflur nahezu garantiert. Viele andere Vögel ziehen nun durch und überfliegende Stelzen und Pieper (inlusive Brachpieper) sowie durchziehende Greifvögel wie Weihen und Milane oder Falken wie der Rotfußfalke werden immer wieder bei der Mornellregenpfeifersuche entdeckt.

Weitere Informationen zur Mornellregenpfeifersuche gibt es auf ornitho.de.

 

 

16.08.2021

NWO-Exkursion Rieselfelder Münster

Drohne
Fachkundige Führung durch die Rieselfelder Münster (© Kathrin Schidelko)

Am gestrigen 15. August fand unsere diesjährige NWO-Exkursion statt. Etwa 50 Ornis trafen sich vormittags am Heidekrug in den Rieselfeldern Münster. Das Gebiet ist eines der Top-Vogelbeobachtungsgebiete in NRW und hat eine aufregende Geschichte hinter sich. Wir wurden sehr herzlich von drei Mitarbeitern der Biologischen Station empfangen. Nach einer kurzen Einführung ging es dann in drei Gruppen ins Gebiet. Die Feuchtwiesen und Flachwasserbereiche beherbergen jetzt im Spätsommer eine reiche Vogelwelt mit vielen verschiedenen Wasservögeln. Wir haben uns über Limikolen wie Grünschenkel, Waldwasserläufer und Dunklen Wasserläufer gefreut. Ein Löffler war auf dem großen Gewässer E1, das sich hervorragend vom großen Beobachtungsturm überblicken ließ. Es gab Weißstörche, Rohrweihen und verschiedene Entenarten. Auch anderen Tieren wie Libellen oder einer Ringelnatter galt die Aufmerksamkeit der Exkursionsteilnehmer*innen. Bei sonnigem Hochsommerwetter gab es am Ende Kaffee und Kuchen im Garten des Heidekrugs. Trotz Coronaauflagen gab es genügend Möglichkeiten, sich mal wieder vogelkundlich auszutauschen. Wir danken unseren fachkundigen „Guides“ von der Biostation und allen, die den Tag zu einer gelungenen Veranstaltung haben werden lassen.

Weitere Bilder von der Exkursion gibt es auf unserer Facebookseite.

Eine Vogelliste (ohne Anspruch auf Vollständigkeit - es gab ja drei Gruppen) unseres ersten Vorsitzenden Klaus Nottmeyer gibt es hier.

 

 

03.08.2021

Neue Studie: Mehr Brachen - mehr Feldvögel

Feldlerchen profitieren von Brachen in der Landschaft (© Hans Glader)

Brachen sind von herausragender Wichtigkeit für den Erhalt der Biodiversität in der Agrarlandschaft. Ein Team der Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz, des LIB (Museum Koenig) und der Uni Münster konnte nun in einer Untersuchung in der Hellwegbörde zeigen, dass auch auf Landschaftsebene mit zunehmendem Bracheanteil in der Region die Zahl der Feldvögel anstieg. Gebiete mit mehr als 10 % Brachen sind deutlich reicher an Feldvögeln als Gebiete mit weniger Flächenanteil. Die Studie wurde in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift „Die Vogelwelt“ veröffentlicht.

Einst waren Brachflächen selbstverständliche Bestandteil mitteleuropäischer Agrarlandschaften. Mit der Modernisierung der Landwirtschaft verschwanden diese jedoch immer mehr. Zwischenzeitlich gab es jedoch noch mal ein kurzes Wiederaufleben im Rahmen der Flächenstilllegungsprämien der Europäischen Union. Brachen haben jedoch eine herausragende Funktion für die Biodiversität unserer Kulturlandschaft. Zahlreiche Veröffentlichungen fordern daher einen gewissen Bracheanteil in der Feldflur. Viele Empfehlungen liegen im Bereich von mindestens 10 %, teilweise werden auch mehr gefordert. In jüngster Zeit werden Brachen vor allem im Rahmen des Vertragsnaturschutzes bzw. im Rahmen sogenannter Agrarumwelt- und Klimamaßnahmen (AUKM) angelegt. Dies gilt auch für das Vogelschutzgebiet Hellwegbörde. Alina Krämer, David Ott (LIB/Museum Koenig und Uni Münster) und Ralf Joest (Arbeitsgemeinschaft Biologischer Umweltschutz und Leiter unserer AG Feldvögel) haben auf 100 ha großen Stichprobenflächen die Zahl der Feldvögel, insbesondere der Feldlerchen, erfasst und in Zusammenhang mit dem Anteil an Brachen (zwischen 0 % und über 50 % auf den Flächen) gesetzt. Mit steigendem Bracheanteil stieg die Dichte der Feldlerchen wie auch der Feldvögel insgesamt an. Gebiete mit Brachen auf mehr als 10 % der Fläche wiesen signifikant mehr Feldvögel auf als solche mit einem geringen Bracheanteil. Es zeigte sich auch, dass AUKM bisher nur auf armen Böden wettbewerbsfähig waren und die bisherigen Maßnahmen nicht ausreichen, um eine Erholung der Feldvogelbestände zu erreichen.

Publikation:
Krämer A, Ott D, Joest R 2020 (2021). Landschaftsbezogene Erfolgskontrolle von Vertragsnaturschutzmaßnahmen für Feldvögel im Vogelschutzgebiet Hellwegbörde – Dichte der Feldvögel steigt mit zunehmendem Bracheanteil. Vogelwelt 143: 83-92.

 

 

26.07.2021

Neues vom Ziegenmelkerprojekt: Küken beringt

Diese Ziegenmelkerküken wurden im Juli 2021 beringt (© Barbara C. Meyer & S. R. Sudmann)
Ziegenmelkerküken (© Barbara C. Meyer & S. R. Sudmann)

Im Jahr 2020 hat die NWO ein Forschungsvorhaben zur Störungstoleranz des Ziegenmelkers gestartet. Ziel war es, den Einfluss einer Großveranstaltung zu analysieren. Wegen der anhaltenden Corona-Pandemie läuft das Projekt derzeit auf niedrigem Level weiter. Aber auch ohne besenderte Vögel wurde wieder ein Nest gefunden und wird mit Hilfe von zwei Wildkameras überwacht. Bei der letzten Kontrolle waren beide Küken geschlüpft und wurden beringt. Das Ganze wurde von der Mutter überwacht, die sich nur wenige dutzend Meter vom Geschehen aufhielt. Wir hoffen nun, dass die Küken flügge werden und sich dann in der zweiten Augusthälfte in Richtung Afrika aufmachen.

 

 

25.07.2021

Jetzt anmelden: NWO-Exkursion in die Rieselfelder Münster

Im August sind in den Rieselfeldern Münster zahlreiche Wasservögel zu beobachten
(© Darius Stiels)

Am Sonntag, den 15.8.2021 findet die NWO-Exkursion in die Rieselfelder Münster statt! Die NWO lädt alle Mitglieder zu einer Exkursion in die Rieselfelder Münster ein mit einem anschließenden gemütlichen Beisammensein bei Kaffee und Kuchen, wenn es die Pandemie-Vorgaben zulassen (bzw. unter Berücksichtigung der dann geltenden Hygiene-Vorschriften). Eventuell müssen wir uns eine Begrenzung der Teilnehmerzahl vorbehalten.

Beginn: 10 Uhr
Treffpunkt: Heidekrug/Rieselfeldhof, Coermühle 100, 48157 Münster

WICHTIG: Anmeldung erforderlich - bitte bis zum 06.08. über die Geschäftsstelle per E-Mail an geschaeftsstelle@nw-ornithologen.de mit Angabe der notwendigen Kontaktdaten (Anschrift, Telefon, E-Mail); alternativ telefonisch unter 0151-59155082.

Bitte ggf. Maske, Impfnachweis bzw. negatives Testergebnis nicht vergessen.

 

 

24.07.2021

Vogelschutztagung 2021

Drohne
Thema der Tagung: Drohnen, Multicopter, Quadrocopter – ein Überblick über das Angebot, Einsatzmöglichkeiten und die Rechtslage (© F. Dacheneder)

Die Vogelschutzwarte NRW führt gemeinsam mit der Biostation Rieselfelder Münster, der Natur- und Umweltschutz-Akademie (NUA) und der NWO am Samstag, den 11.09.2021 die diesjährige Vogelschutztagung durch. Auf der Tagung werden aktuelle Themen aus dem Vogelschutz diskutiert und praktische Lösungsansätze erarbeitet. Die Veranstaltung richtet sich an ehrenamtlich und hauptamtlich im Vogelschutz Aktive. Das Thema der Tagung wird lauten: Drohnen, Multicopter, Quadrocopter – ein Überblick über das Angebot, Einsatzmöglichkeiten und die Rechtslage. Als Schwerpunkt werden also die Möglichkeiten und Grenzen des Einsatzes von Drohnen im Vogelschutz diskutiert. Wie können Drohnen im Vogelschutz und beim Vogelmonitoring helfen? Wie ist der Einsatz von Drohnen naturschutzrechtlich zu bewerten? Die Tagung war ursprünglich für 2020 als Präsenzveranstaltung angedacht, musste aber pandemiebedingt verschoben werden und findet daher dieses Jahr als Online-Veranstaltung (Videokonferenz) statt.

Um teilzunehmen, ist eine Anmeldung bei der NUA erforderlich. Alle Informationen dazu und ein detailliertes Programm finden sich im NUA-Veranstaltungsprogramm. Die Anmeldegebühr beträgt 15,00 €.