Aktuelle Meldungen

15.06.2024

Wendehalssaison 2024

Wendehals
Wendehals (© Hans Glader)

In diesem Jahr ist das Wendehalsmonitoring im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel auch in NRW an den Start gegangen. Ergebnisse aller bisherigen Routen aus diesem Jahr liegen vor. Ein weiterer Ausbau des Monitorings ist sehr erwünscht!

NRW hat vier Wendehals-Routen, so dass unser Bundesland nun auch auf der deutschlandweiten Landkarte beim Wendehals erscheint. Natürlich hoffen wir, noch weitere Zählende zu finden und wichtige Lücken in der Erfassungskulisse zu schließen, aber der Wendehals ist auch weiterhin eine seltene Art, die allerdings gerade im Mittelgebirge auch noch oft übersehen bzw. überhört wird. Abgestorbene ehemalige Fichtenplantagen bieten teilweise Lebensraum und die Vorkommen im NP Eifel (und einigen anderen Mittelgebirgen) zeigen, dass der Wendehals mutmaßlich nicht mehr in dem Maße klimatisch limitiert wird, wie das vermutlich in der Vergangenheit der Fall gewesen ist. Die Art könnte aktuell bei uns ein Gewinner des Klimawandels sein und es lohnt sich, diesen Vögeln mehr Beachtung zu schenken. Sollten Sie Wendehalsvorkommen in Ihrer Gegend kennen und Lust haben, sich am Monitoring zu beteiligen, hoffen wir sehr, dass Sie sich bei uns melden! Alle wichtigen Informationen zum MsB Wendehals gibt es hier.

Im Rahmen des Monitorings wurden 2024 Wendehälse in NRW auf zwei von vier Routen festgestellt (9 Individuen und 7 Reviere). Selbstverständlich sind für die Erfassungen auch Nullzählungen wichtig und angesichts eines noch eher kleinen Bestandes freuen wir uns, dass damit Daten auch für bundesweite Auswertungen aus NRW zur Verfügung stehen. Das Feedback des DDA zur Wendehalssaison 2024 in Deutschland ist übrigens als pdf hier verfügbar.

Beim Wendehals-Monitoring können übrigens (wo es sich lohnt) auch weitere Arten im Rahmen der erweiterten Artenliste erfasst werden, darunter (für NRW besonders relevant) Turteltaube, Heidelerche und Baumpieper. Auf einer Route in der Eifel wurden diese drei Arten auch tatsächlich gefunden.

Wir bedanken uns bei allen Beteiligten am Monitoring des Wendehalses für Ihr Engagement!

 

 

07.06.2023

Heute ist Weltseglertag – Mauersegler und ihre Verwandten in NRW

Karte Brutverbreitung Mauersegler
Brutverbreitung des Mauerseglers in NRW 2021-2023 (ornitho-regioportal.de)

Das laute „sriieh – sriieh – sriieh“ der Mauersegler gehört zu heißen Sommertagen in den Straßenschluchten der Großstädte NRWs einfach dazu. Trupps der schnellen Vögel jagen durch die engen Häusermeere oder sind hoch am Himmel auf der Suche nach Luftplankton – kleinen Wirbellosen (Insekten oder winzige Spinnen, die sich an ihren Fäden durch die Luft transportieren lassen). Tatsächlich leben Mauersegler aber nicht nur in Großstädten, sondern auch in kleineren und mittelgroßen Städten. Sie kommen aber auch in Dörfern oder selbst an Einzelgebäuden in der freien Landschaft vor (mehr Infos zur Art auch in unserem Brutvogelatlas). Andernorts brüten sie sehr selten auch in Baumhöhlen. Sie gehören zu den schnellsten Fliegern im Land und sind wie keine andere Art an das Leben in der Luft angepasst. Mauersegler können selbst in der Luft schlafen (die exakten Details sind keineswegs gänzlich verstanden), paaren sich in der Luft und kommen letztlich nur zum Brüten auf festen Grund.

Mauersegler sind bei uns nur im Sommer zu beobachten. Die Vögel erreichen ihre Brutgebiete bei uns oft erst in der letzten Aprildekade, manchmal auch erst Anfang Mai. Nach Ende der Brutzeit, Ende Juli bis Anfang August, machen sie sich wieder auf in ihre Überwinterungsgebiete nach Afrika. Der Zug der europäischen Mauersegler ist erst in jüngster Zeit besser verstanden worden. Dazu haben kleine Sender beigetragen. Rucksäcke mit Geolokatoren zeichnen die Position der Vögel auf (genauer gesagt wird die Zeit und das Licht gemessen und daraus lässt sich die ungefähre Position bestimmen). In einer großen Kooperationsstudie (Åkesson et al. 2020, Evolution) fand man heraus, dass Mauersegler ein auffälliges Zugmuster zeigen – den sogenannten Kettenzug. Das bedeutet, dass die Brutvögel Südeuropas früher in den Winterquartieren ankommen und nördlicher überwintern als nördlicher brütende Vögel. Bei vielen anderen Zugvögeln ziehen dagegen nördlich brütende Populationen weiter als südlicher brütende Vögel („Leapfrog Migration“). Früher im Winterquartier ankommende Mauersegler können aber im Luftraum keine Reviere verteidigen. Die später ankommenden nördlichen Populationen werden daher auch nicht durch die Konkurrenz dazu gezwungen, über ihre Artgenossen hinwegzuziehen.

Mauersegler verbringen fast ihr ganzes Lebens in der Luft (© Hans Glader)

Segler sind übrigens nicht mit den Schwalben verwandt. Die oberflächliche Ähnlichkeit beruht auf Konvergenz – der evolutiven Anpassung an eine ähnliche Lebensweise. Segler haben u.a. längere, sichelförmige Flügel als Schwalben. Die nächsten Verwandten der Segler sind ganz andere Flugkünstler: die heutzutage nur in Amerika verbreiteten Kolibris. Beide Gruppen haben sich jedoch schon vor vielen Millionen Jahren voneinander getrennt.

Die Bestände von Mauerseglern haben in NRW leider vielerorts abgenommen. Ein Grund dafür ist der Verlust von Brutplätzen. Durch den Abriss alter Gebäude und die Sanierung von Altbauten gehen trotz rechtlichen Schutzes oft Brutplätze an Gebäuden verloren. Dabei kann den Vögeln vergleichsweise leicht mit Nisthilfen unter die Flügel gegriffen werden. Unsere AG Gebäudebrüter hat dazu zahlreiche Praxistipps zusammengestellt. Bestandsrückgänge könnten zusätzlich auch durch den Rückgang der Nahrung („Insektensterben“) oder Faktoren auf dem Zug oder den Klimawandel verursacht werden, aber über diese Einflüsse wissen wir noch zu wenig. Mauersegler sind nicht leicht zu erfassen. Am besten geht dies in den Abendstunden, wenn sie mit Futter für die Jungen ihre Brutkolonien aufsuchen. Melden Sie besetzte Brutplätze bitte bei ornitho.de.

Neben dem Mauersegler gibt es noch zwei weitere Seglerarten, die in NRW bisher nur als Ausnahmegäste nachgewiesen sind: Alpensegler und Fahlsegler. Von den großen Alpenseglern hat unsere AviKom bis 2017 acht Nachweise dokumentiert. Darunter ist ein sehr ungewöhnlicher Todfund. Diese Art breitet sich aber in Deutschland aus (die nächsten Brutplätze sind im Raum Karlsruhe) und vielleicht wird mit dem Alpensegler in einigen Jahren ja eine zweite Seglerart in NRW brüten. Eine dritte Art, der Fahlsegler, ist in Südeuropa weit verbreitet und erreicht vor allem im Spätherbst, wenn unsere Mauersegler längst wieder auf dem Zug nach Afrika sind, regelmäßig Nord- und Mitteleuropa. Bisher gibt es vier Nachweise aus NRW – alle stammen aus dem Sommer des Jahres 2000. Mittlerweile gibt es Hinweise darauf, dass Fahl- und Mauersegler zumindest gebietsweise auch hybridisieren, wie eine jüngst erschienene Publikation in der Fachzeitschrift Ibis zeigen konnte. Die Bestimmung des Fahlseglers könnte zukünftig also noch schwieriger werden.

 

 

04.06.2024

Ankündigung NWO-Exkursion 2024

Baumpieper
Baumpieper freut sich auf eine rege Teilnahme an unserer Exkursion (© Hans Glader)

Die NWO lädt zur Exkursion 2024 in den Osten unseres Bundeslandes ein. Es geht in zwei Kreise nach Ostwestfalen in die Gebiete „Feuchtwiesen Hörste“ und „Enger Bruch“: Von Halle (Westfalen), Kreis Gütersloh, im sandigen Ostmünsterland bis nach Enger, Kreis Herford, im Ravensberger Hügelland auf schwerem Lößlehm. Zwar etwas am hinteren Ende der Brutzeit gelegen, möchten wir nichtsdestotrotz mit unserer Exkursion Ihnen in beiden Zielgebieten Erfolge des Naturschutzes zeigen. In Hörste geht es um den Erhalt von feuchtem Grünland in der offenen Parklandschaft und in Enger besichtigen wir ein kleines, aber feines Feuchtgebiet inmitten dichter Besiedlung und konventionellem Ackerbau.

Treffen: Sonntag, 23.06.2024, 10:00 Uhr: Fleerweg 4 in 33790 Halle

1. Teil: Feuchtwiesen Hörste

Beim Rundgang durch das FFH-Gebiet „Feuchtwiesen Hörste“ (530 ha) haben wir Chancen auf Beobachtungen von Baumfalke, Wespenbussard, Schwarzmilan, Baumpieper und Schwarzkehlchen. Landschaftlich sehr reizvoll liegt das FFH-Gebiet in Sichtentfernung des Teutoburger Waldes inmitten der Parklandschaft des Ostmünsterlandes mit seinen großen Wiesenflächen und eingestreuten kleinen Wäldchen, durchflossen von klaren Wiesenbächen.

Leitung: Bernhard Walter, Biologische Station Gütersloh/Bielefeld & Klaus Nottmeyer, NWO

Einkehrmöglichkeit um 12:00 Uhr (bitte bei Anmeldung angeben!)
Café & Schankwirtschaft Lefelmann, Casumerstr. 48 in 33775 Versmold
Dort wird uns ein Brunch-Buffet für 10,- € (eigene Kosten) angeboten

Dann Weiterfahrt um 13:00 Uhr (mit privatem PKW).

2. Teil Enger Bruch

Ankunft Enger: 14:00 Uhr: Bolldammstraße / Ecke Ringstraße (Parkplatz) in 32130 Enger

Das deutlich kleinere NSG „Enger Bruch“ (55 ha) war ursprünglich ein Zielgebiet des Feuchtwiesenschutzprogrammes NRW. Die Hälfte der Flächen ist im Besitz des Landes NRW. Es entstanden mit den Jahren Hochstauden, extrem nasse Wiesen und kleine Teiche. In den letzten Jahren war das Bruch für ornithologische Sensationen gut: 2023 brütete dort erstmalig seit 83 Jahren (!) in Westfalen ein Paar Rothalstaucher erfolgreich (in diesem Jahr leider nicht). Dazu können etliche Enten- und Röhrichtarten entdeckt werden. Das Bruch hat für die Vogelwelt des Ravensberger Hügellandes und darüber hinaus auch als Rastgebiet eine herausragende Bedeutung.

Aufgrund der zurzeit sehr hohen Feuchtigkeit ist entsprechendes Schuhwerk unabdingbar.

Leitung: Holger Stoppkotte, BUND & Klaus Nottmeyer, NWO / Biologische Station Ravensberg im Kreis Herford.

Es besteht auch die Möglichkeit, erst zum Enger Bruch dazu zu stoßen.

Anreise: Nur mit privaten PKW möglich (bitte Fahrgemeinschaften bilden), Weiterfahrt von Halle nach Enger: ca. 30 Minuten.

Die Teilnahme an der Veranstaltung ist kostenlos. Gäste sind willkommen. Wir bitten aber um verbindliche, formlose Anmeldung bis zum 17. Juni. Bitte vergessen Sie nicht, uns dabei anzugeben, ob Sie mit uns einkehren möchten.

E-Mail: geschaeftsstelle@nw-ornithologen.de

 

 

28.05.2024

Feedback Msb Spechte

Hohltaube
Kein Bildfehler: Hohltauben können beim Spechtmonitoring zusätzlich erfasst werden (© Hans Glader)

Während draußen die ersten Buntspecht-Jungen gerade die Höhlen verlassen und noch von ihren Eltern gefüttert werden, sind bereits die ersten Ergebnisse des diesjährigen Spechtmonitorings eingetroffen.

Der DDA hat die bundesweiten Ergebnisse aus diesem Jahr zusammengetragen. Bundesweit gibt es mittlerweile 1185 Routen, auf denen die selteneren Spechte mittels Klangattrappe bei zwei Begehungen pro Jahr ermittelt werden. Daraus lassen sich zukünftig Bestandstrends ableiten. Seit zwei Jahren ist das Modul im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel in allen Bundesländern vertreten.

Vorläufige Ergebnisse zeigen, dass bisher 7.587 Individuen der Zielarten nachgewiesen wurden (wichtig zu wissen: der häufige Buntspecht ist keine Zielart). Häufigste Art war der Mittelspecht, der Schwarzspecht wurde dagegen auf den meisten Routen festgestellt. Das Monitoring läuft erst seit fünf Jahren und seit rund vier Jahren gibt es Daten in einer Menge, die allererste vorläufige und aktuell noch mit großer Vorsicht zu interpretierende Trends ermöglichen. Demnach war 2024 eher ein schwaches Spechtjahr. Vielleicht stellt der Kleinspecht eine Ausnahme dar, bei dem der Index geringfügig höher als 2023 war.

Eine ausführlichere Darstellung der Ergebnisse in Karten und Graphiken findet sich im frei verfügbaren Feedback-Bericht des DDA.

Um Daten wirklich nutzen zu können, bitten wir darum, noch fehlende Ergebnisse möglichst schnell zu übermitteln. In NRW helfen Carsten Cordes und Klaus Nottmeyer gerne bei weiteren Fragen. Wer selbst mitmachen möchte, kann sich ebenfalls bei unseren Modulkoordinatoren melden. Beim Spechtmonitoring können die Routen unter Berücksichtigung bestimmter Vorgaben übrigens frei gewählt werden. Alle Informationen und Hintergründe finden sich hier.

 

 

27.05.2024

Tag der Artenvielfalt in Bonn

Vogelführung
Schon traditionell bietet die OAG Vogelführungen durch den Botanischen Garten an (© Kathrin Schidelko)

Am Sonntag, den 26.05.2024 wurde der alljährlich stattfindende Tag der Artenvielfalt in den Botanischen Gärten der Universität Bonn gefeiert und wir waren dabei. Unsere dortige Regionalgruppe, die OAG Bonn war mit einem Stand vertreten.

Das Wetter war bis nachmittags ideal, die Sonne kam heraus, es war aber auch nicht zu heiß. Ein Regenschauer brachte viele Leute unter unseren Pavillon. Unser Highlight für die vielen Besucher:innen waren natürlich unsere Exkursionen. Stündlich haben wir vogelkundliche Führungen über das abwechslungsreiche Gelände des Botanischen Gartens gegeben. Dabei gab es für die Teilnehmenden aus allen Altersstufen einige schöne Beobachtungen. Ein Sommergoldhähnchen zeigte sich erfreulich zutraulich, Mäusebussard und Sperber waren zu sehen und Gartenvögel wie Amsel und Buchfink sangen. Halsbandsittiche riefen und Haussperlinge kamen ans Gewässer. Dort war auch ein Teichhuhn mit Jungen und ein Kormoran trocknete sein Gefieder. Für erfahrene Beobachter:innen alles nichts Besonderes, aber insgesamt wunderbare Werbung für die Vogelbeobachtung.

Der Stand war ebenfalls gut besucht und wir informierten die zahlreichen Gäste über unsere Aktivitäten, Forschungsprojekte, das Vogelmonitoring, Exkursionen und Treffen. Wieder einmal zeigte sich, dass Exkursionen enorm stark nachgefragt werden. Hier müssen wir sicherlich zukünftig unser Angebot vergrößern.

Wir bedanken uns bei allen Helfer:innen, die bei Auf- und Abbau, Standbetreuung und Exkursionsleitung tatkräftig unterstützt haben (Lars Eichler, Heijo Knecht, Max Roth, Kathrin Schidelko, Rudolf Specht, Eva Zimmermann). Esther Koch hat dankenswerterweise zusätzlich die Gesamtorganisation für die OAG übernommen. Jona Hense aus der Fachdidaktik der Universität Bonn stellte die Ferngläser zur Verfügung. Vielen Dank auch an den Botanischen Garten, der die Veranstaltung hervorragend ausgerichtet hat.

 

 

25.05.2024

Tag der Vogelweibchen – „Female Bird Day“

Buntspecht-Weibchen
Weiblicher Buntspecht füttert Jungvogel
(© Angelika Meister)

Heute und an diesem Wochenende wird der #FemaleBirdDay, der Tag der Vogelweibchen, gefeiert. Das Projekt stammt zwar aus den USA, seine Ziele passen aber auch sehr gut auf diese Seite des Atlantiks.

Bei der Vogelbeobachtung werden weibliche Vögel oft vernachlässigt. In dimorph gefärbten Arten sind sie oft schwieriger zu erkennen und zu entdecken. Nicht selten sind sie gut getarnt und verhalten sich eventuell auch etwas unauffälliger. Die Folge ist, dass Vogelweibchen oft seltener gemeldet werden. Bei manchen Vogelarten ist die Unterscheidung zwischen Weibchen und manchen Jungvogelkleidern auch nicht immer einfach. Oft genug wird beispielsweise in ornitho.de daher „weibchenfarben“ ausgewählt, was natürlich dennoch ungleich besser ist, als eine falsche oder gar keine Angabe zu machen. Um auf die Problematik aufmerksam zu machen, hat in den USA vor wenigen Jahren ein Team von Vogelbeobachter:innen das dortige Birdrace-Pendant genutzt, um einen Tag lang nur weibliche Vögel zu zählen. Probieren Sie das doch mal (in Gedanken) aus. Zumindest uns fällt auf, dass wir oft den Fokus auf Vogelmännchen legen.

Es zeigte sich übrigens auch, dass die geringere Beachtung von Vogelweibchen auch nicht vor ornithologischer Forschung haltmacht. Im Vergleich zu Männchen werden oft weit weniger Weibchen einer Art untersucht. Das Ganze kann sogar den Natur- und Artenschutz beeinflussen. Vielleicht das bekannteste Beispiel betrifft amerikanische Goldflügel-Waldsänger. Männchen und Weibchen überwintern in unterschiedlichen Lebensräumen. Weibchen verloren in einem Untersuchungsgebiet durch Abholzung zwischen den Jahren 2010 und 2016 doppelt so viel Lebensraum wie Männchen...

Wir können es uns nicht leisten, die Hälfte der Vogelvielfalt zu ignorieren und das will wohl auch niemand. Da hilft nur genaues Hinschauen und zukünftig auch den Vogelweibchen etwas mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Weitere Information zum Tag der Vogelweibchen und zum Thema gibt es bisher vor allem auf Englisch:

Overlooked sexual segregation of habitats exposes female migratory landbirds to threats – Fachartikel
Birdnote-Podcast
Female Bird Day – Birding in a new Light
Avian Gender Gap

 

 

15.05.2024

Forschung aus NRW: Dachbrütende Austernfischer

Austernfischer
Austernfischer (© Hans Glader)

Dass Austernfischer auch auf Dächern brüten und häufiger ihre Nahrung auf dem Rasen eines Sportplatzes suchen, haben sicher die meisten von uns, die ab und zu im Norden unseres Bundeslandes unterwegs sind, gesehen. Genauere Details zu diesem Phänomen hat Jonas Brüggeshemke bereits auf unserer Jahrestagung im März vorgestellt. Nun erschien der dazugehörige Artikel in der Fachzeitschrift Scientific Reports.

Austernfischer gehören zu den Arten, die in ihren traditionellen küstennahen Vorkommensgebieten in letzter Zeit deutliche Bestandseinbußen verzeichnen mussten. Im städtischen Umfeld dagegen halten sich die Bestände vielerorts noch. Das Team um Franz Löffler von der Universität Osnabrück schaute sich daher 24 Austernfischerbruten im Stadtgebiet von Münster ganz genau an. Die Bruten fanden auf Flachdächern statt, die überwiegend mit Schotter bzw. Kies bedeckt waren. Natürlich wurden zusätzlich noch Vergleichsgebiete hinzugezogen. Die Vögel hatten auf den Dächern einen hohen Bruterfolg, der vor allem auf den guten Schutz von Nestern und Jungvögel vor Raubsäugern zurückgeführt wird. Die Nahrungsverfügbarkeit ist die ganze Brutzeit über auf Sportplätzen gegeben. Austernfischer sind dabei sehr brutorttreu. Das macht sie empfindlich gegenüber schnellen Umweltveränderungen. Zunehmend wird auf Fußballplätzen auch im Amateurbereich Kunstrasen gewünscht und auch Biozide kommen zum Einsatz. Die Ergebnisse sollten also auch praktische Implikationen für die Stadtplanung haben können.

Das Autorenteam weist auch darauf hin, dass ihre Stichprobengröße recht klein ist und weitere Studien notwendig sind. Wir nutzen die Veröffentlichung daher, um Vogelbeobachtende gezielt auf Austernfischer und ihre ungewöhnlichen Brutstandorte aufmerksam zu machen. Wer selbst Vögel bzw. Bruten auf Flachdächern feststellt sollte diese wie gewohnt auf ornitho.de melden. Auch Nahrungssuche kann in ornitho.de gezielt in der Präzisierung der Beobachtung festgehalten werden.

Die englischsprachige Originalveröffentlichung der Studie ist hier frei als pdf verfügbar.

 

 

11.05.2024

Start in die Möwensaison

Mittelmeermöwe
Mittelmeermöwen auf einem Hochhausdach in Bonn (© Darius Stiels)

Heute beginngt offiziell die Saison für das Monitoring der Möwen und Seeschwalben. Weitere Kartierer:innen, die Brutplätze von Möwen in ihrer Umgebung kennen und erfassen möchten, werden gesucht. Das Erfassungsmodul richtet sich vor allem an bereits etwas erfahrenere Ornis, zumal manchmal im Vorfeld meist Zugänge zu Dächern erfragt werden müssen.

Möwen und Seeschwalben sind als Brutvögel in NRW nur sehr lückenhaft verbreitet. Brutvorkommen konzentrieren sich im Tiefland und dort vor allem entlang der großen Flüsse wie Rhein und Weser. Fast alle Brutplätze liegen mehr oder weniger gut geschützt vor Bodenprädatoren, z.B. auf Inseln, auf speziellen Brutflößen, aber auch auf Dächern. Vielfach handelt es sich um Kolonien, aber auch Einzelbruten kommen vor. Zu den Großmöwen gehören eng verwandte Taxa, die teilweise auch miteinander hybridisieren und daher auch eine große Herausforderung für die Bestimmung darstellen. In einigen Fällen lassen sich Hybiden auch nur als unbestimmte Großmöwe erfassen. Flussseeschwalben brüten sehr oft auf Brutflößen und auch für die Trauerseeschwalbe gibt es spezielle schwimmende Nisthilfen. Diese beiden Arten werden bereits erfasst.

Nicht alle Möwenbrutplätze sind bekannt, da insbesondere Dachbruten nicht leicht zu entdecken sind. Begehungen oder gar ein Droheneinsatz erfordern entsprechende Genehmigungen. Dieses Modul Möwen und Seeschwalben im Rahmen des MsB ist daher sicherlich ein Spezialprogramm, das aber sehr wichtige Daten liefert. Möwen zeigen eine erstaunliche Dynamik in ihrer großräumigen Verbreitung, es gibt evolutionsbiologische Aspekte und viele Arten sind auch aus Naturschutzsicht äußert spannend.

Der praktische Aufwand ist vergleichsweise niedrig, da meist eine (oder zwei) Begehungen zwischen Mitte Mai und Anfang Juni ausreichen. Ziel ist ein Trendmonitoring, aber natürlich trägt das Monitoring auch zur Ermittlung von tatsächlichen Beständen bei. Nach Freischaltung und Digitalisierung des Koloniestandortes können Sie Ihre Erfassung einfach per ornitho.de/NaturaList-App melden.

Wenn Sie in Ihrer Nähe Brutplätze kennen, die Sie gerne alljährlich erfassen möchten, melden Sie sich bitte bei uns: geschaeftsstelle@nw-ornithologen.de. Weitere Informationen zur Möwenerfassung finden Sie hier.