Aktuelle Meldungen
27.04.2026
Weltmöwentag 2026
Möwen sind wohl eine der bekanntesten Vogelgruppen überhaupt. Die meisten Menschen verbinden sie mit Meeresküsten und Strandurlaub, dabei leben viele von ihnen auch im Binnenland. Allein 17 Arten (in noch mehr Unterarten) wurden bisher in NRW beobachtet. Einige sind bei uns Brutvögel.
Die häufigste und vielleicht bekannteste Möwe im Binnenland ist die Lachmöwe. Im Winter kommen Gäste aus Osteuropa zu uns. Lachmöwen sind nicht nur an Flüssen, Seen und Kanälen zu sehen, sondern auch an Bahnhöfen, in Fußgängerzonen oder auf Schulhöfen auf der Suche nach einer Mahlzeit. In der Feldflur suchen sie wie viele andere Möwenarten auch gerne hinter einem Traktor, der den Boden bearbeitet, nach Regenwürmern, Engerlingen und anderen Wirbellosen. Auch als Brutvogel treten Lachmöwen bei uns an wenigen Stellen im Tiefland auf. Ihre Bestände sind langfristig zurückgegangen. Vereinzelt wie im Zwillbrocker Venn brüten auch Schwarzkopfmöwen zwischen den Lachmöwen, die ansonsten seltene Durchzügler sind.
Die archetypische Küstenmöwe ist die Silbermöwe. Sie ist die Art, die die meisten vom Nordseeurlaub kennen und die auch Eiscreme oder Pommes nicht verachtet. Auch diese Art kommt aber im Binnenland vor. An der Küste haben die Bestände jüngst deutlich abgenommen. Bei uns leben aber auch einige sehr ähnliche Möwenarten wie Mittelmeermöwe, Steppenmöwe und die Heringsmöwe. Von der Steppenmöwe gelang erst vor wenigen Jahren der erste sichere Brutnachweis in NRW. Alle vier Arten brüten wie Silbermöwen auf Kiesinseln, einige aber auch häufig auf Dächern – teilweise in Innenstädten, teilweise auf großen Industrie- und Logistikhallen. Sie sehen sich vor allem in den Jugendkleidern, teilweise aber auch als Altvögel, sehr ähnlich und die zu beachtenden Gefiederdetails stellen alle Beobachtenden vor Herausforderungen. Diese Möwen hybridisieren miteinander und wahrscheinlich betrifft ein wesentlicher Anteil der bei uns beobachteten Vögel mittlerweile Nachkommen unterschiedlicher Elternarten. Zum Glück gibt es in ornitho.de den Eintrag „Großmöwe, unbestimmt“ und es ist keine Schande, davon Gebrauch zu machen und diese Vögel im Zweifelsfall unbestimmt zu lassen. Und natürlich gibt es ja auch noch genügend andere Möwenarten, die sich leichter bestimmen lassen.
In der Größe zwischen Lach- und Silbermöwen sind Sturmmöwen angesiedelt, die ebenfalls auch als Brutvögel in NRW vorkommen. Alle anderen Möwenarten tauchen bei uns nicht als Brutvögel auf. Mantelmöwen sind die größte Möwenart und haben mindestens die Größe eines Bussards. Sie sind regelmäßige Wintergäste aber tauchen nur in kleiner Zahl auf und sind in NRW in ihrem Vorkommen auf wenige Orte wie z.B. den Unteren Niederrhein beschränkt. Auch Zwergmöwen tauchen zu den Zugzeiten, meist im April und August, bei uns auf. Sie picken Nahrung von der Wasseroberfläche auf und erinnern dabei recht stark an einige Seeschwalben.
Die anderen bei uns festgestellten Möwenarten sind alle Ausnahmeerscheinungen. Beobachtungen sind große Glücksfälle, die bei unserer AviKom dokumentiert werden sollten. Eismöwe und Polarmöwe (inkl. der Kumlienmöwe) sind hocharktische Brutvögel. Manchmal tauchen sie im Winter unter anderen Möwen auf. Seitdem offene Mülldeponien der Vergangenheit angehören, wo viele Möwen Nahrung fanden, haben es nicht nur einige häufige Möwenarten schwieriger, auch Seltenheiten werden meist nicht mehr so oft entdeckt. Schwalbenmöwen sind ebenfalls hochnordische Brutvögel. Sie leben außerhalb der Brutzeit pelagisch, das heißt, sie sind Bewohner der offenen See – Beobachtungen im Binnenland sind entsprechend selten. Gleiches gilt für die Dreizehenmöwe, deren einziges deutsches Brutvorkommen auf Helgoland liegt. Bonapartemöwe, Präriemöwe, Ringschnabelmöwe und Aztekenmöwen sind Brutvögel Nordamerikas. Möwen können vergleichsweise alt werden und manche Individuen können über lange Zeit in Mitteleuropa beobachtet werden. Berühmt wurde eine „Atze“ getaufte Aztekenmöwe, aber auch bei der Ringschnabelmöwe gab bzw. gibt es wiederkehrende Individuen.
Wer helfen möchte, Möwen besser zu verstehen und etwas für ihren Schutz zu tun, kann selbst aktiv werden. Die Schlafplatzzählung der Möwen sucht ebenso wie die Brutbestandserfassung im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel weitere Aktive. Wenn Sie bisher nicht erfasste Brutkolonien oder Schlafgewässer kennen, sind diese Erfassungsprogramme genau das richtige für Sie. Möwen werden aber auch im Rahmen der Wasservogelzählung erfasst. Hier findet sich auch in Ihrer Nähe mit Sicherheit ein Zählgebiet.
Möwen sehen nicht alle gleich aus und verhalten sich auch keineswegs identisch und die Vielfalt in dieser Gruppe wird leicht unterschätzt. Die teilweise recht einfachen Beobachtungsmöglichkeiten machen sie zu beliebten Studienorganismen in der wissenschaftlichen Vogelkunde und auch unter Vogelbeobachtenden verdienen Möwen mehr Aufmerksamkeit.
24.04.2026
Watching people watching birds
Ein neuer Kinofilm hat großen Bezug zur NWO. Unter Beteiligung zahlreicher NWO-Ornis und einem Besuch der Filmer bei einem der vergangenen NWO-Tagungen entstand der Dokumentarfilm „Watching people watching birds“.
Der Film von Ulrike Franke und Michael Löken hat in Nordrhein-Westfalen am 6. Juni 2026 Premiere beim Kinofest Lünen. Die Weltpremiere war in Kopenhagen, die Deutschlandpremiere ist beim 41. DOK.fest in München. Die Filmemacher bewerben Ihren Film so „Politisch brisant, ernsthaft und doch humorvoll begleitet WATCHING PEOPLE WATCHING BIRDS Menschen, die sich mit Leidenschaft der Beobachtung von Vögeln widmen. Der weltberühmte Autor Jonathan Franzen, die Bäckereiverkäuferin oder das junge Ornithologenteam: sie alle eint die Liebe zu einer stark bedrohten Spezies. Durch ihre Augen und Ohren tauchen wir ein in die Welt der Vögel – eine Welt, die zu einer eindrucksvollen Metapher für den Zustand unseres Planeten wird.“
Weitere Informationen zum Film und der Trailer finden sich hier.
21.04.2026
Welttag der Brachvögel
Der 21. April ist der Welttag der Brachvögel (#WorldCurlewDay). Weltweit werden neun Arten unterschieden, von denen mehrere hochgradig bedroht sind. Für Dünnschnabel- und Eskimobrachvogel ist es vermutlich schon zu spät und sie sind wahrscheinlich sogar bereits ausgestorben. Das Aussterben des Dünnschnabelbrachvogels (englischsprachige Seite) als erste europäische Landvogelart in historischer Zeit hat für großes Aufsehen und Bestürzung gesorgt.
Der Welttag der Brachvögel (englischsprachige Seite) geht auf ein britisches Projekt zurück und wird seit 2017 gefeiert. Im Jahr 2016 ging Mary Colwell 500 Meilen quer durch Irland, Wales und England, um auf die Bedrohung des Großen Brachvogels aufmerksam zu machen.
Für uns ist der Tag Grund genug, auf die zwei in Nordrhein-Westfalen heimischen Brachvogelarten aufmerksam zu machen. Große Brachvögel (verwirrenderweise neuerdings oft nur Brachvögel genannt) sind heute als Brutvögel auf die Tieflandgebiete Westfalens und den Unteren Niederrhein begrenzt. Sie stehen auf der Roten Liste in NRW als stark gefährdet und Bestände und Verbreitung haben langfristig deutlich abgenommen. Um den Schutz dieser Art kümmert sich in NRW die AG Wiesenvögel, in der Biologische Stationen, die Landesbehörde LANUK und NWO sich gemeinsam um den Schutz der Vögel der Feuchtwiesen und Moore kümmern. Als Kulturfolger brüten Große Brachvögel übrigens auch teilweise auf Ackerflächen. Wasserstandsabsenkungen durch Melioration und Klimakrise, intensive Landwirtschaft (häufige Mahd, Düngung und Pestizide) gehören zu den wichtigsten Gefährdungsfaktoren für die Art.
Die zweite Brachvogelart in NRW ist der Regenbrachvogel. Regenbrachvögel rasten ab und zu in ähnlichen Lebensräumen wie Große Brachvogel, treten in NRW aber nur als vergleichsweise seltene Durchzügler auf. Jetzt – Ende April/Anfang Mai und dann wieder im August/September sind gute Zeiten, um die Vögel auch in unserem Bundesland einmal zu beobachten. Regenbrachvögel sind etwas kleiner als Große Brachvögel, die Kopffärbung ist auffälliger mit dunklen Scheitelseitenstreifen und einem hellen Scheitelstreif. Der Schnabel ist kürzer und weniger stark gebogen. Sie können daher mit jungen Großen Brachvögeln verwechselt werden. Die Flugrufe sind ziemlich charakteristisch und erinnern an Zwergtaucher. Wer sich auf ornitho.de am NocMig-Projekt beteiligt, hat Chancen, die Vögel als nächtliche Durchzügler auch an ungewöhnlichen Standorten festzustellen. Informationen zur nächtlichen Vogelzugerfassung finden sich beispielsweise bei unserem hessischen Partnerverband HGON.
Damit Brachvögel auch zukünftig in NRW leben können und hoffentlich auch verloren gegangenes Terrain wieder gutmachen können, sind weitere große Anstrengungen im Naturschutz notwendig.
31.03.2026
Beobachtungstipp – Rotmilan und Schwarzmilan in NRW
Rotmilane und Schwarzmilane kommen beide in unserem Bundesland als Brutvögel vor. Jetzt im Frühjahr sind sie außerdem auf dem Durchzug zu beobachten. Rotmilane überwintern auch regelmäßig bei uns, viele haben aber den Winter in Südeuropa verbracht und sind meist schon Ende Februar bis Mitte März wieder in ihren Brutgebieten angekommen. Schwarzmilane sind dagegen oft Transsaharazieher, die erst jetzt Ende März/Anfang April im Brutgebiet ankommen.
Beide Arten sind elegante langflügelige Greifvögel mit auffälligen gegabelten Schwänzen. Die Namen sind treffend, vor allem die unterschiedliche Schwanzfarbe ist bei entsprechenden Lichtbedingungen oft ein gutes Merkmal, um beide Arten zu unterscheiden. Der Schwanz ist bei Rotmilanen deutlich tiefer gegabelt als beim auch insgesamt dunkelbraun erscheinenden Schwarzmilan. Bei stark gespreiztem Schwanz wirkt der Schwanz beim Schwarzmilan nahezu gerade abgeschnitten. Verwechslungen mit anderen Greifvogelarten wie beispielsweise Rohrweihen oder Mäusebussarden sind dann durchaus möglich.
Rotmilane sind die bei uns deutlich häufigere Art. Sie sind vor allem im Hügelland verbreitet, haben in den letzten Jahrzehnten aber auch weite Teile des Tieflandes Nordwestdeutschlands besiedelt und es gibt in NRW nur noch wenige Verbreitungslücken. Im Gleitflug oder beim Kreisen in der Thermik sind sie nicht nur über Äckern und Wiesen zu beobachten, sondern fliegen auch über Siedlungen, so dass sie über Dörfern, Kleinstädten und Ortsrandlagen zu sehen sind. Schwarzmilane sind seltener. Sie leben oft in der Nähe von Gewässern und kommen beispielsweise recht verbreitet entlang des Rheins vor. Ihr Vorkommen ist aber keineswegs auf diesen Bereich begrenzt und auch Schwarzmilane haben ihre Verbreitung ausgedehnt und brüten auch in vielen anderen Teilen des Landes. Außerhalb Amerikas ist die Superspezies „Schwarzmilan“ (inklusive der in Afrika, Asien und Australien lebenden Taxa) übrigens der insgesamt häufigste Greifvogel. Rotmilane sind in ihrer Verbreitung dagegen weitestgehend auf Europa beschränkt. Ein ganz wesentlicher Anteil des Weltbestandes brütet in Deutschland. In Teilen von NRW werden Dichten erreicht, wie sie aus anderen Regionen kaum bekannt sind. Beide Arten sind dennoch vielfältigen Gefahren ausgesetzt, dazu gehört insbesondere die direkte Verfolgung durch Vergiftung oder Abschuss. Individuen beider Arten kollidieren außerdem mit Windkraftanlagen, so dass deren Ausbau vor allem bei unzulänglicher Planung eine weitere Bedrohung darstellt.
Im Brutgebiet balzen die Vögel mit Paarflügen, langem Kreisen über dem Nestbereich und lauten wiehernden (modulierten) Rufen, die aufgrund ihrer Funktion bei der Balz vielleicht besser als Gesänge bezeichnet werden sollten. Nester enthalten recht häufig Zivilisationsmüll und lassen sich dadurch oft von denen anderer Arten unterscheiden. Als Brutlebensraum finden sich beide Arten oft in Feldgehölzen sowie Waldrändern, oft in Hanglage. Sie ernähren sich u.a. von Kleinsäugern, Aas, aber gerade Schwarzmilane erbeuten z.B. auch Fisch.
Wer in den nächsten Wochen draußen unterwegs ist, wird sicherlich Milane beobachten können. Feststellungen können Sie auf www.ornitho.de melden. Bei hinreichendem Brutverdacht ist dabei auch die Vergabe eines Brutzeitcodes sinnvoll. Beachten Sie aber, dass die Vögel oft weite Strecken fliegen und lediglich überfliegende, jagende oder auf einem Acker sitzende Vögel keinen Brutzeitcode bekommen sollten. Ein Brutzeitcode sollte vergeben werden, wenn die Hinweise dafür sprechen, dass die Art auch in unmittelbarem Umfeld der Beobachtung (im selben oder ggf. in einem direkt angrenzenden Rasterfeld) brüten. Beobachtungen mit höheren Brutzeitcodes sind vor dem Hintergrund der Kartierungen für ADEBAR 2 besonders erwünscht. Allerdings sollten keine Störungen der Vögel erfolgen und selbstverständlich müssen geltende Rechtsnormen wie z.B. das vielerorts geltende Wegegebot eingehalten werden.
Informationen zu anderen Greifvogelarten wie dem Mäusebussard finden Sie hier. Zu Greifvögeln, die regelmäßig auch im oder vom Garten aus gesehen werden können, haben wir ebenfalls Informationen.
30.03.2026
Wettbewerb für das neue ADEBAR-Titelbild gestartet
Das eigene Bild für die kommenden Jahrzehnte in tausenden Bücherregalen in ganz Deutschland ausstellen und nebenbei noch 1.000 € gewinnen – klingt gut? Dann machen Sie jetzt beim Wettbewerb des Dachverbands Deutscher Avifaunisten mit.
Für den neuen Atlas Deutscher Brutvogelarten (ADEBAR 2) wird ein Titelbild gesuct – egal ob gemalt, gezeichnet oder digital erstellt, wir sind gespannt auf Ihre kreativen Einsendungen. Egal welche Maltechnik, welche digitale oder andere kreative Technik Sie einsetzen, wichtig ist, dass Sie das Hauptmotiv eines sitzenden Rotmilans ornithologisch korrekt treffen. Damit der Atlas auch gut betitelt werden kann, sollte in Ihrem Bild etwa ein Drittel frei bleiben. Den Schriftzug selbst müssen Sie aber nicht mit ins Bild setzen.
Vom 17. März bis zum 31. Juli können Sie Ihr Bild per Mail an adebar.wettbewerb@dda-web.de einsenden. Dabei reicht ein Foto oder Scan des Bildes. In der Mail geben Sie Ihren Namen, Ihre Anschrift und Ihre Telefonnummer an. Dann wird Ihre Einsendung geprüft Sie bekommen eine Bestätigung per Mail.
Nach Ablauf des Bewerbungszeitraums trifft sich eine Jury aus Vogelmaler:innen, Grafiker:innen und Ornitholog:innen und wählt das Gewinnerbild aus. Die Gewinnerin oder der Gewinner wird von uns kontaktiert und am 15. September bekannt gegeben. Das Preisgeld von 1000,00 €, das von einem anonymen Stifter gespendet wurde, wird nach der Bekanntgabe ausgezahlt.
Alle Informationen zu Teilnahmebedingungen oder Bildmaßen finden Sie auf unserer ADEBAR-Wettbewerbs-Webseite. Wir drücken die Daumen und freuen uns als NWO natürlich über viele Einsendungen aus Nordrhein-Westfalen ganz besonders.
20.03.2026
Weltspatzentag 2026
(© Hans Glader)
Heute ist Weltspatzentag. Auch in Nordrhein-Westfalen leben zwei Sperlingsarten. Der bekannte Haussperling, der oft einfach als Spatz bezeichnet wird, und der weniger bekannte Feldsperling.
Spatzen stehen wie kaum eine andere Vogelgruppe für die Artenvielfalt im Siedlungsbereich. Haussperlinge sind als Kommensalen des Menschen eigentlich aus unserer Umgebung nicht mehr wegzudenken. Wahrscheinlich breitete sich die Art in Europa in den vergangenen Jahrtausenden seit der neolithischen Revolution mit der Ausbreitung der Landwirtschaft aus. Der Ursprung ihrer Verbreitung hat demnach wahrscheinlich irgendwo im Bereich des fruchtbaren Halbmondes oder seiner Umgebung gelegen. Haussperlinge entwickelten im Laufe der Zeit erstaunliche Anpassungen. Sie brüten heute vielfach an menschlichen Behausungen und in Mitteleuropa findet man höchstens nur noch vereinzelt frei hängende Nester in Bäumen. Die Anpassungen an den Menschen gehen aber noch sehr viel weiter. Aktuelle Studien zeigen auch physiologische bzw. genetische Anpassungen an den Kommensalismus mit dem Menschen (Ravinet et al 2018, PRSLB). Die Ausbreitung der Art hat mittlerweile auch andere Kontinente erreicht. Dort treten Haussperlinge als invasive Art allerdings in Konkurrenz mit heimischen Arten. In Europa gehören Haussperlinge leider zu den Arten, deren Bestände langfristig extrem stark abgenommen haben. Insgesamt sind es Millionen Vögel weniger als noch vor einigen Jahrzehnten.
Die zweite Art, der Feldsperling, war bis weit ins 20. Jahrhundert hinein - kurz hinter dem Haussperling - vielerorts die zweithäufigste Art des Siedlungsraumes. Mittlerweile sind Feldsperlinge aus vielen Städten und Dörfern in NRW verschwunden die landesweiten Bestände befinden sich leider im freien Fall. Neben dem langfristigen Bestandsrückgang soll es auch kurzfristige Bestandsabnahmen geben, die aktuell genauer untersucht werden (Aufruf des DDA). Feldsperlinge sind etwas kleiner als Haussperlinge. Die Geschlechter sind anders als beim Haussperling gleich gefärbt und die braune Kopfplatte mit dem schwarzen Wangenfleck ist kennzeichnend. Feldsperlinge leben gerne in den ebenfalls selten gewordenen Streuobstwiesen. Als Höhlenbrüter nisten sie zwar auch an Gebäuden und in menschlichen Strukturen, nehmen aber auch häufig natürliche Baumhöhlen und lassen sich sogar mit Nistkästen unterstützten.
19.03.2026
Vogelarten der Binnengewässer erfassen
Am nächsten Sonntag ist Weltwassertag. Ein guter Zeitpunkt, um jetzt auf unser Monitoring der Binnengewässer und Röhrichtbrütetr aufmerksam zu machen. Die Kartiersaison startet in Kürze. Wer Lust hat, mitzumachen, ist herzlich eingeladen, brütende Wasservögel zu kartieren. Es handelt sich um ein Trendmonitoring, aber die Daten stehen natürlich auch für ADEBAR 2 zur Verfügung.
Brutvögel der Binnengewässer sind aufgrund der punktuellen oder linearen Verteilung geeigneter Lebensraumelemente bei uns nicht flächendeckend verbreitet. Trends der Brutbestände sind daher vielfach nicht gut über Monitoringprogramme häufiger Brutvögel mit ihren zufälligen Untersuchungsgebieten zu bestimmen. Die Erfassung der Brutvögel der Binnengewässer soll deshalb über die möglichst vollständige (flächendeckende) Erfassung gezielt ausgewählter Zählgebiete erfolgen. Mögliche Flächen sind Binnengewässer aller Art oder deren Teilbereiche. Dazu zählen z.B. Teiche, Seen inklusive Abgrabungsgewässer, Kläranlagen, Rieselfelder oder Fließgewässer wie Bäche, größere Gräben, Flüsse bzw. deren Teilbereiche inklusive der Auengewässer. In NRW haben wir zudem zahlreiche Parkgewässer. Vielfach bieten sich Untersuchungsgebiete an, die auch bereits im Rahmen der Wasservogelzählung erfasst werden.
Mit dem Binnengewässermodul werden maximal 39 Vogelarten erfasst. Zielarten sind insbesondere typische Wasservogelarten wie Lappentaucher, Schwäne, Gänse, Enten, Rallen sowie typische Fließgewässerarten. Darüber hinaus umfasst das Artenset einige weitere Arten, die regelmäßig bei Erfassungen in Feuchtgebieten angetroffen werden. Optional existiert eine erweiterte Artenliste mit Röhrichtbrütern, die zusätzlich erfasst werden können, sofern der Lebensraum geeignet ist. Aufgrund der hohen Zahl an bearbeiteten Arten kommt diesem Monitoring-Modul eine hohe Bedeutung zur Erfassung bundesweiter Bestandstrends zu. Es gibt auch ein eigenes Modul für reine Schilfbestände – beim Modul für Röhrichtbrüter erfolgt die Erfassung der Vögel entlang eines Transektes und nicht flächig. In NRW existiert aber wahrscheinlich nur eine sehr begrenzte Zahl an geeigneten Röhrichtflächen.
Die Module sind in anspruchsvollen Gebieten vermutlich kein reines Einsteigerprogramm. Andererseits reicht es aus, die zu untersuchenden Arten sicher an Aussehen und Stimme zu erkennen. Bei großen Gewässern ist sicher ein Spektiv hilfreich, an Parkgewässern u.ä. reicht meist bereits ein Fernglas. Der Kartierungszeitraum reicht von April bis Juni und umfasst drei Begehungen. Zusätzliche Nachtbegehungen für Rallen und Schwirle in geeigneten Lebensräumen sind optional. An Mittelgebirgsbächen können dagegen sogar zwei Begehungen ausreichen, da hier meist nur wenige Arten erfasst werden (Eisvogel, Gebirgsstelze, Wasseramsel) – an artenärmeren Gewässern eignet sich das Modul also auch als idealer Einstieg in das Monitoring seltener Brutvögel. Das Modul ist zudem eine ideale Ergänzung zur Wasservogelzählung, da die Erfassungszeiträume nur wenig überlappen. Die Datenerfassung im Feld erfolgt bequem über eine spezielle Eingabemaske in der NaturaList-App oder daheim über ornitho.de. Eine ausführliche Einführung in das Modul und Links zum wichtigen Merkblatt, der Mitmachbörse (weitere Gebiete richten wir gerne ein!) und allen Anleitungen finden sich gebündelt hier.
Wer sich für die Teilnahme am Monitoring der Binnengewässerarten interessiert, ist herzlich zu einer Online-Fragerunde am 31.03. um 18 Uhr via Webex eingeladen (formlose Anmeldung via geschaeftsstelle@nw-ornithologen.de). Selbstverständlich können Sie sich mit allen Fragen zum Modul oder vielleicht sogar schon mit Gebietswünsche direkt an uns wenden. Wir bedanken uns für Ihr Engagement!
16.03.2026
Neue Saison steht vor der Tür: Koloniebrüter
Graureiher und Saatkrähen starten in die Brutsaison und mit ihnen die Erfassung dieser Brutvögel. Ihre Nester bauen mehrere Paare oft eng nebeneinander. Die Vögel brüten in Kolonien. Dies erleichtert einerseits die Erfassung, erfordert andererseits aber spezielle Methoden.
Während bei vielen Vogelarten oft Reviere erfasst werden, in der Regel in Form von singenden oder anderweitig balzenden Individuen, lassen sich bei großen Koloniebrütern wie Graureihern und Saatkrähen die Nester erfassen. Hier setzt das Monitoring seltener Brutvögel an. In NRW werden diese beiden Arten schon länger erfasst als es digitale Erfassungsmodule im Rahmen des Monitorings seltener Brutvögel (MsB) gibt. Aktuell befindet sich daher das Monitoring für diese beiden Arten in einer Übergangsphase von der überwiegend analogen Erfassung ins digitale Zeitalter mit der Erfassung über die Module in ornitho.de bzw. der NaturaList-App. Die Koordination der beiden Module liegt bei unseren Kolleg:innen in der Vogelschutzwarte, die Ihnen beim Umstieg auf die digitale Erfassung gerne behilftlich sind. Informationen zur Saatkrähe finden Sie hier, zum Graureiher hier.
Wer bei diesen oder anderen Modulen des MsB bereits dabei ist, hat Zugang zur Online-Datenbank dbird des DDA! In dbird können Sie alle Ihre Monitoringdaten einsehen und automatisch prüfen lassen (und ggf. korrigieren), damit die Daten in die nachfolgenden Auswertungen „sauber“ und durch Sie geprüft einfließen können. Darüber hinaus hält dbird einen Kartierkalender für Sie bereit, der Ihnen einen stets aktuellen Überblick über Ihre Monitoringaktivitäten gibt. Darüber hinaus gibt es eine Reihe digitaler Werkzeuge, um die eigenen Jahresergebnisse zu visualisieren und das eigene Resultat mit den Ergebnissen anderer Erfassungseinheiten zu vergleichen.
Über die nachfolgenden Links können Sie auf kurze Videotutorials zugreifen, die Ihnen die zentralen Funktionen von dbird vorstellen und demonstrieren:
1.) Startseite/Kartierkalender: Aktuelle Übersicht des Bearbeitungsstands der verschiedenen Module in denen man sich engagiert. Der aktuelle Zeitpunkt wird angezeigt, durchgeführte Erfassungen können eingesehen werden und man erhält Hinweise auf noch ausstehenden Erfassungen und die zugehörigen Zeitfenster. Der Kartierkalender ist die dbird-Startseite und soll die Planung der Kartiersaison unterstützen: https://youtu.be/vtq1l-jRE9o
2.) Datenprüfung: Modulspezifische Prüfschritte können angestoßen und die Prüfergebnisse eingesehen werden. Im Falle von methodischen Abweichungen, Fehlstellen oder vermeintlich fehlerhaften Angaben werden Hinweise zur Korrektur oder zum künftigen Vorgehen gegeben. Diese Funktion soll helfen, die Datenqualität weiter zu verbessern und ermöglicht es Ihnen, die eigenen Daten zu validieren, um sicherzugehen, dass diese fehlerfrei in Trendauswertungen einfließen können: https://youtu.be/3IzikG1ZWAQ
3.) Ergebnisdarstellung: Die Jahresergebnisse der eigenen Erfassungseinheiten können auf unterschiedliche Weisen visualisiert und das eigene Ergebnis mit den Ergebnissen anderer Erfassungseinheiten verglichen werden. Zeitreihen der eigenen Flächen können dargestellt und heruntergeladen werden. Diagramme und Karten setzen die eigenen Ergebnisse in den Kontext anderer Zählungen, im eigenen Bundesland und bundesweit: https://youtu.be/IU2zrxXSw-w