Aktuelle Meldungen

08.03.2023

Zunahme des nordrhein-westfälischen Zwerggansbestandes

Zwerggans
Zwerggänse bei Alfter (© Darius Stiels)

In einem aktuellen Artikel im Charadrius haben Kees Koffijberg, Christine Kowallik, Birgit Beckers, Axel Müller und Wolfgang Pott die zeitliche Entwicklung und räumliche Verteilung von Zwerggansfeststellungen in NRW untersucht. Zwerggänse sind eine global hochgradig bedrohte Gänseart mit einem mittlerweile lückenhaften Vorkommen von Skandinavien im Westen bis weit nach Sibirien im Osten. Verschiedene Zugwege führen zu Winterquartieren in Europa und Asien.

Zwerggänse werden jährlich in Nordrhein-Westfalen beobachtet, oft Einzelvögel (und Männchen) und meistens assoziiert mit Blässganstrupps am Unteren Niederrhein. Dieses Muster entspricht früheren Beobachtungen, änderte sich aber schlagartig im November 2017, als 24 junge Zwerggänse an der Lippe bei Lippborg im Kreis Soest erschienen. Bei diesen Vögeln handelte es sich um in Schweden ausgewilderte Jungvögel. Die Zwerggänse kehrten seitdem in wechselnder Zusammensetzung alljährlich an die Lippe zurück und erweiterten stetig ihr Überwinterungsgebiet, das mittlerweile Teile der Kreise Hamm, Soest, Warendorf und Paderborn umfasst. Bis zum Winter 2021/22 wurden 37 verschiedene Individuen beobachtet. Die Vögel können an individuell kodierten Farbringen unterschieden werden. Viele Beobachtungen erfolgten in der Disselmersch und in den Ahsewiesen, allesamt Teil des Vogelschutzgebietes „Lippeaue zwischen Hamm und Lippstadt mit Ahsewiesen“, wo allerdings aufgrund der guten Beobachtungsbedingungen die Gänse auch leichter zu finden sind als andernorts. Obwohl die Zwerggänse sich oft im Vogelschutzgebiet oder dessen näherer Umgebung aufhielten, wurden mehrfach Störungen durch die Jagd (u.a. auf Graugänse) beobachtet. Dabei wurden mutmaßlich im November 2018 vier Zwerggänse geschossen. Weitere Probleme, sowohl für Zwerggänse als auch andere Wasservögel, sind trockene Jahre wie 2018 und 2022, in denen mangels Trink- und Schlafgewässern die Rastbedingungen teilweise ungünstig waren. Gezielte Maßnahmen könnten diese Lage verbessern, ebenso Einschränkungen bei der Gänsejagd, wie sie bereits an der Weser und am Unteren Niederrhein etabliert wurden.

Mitglieder erhalten den Charadrius kostenlos, das Heft mit diesem und anderen Beiträgen kann aber auch kostenpflichtig über die NWO-Geschäftsstelle bezogen werden.

Publikation:
Koffijberg K, Kowallik C, Beckers B, Müller A & Pott W 2023. Zunahme von Zwerggänsen Anser erythropus in Nordrhein-Westfalen von 2011 bis 2022. Charadrius 59: 1–12.

 

 

07.03.2023

Monitoring häufiger Brutvögel startet in Saison 2023

Blaumeise
Das MhB startet in die neue Saison - auch Blaumeisen werden erfasst (© Angelika Meister)

Das Monitoring häufiger Brutvögel, kurz MhB, ist eine der wichtigsten Säulen des Vogelmonitorings in Deutschland. Auf zufällig ausgewählten Probeflächen werden Veränderungen in der Vogelwelt in unserem Land überwacht. Auch in NRW gibt es zahlreiche Probeflächen, die in den nächsten Monaten wieder ehrenamtlich erfasst werden.

Auch wenn das Wetter in NRW diese Woche es noch nicht wirklich erahnen lässt, der Frühling hat begonnen. Meisen, Baumläufer, Misteldrosseln und die ersten zaghaften Goldammern singen bereits. Ab dem 10. März startet dementsprechend das MhB in die neue Saison. Dieses Monitoringprogramm hilft Bestandsveränderungen der häufigsten Vögel zu erfassen - bundesweit sind es knapp 100 Arten, für die so Daten erhoben werden. Die Bestandstrends der Vögel sind nicht nur für den Vogelschutz bedeutend, sie können gleichzeitig wichtige Indikatoren für den Zustand von Natur und Landschaft insgesamt sein und dienen wissenschaftlichen Untersuchungen. Methodisch werden über die Brutsaison der Vögel vier Begehungen durchgeführt, bei der alle anwesenden Vögel erfasst werden. Probeflächen sind einen Quadratkilometer groß und in diesen wird in den vier Erfassungszeiträumen je einmal eine feste, ungefähr drei Kilometer lange Route abgegangen. Aufgrund der Gesangsaktivität der Vögel startet jede Route übrigens früh morgens etwa bei Sonnenaufgang. Die Vögel werden dann auf einer Karte notiert und am Ende der Erfassungen lassen sich daraus sogenannte Papierreviere bilden. Das Ganze geht selbstverständlich nicht nur auf Papier, sondern mittlerweile auch digital. Wer mitmacht, hat die Wahl zwischen drei Möglichkeiten: 1. Papier und Stift im Feld und Auswertung klassisch auf Papier; 2. Papier und Stift im Feld und Auswertung und Digitalisierung der einsgescannten Feldkarten am PC. 3. Digitale Kartierung mit Smartphone oder Tablet. Bei der Auswertung kann mittlerweile auch ein neues digitales Werkzeug helfen, das automatisiert erstellte Reviere vorschlägt. Weitere Informationen gibt es auch im aktuellen Rundbrief des MhB.

Wer sich beteiligt, wird vielfach mit schönen Morgenstimmungen und interessanten Beobachtungen belohnt. Zudem lernt man über die Jahre, die Vogelwelt des eigenen Gebietes sehr gut kennen und beobachtet auch nicht selten spannende Veränderungen. Das MhB ist ein ehrenamtliches Programm, für das wir auf Ihre Mithilfe angewiesen sind. Wer selbst aktiv werden möchte, kann sich hier weiter über das Programm informieren. Da mit diesem Programm Trends erfasst werden, die Zeitreihen erfordern, sollte allerdings möglichst eine Mitarbeit über mehrere Jahre angestrebt werden. Voraussetzung ist ansonsten lediglich die Fähigkeit, die heimischen Brutvögel sicher bestimmen zu können (auch anhand ihrer Lautäußerungen) und natürlich die Zeit, alle vier Begehungen in den vorgesehenen Erfassungszeiträumen durchzuführen.

 

 

28.02.2023

Neuer Charadrius erschienen

Charadrius
Titelbild: Zwerggänse (© Axel Müller)

Das aktuelle Charadrius Heft des Jahrgangs 2023 (Band 59, Heft 1) ist soeben erschienen. Es enthält zwei längere Artikel und sieben kürzere Artikel. Außerdem sind die aktuellen NWO-Mitteilungen enthalten. Spätestens in den nächsten Tagen sollte das Heft bei unseren Mitgliedern angekommen sein.

Der erste Artikel von Koffijberg et al. beleuchtet umfassend die Zunahme der Zwerggansbestände in Nordrhein-Westfalen. Brezovecki et al. berichten in einem ausführlichen Beitrag über die Situation des Sperbers auf Probeflächen in NRW. Über die Brut einer Kohlmeise in einer Stahlstruktur unter Bodenniveau in Delbrück/Nordwestfalen schreibt Carl-Henning Loske. In zwei Artikeln von Michael Kuhn geht es um Farbaberrationen: einmal bei einer Schafstelze, die einem Taxon aus der Mongolei ähnelt und zum andren bei einem Eisvogel mit partiellem Leuzismus. Drei Beiträge sind Vögel des Monats, über die wir hier bereits berichtet haben (Thorshühnchen, Falkenraubmöwe, Zwergscharbe). Am Ende des Heftes finden sich Literaturbesprechungen mehrerer vogelkundlicher Bücher.

Der aktuelle Charadrius enthält außerdem die NWO-Mitteilungen 56 mit vielen Rubriken und aktuellen Nachrichten. Die aktuelle NWO-Mitteilung genauso wie ältere Ausgaben sind wie gewohnt auch hier frei als pdf-Datei verfügbar.

Der Charadrius ist für Mitglieder kostenlos, kann aber zum Preis von 18,00 € bei der Geschäftsstelle bezogen werden.

 

 

 

 

 

 

27.02.2023

Artenliste der Vögel Nordrhein-Westfalens

Zwergtaucher
Brutvogel, Durchzügler und Wintergast: Zwergtaucher (© Hans Glader)

In einem ausführlichen Artikel im Charadrius präsentiert Michael Schmitz eine aktualisierte Liste der Vögel Nordrhein-Westfalens. Die Artenliste der Vögel Nordrhein-Westfalens wurde grundlegend überarbeitet und wird in ihrer 2. Fassung (Stand: Dezember 2021) vorgelegt. Grundlage bildet die IOC World Bird List (Gill et al. 2022), welche ab Januar 2018 auf Beschluss der Deutschen Ornithologen-Gesellschaft in Deutschland verwendet wird und auch der neuen Artenliste der Vögel Deutschlands (Barthel & Krüger 2018, 2019 ) zugrunde liegt.

Für alle in NRW nachgewiesenen Arten werden der deutsche, wissenschaftliche und englische Name, der Autor, die Zuordnung zu definierten Kategorien, der Brutstatus und der Status außerhalb der Brutzeit angegeben. Die Artenliste enthält erstmals eine Auflistung aller Unterarten, für die ebenfalls Angaben zum Brutstatus und zum Status außerhalb der Brutzeit gemacht werden. In den Anhängen 1 und 2 sind nicht eindeutig bzgl. ihres natürlichen Auftretens einzustufende Taxa bzw. wahrscheinliche oder sichere Gefangenschaftsflüchtlinge aufgelistet. Erläuterungen zu einigen Unterarten enthält Anhang 3.

In NRW wurden bislang 398 Vogelarten festgestellt, davon 377 Wildvögel mit Nachweisen seit 1950 (Kategorie A), 9 nur vor 1950 beobachtete Arten (Kat. B) und 12 etablierte Neozoen (Kat. C). Die Kategorie D enthält 7 Arten mit Zweifeln an einem natürlichen Auftreten, die Kategorie E fast 150 Gefangenschaftsflüchtlinge und nicht etablierte Neozoen. Insgesamt 272 Subspezies polytypischer Arten wurden in NRW registriert, bei 9 Arten ist der Status der Unterarten generell oder bzgl. einzelner Taxa noch nicht eindeutig geklärt.

Seit der ersten Artenliste (Herkenrath 1995) ist die Artenzahl von 359 auf 398 deutlich angestiegen. Es hat zudem viele Anpassungen in der Systematik der Vögel gegeben. Ferner haben sich Status und Auftreten einiger Vogelarten in NRW verändert. Seit 1800 haben 220 Arten (Kat. A-C) in NRW gebrütet, 18 davon nur unregelmäßig (Vermehrungsgäste). 9 regelmäßige Brutvögel sind schon vor 1950 augestorben, weitere 15 seitdem. Aktuell brüten 178 Arten regelmäßig in NRW, inkl. 10 etablierter Neozoen. Etwa drei Viertel der in Deutschland nachgewiesenen Arten (527) wurden auch in NRW beobachtet, der Anteil der Brutvogelarten ist ähnlich hoch.

Die Artenliste ist als ausführlicher Artikel sowie als Word-Dokument hier zum Download verfügbar.

Publikation:
Schmitz M 2021. Artenliste der Vögel Nordrhein-Westfalens. 2. Fassung, Stand: Dezember 2021. Charadrius 57: 3–42.

 

 

24.02.2023

Mitmachbörse des Monitorings häufiger Brutvögel

Mitmachbörse
Mitmachbörse des DDA

Das Monitoring häufiger Brutvögel (MhB) ist ein wichtiges Standbein des Vogelmonitorings. Die Mitmachbörse des Dachverbandes Deutscher Avifaunisten wurde neu gestaltet und ist nun wieder online. Wer mitmachen möchte, findet nun noch einfacher eine freie Probefläche.

Das Monitoring häufiger Brutvögel besteht aus vier im Laufe des Frühlings durchgeführten Linienerfassungen. Durch jährliche Wiederholungen lassen sich Trends der häufigsten Brutvögel (auf Bundesebene sind es 99 Arten) erfassen. Die zufällig gelegten Probeflächen, auf denen sich die etwa 3 km langen Transekte befinden, sind einen Quadratkilometer groß. Bei Begehungen werden alle Vögel erfasst. Voraussetzung, um mitzumachen ist eine gute Kenntnis der heimischen Vogelwelt inklusive ihrer Lautäußerungen und natürlich das grundsätzliche Interesse, die Erfassungen jährlich zu wiederholen. Die Erfassung kann bevorzugt mithilfe der Android-NaturaList-App durchgeführt werden. Die Saison beginnt am 10. März. Weitere Hintergundinformationen zum MhB finden Sie hier.

Als ersten Schritt können Sie in der Mitmachbörse auf der Karte sowie in den Suchfeldern eine Probefläche in Ihrer Umgebung suchen. Ist diese Fläche grün angezeigt, also noch frei, können Sie diese Fläche persönlich reservieren. Klicken Sie auf das Quadrat und in dem sich öffnenden PopUp-Fenster auf den Button, um die Fläche zu laden und sich die Route anzeigen zu lassen. Über den „reservieren“-Button können Sie dann Ihre Kontaktangaben angeben und die Fläche für sich reservieren. Eine Nachricht geht an Sie zur Bestätigung sowie an die Koordinierenden. Im Anschluss erhalten Sie von den Koordinierenden der Flächen in ihrer gewählten Region alle weiteren Informationen. Natürlich können Sie sich gerne auch vorher mit Fragen an uns wenden: geschaeftsstelle@nw-ornithologen.de.

 

 

23.02.2023

Neues aus der AG Weißstorch

Weißstorch
Weißstorch im Aufwind (© Hans Glader)

Weißstörche gehören zu den bekanntesten und beliebtesten Vögeln überhaupt. Unsere AG Weißstorch erfasst alljährlich die Bestände in NRW und hat nun neue Zahlen vorgelegt. Außerdem trifft sich die Arbeitsgruppe zu ihrer regelmäßigen Tagung

Kaum eine Vogelart ist so in der breiten Bevölkerung bekannt und beliebt wie der Weißstorch - er war einst überall in Mitteleuropa ein häufiger Kulturfolger, der in Kinderliedern besungen wird und bis heute als Fruchtbarkeitssymbol gilt. Vor rund 30 Jahren war der Weißstorch in NRW vom Aussterben bedroht. Gerade einmal noch drei Brutpaare hatten im Kreis Minden-Lübbecke überlebt. Die Bestände der nach Osten ziehenden Brutvögel sind weiterhin negativ, aber bei den Westziehern, die auch hier in NRW leben, hat es seitdem einen erfreulichen Populationszuwachs gegeben. Die neuesten Zahlen, die Michael Jöbges uns ünbermittelt sind eindeutig: 2022 gab es über 700 Horstpaare, von denen rund 530 Paare auch Jungvögel hatten. Im Jahr 2020 waren es noch 450 Brutpaare. Wohl kaum jemand hätte diese positive Entwicklung noch vor einer Generation für möglich gehalten. Mittlerweile sind Weißstörche in vielen Tieflandregionen in NRW ein vertrauter Anblick, lediglich im Mittelgebirge und Teilen des Rheinlandes gibt es aktuell noch deutliche Verbreitungslücken. Der Kreis Minden-Lübbecke in Ostwestfalen ist dagegen immer noch der Verbreitungsschwerpunkt in unserem Land. Erfolgreicher Vogelschutz und Veränderungen auf der Zugroute – die Vögel überwintern heute oft schon auf der Iberischen Halbinsel – haben zu dieser Erfolgsgeschichte beigetragen. Die ungemein dynamische Entwicklung des schönen Schreitvogels bleibt weiterhin spannend.

Am 24. Juni trifft sich die AG Weißstorch zu ihrer Jahrestagung in Schloss Heessen in Hamm – dessen Zinnen gehören sicherlich zu den pittoreskesten Storchenbrutplätzen in NRW! Interessierte Weißstorch-Fans sind selbstverständlich eingeladen. Weitere Infos und Anmeldung bei Michael Jöbges.

 

 

20.02.2023

Haben Schlangenadler, Schreiadler und Steinadler bis ins 19./20. Jahrhundert in Nordrhein-Westfalen gebrütet

Kleines Sumpfhuhn
Ganz ausschließen lassen sich frühere Brutvorkommen nicht, aber glaubwürdige Hinweise für ein Brutvorkommen des Schreiadlers in NRW fehlen (© Hans Glader)

In einem aktuellen Artikel für den Charadrius ist Michael Schmitz der Frage nachgegangen, ob Schlangenadler, Schreiadler und Steinadler ehemals in Nordrhein-Westfalen gebrütet haben. Obwohl verschiedentlich Hinweise publiziert bzw. Vermutungen angestellt wurden, ist der Status dieser drei Adlerarten bislang nicht sicher geklärt. Anhand von historischen Quellen aus Nordrhein-Westfalen und angrenzenden Regionen werden Angaben zum früheren Auftreten zusammengetragen und im historischen und räumlichen Kontext eingeordnet. Der Schlangenadler ist bis etwa 1860 als Brutvogel im Rothaargebirge im Südosten Nordrhein-Westfalens in Erscheinung getreten. Damals war er in Deutschland noch weiter verbreitet und kam u. a. in der Südheide (Niedersachsen), im Westerwald, der Eifel und im Hunsrück (Rheinland-Pfalz) sowie dem Taunus (Hessen) vor. Der Steinadler hat bis Anfang des 19. Jahrhunderts im Wittgensteiner Land im Rothaargebirge gebrütet. Er war zu dieser Zeit auch noch in der Südeifel (Rheinland-Pfalz), im Harz (Niedersachsen/Sachsen-Anhalt) und in der Südheide (Niedersachsen) Brutvogel. Die westliche Arealgrenze des Schreiadlers verlief ursprünglich durch Niedersachsen und erreichte Gebiete unweit der Abgrenzung von Nordrhein-Westfalen. Für Nordrhein-Westfalen existieren jedoch keine glaubwürdigen Hinweise auf frühere Brutvorkommen, wenngleich solche nicht ganz auszuschließen sind.

Mitglieder erhalten den Charadrius kostenlos, das Heft mit diesem und anderen Beiträgen kann aber auch kostenpflichtig über die NWO-Geschäftsstelle bezogen werden.

Publikation:
Schmitz M 2021. Haben Schlangenadler Circaetus gallicus, Schreiadler Clanga pomarina und Steinadler Aquila chrysaetos bis ins 19./20. Jahrhundert in Nordrhein-Westfalen gebrütet. Charadrius 57: 43–52.

 

 

17.02.2023

Ringablesungen im Garten

Erlenzeisig
In Norwegen beringter Erlenzeisig in einem Garten im Siegerland (© Rainer Winchenbach)

Wissenschaftliche Vogelberingung hat unser Verständnis über Wanderungen wildlebender Vögel maßgeblich vorangebracht und bis heute ist die Beringung ein unverzichtbares Werkzeug in der Ornithologie. Viele Ornis sind selbst professionelle Beringer oder lesen insbesondere Farbringe, z.B. von Gänsen, Schwänen oder Möwen ab. Dass - ausgestattet mit einem Fotoapparat - auch im Garten ganz erstaunliche Ablesungen selbst kleiner Singvögel möglich sind, zeigt unser Mitglied Rainer Winchenbach.

Seit etwa 10 Jahren fotografiert er Vögel in seinem Garten im Kreis Siegen-Wittgenstein. Dabei fiel ihm erstmals 2012 eine beringte Heckenbraunelle auf. Die Vogelwarte Helgoland konnte die Herkunft klären - der Vogel wurde zuvor im Saarland beringt. In den Folgejahren fiel auf, dass insbesondere unter den Erlenzeisigen immer wieder beringte Vögel waren. Sage und Schreibe 68 beringte Erlenzeisige konnten an der Futterstelle abgelesen werden, darunter Vögel, die in Spanien, Bulgarien und Norwegen beringt worden waren. Einen beeindruckenden Überblick über die verschiedenen Beringungsorte gibt diese Karte. Einzelne Vögel wurden auch von K. G. Böttger und D. Manderbach (ebenfalls Siegen-Wittgenstein) abgelesen. Die Ergebnisse und viele Details und Tipps zur Ringablesung wurden nun im Magazin Vögel veröffentlicht. Der Beitrag kann hier heruntergeladen werden.

Der Hauptgrund für die Veröffentlichung ist für Herrn Winchenbach, Vogelinteressierte dafür zu gewinnen, dieses Hobby auszuprobieren, um so ein Netz von Beobachter*innen und Fotograf*innen aufzubauen, das zusätzliche wissenschaftliche Erkenntnisse bei der Vogelberingung liefert. Wir finden, das ist eine großartige Idee und hoffen, es finden sich weitere Begeisterte.

 

 

15.02.2023

Internationale Studie zum Großen Brachvogel nutzt Daten aus NRW

Großer Brachvogel
Die Bestände Großer Brachvögel sind in vielen Teilen Europas rückläufig (© Hans Glader)

Eine aktuelle Metastudie zu Großen Brachvögeln in Europa hat Demographie und Überlebenswahrscheinlichkeit des bedrohten Wiesenvogels untersucht. Die Veröffentlichung erschien in der Fachzeitschrift Ibis.

Große Brachvögel haben in vielen Bereichen ihres Verbreitungsgebietes deutlich im Bestand abgenommen. Auch in Deutschland und NRW sind sie eine hochgradig gefährdete Vogelart. Die Studie hat gezeigt, dass es demographische Unterschiede zwischen den in den letzten 30 Jahren untersuchten Populationen gibt. Auf der Flyway-Ebene ist die Zahl der flüggen Jungvögel den Modellen zufolge mit etwa 0,57 pro Jahr höher als der gemeldete Durchschnitt der Produktivität (0,29), aber niederiger als der für eine stabile Population notwendige Wert von 0,68. Auch die Adultsterblichkeit spielt eine Rolle, wobei die niedrige Reproduktionsrate für Bestandsrückgänge wesentlich verantwortlich sein dürfte. Die Autor*innen fordern sofortige Naturschutzmaßnahmen, um die Adultsterblichkeit zu senken und vor allem die Überlebensrate der Jungvögel in Nord- und Westeuropa so zu steigern, dass es wieder ein positives Populationswachstum gibt. In die Studie gingen auch im Charadrius veröffentlichte Daten aus NRW ein (Kipp & Kipp 2009).

Übrigens, in Nordrhein-Westfalen kümmert sich die AG Wiesenvögel aus Biologischen Stationen, LANUV und NWO um den Schutz der Wiesenvögel.

Publikation:
Viana et al 2023. A synthesis of Eurasian Curlew (Numenius arquata) demography and population viability to inform its management. Ibis: doi: 10.1111/ibi.13184.

 

 

15.02.2023

Neue Meldeliste der Avifaunistischen Kommission

Gleitaar
Beobachtungen des Gleitaars werden zukünftig von der AviKom in NRW bearbeitet
(© Darius Stiels)

Die Avifaunistische Kommission der NWO hat eine neue Meldeliste und einen neuen Meldebogen. Beobachtungen sehr seltener Vogelarten werden von der AviKom dokumentiert und gesichert.

Die neue Meldeliste wirkt rückwirkend seit dem 1.1.2023. Es gibt eine ganze Reihe von Änderungen: Rallenreiher, Gleitaar, Zwergohreule und Rotkopfwürger wurden von der Meldeliste der Deutschen Avifaunistischen Kommission (DAK) gestrichen und in die Obhut der Landeskommissionen, also auch der AviKom, übergeben. Weiterhin wurden Großtrappe und Raufußkauz (nur im Tiefland) sowie als Unterarten der „Sibirische Tannenhäher“, die „Alpenringdrossel“ und die „Nordische Wasseramsel“ zur Landesmeldeliste in NRW hinzugefügt. Von der Liste gestrichen wurden Zwergkanadagänse („Small cackling goose“ = B. hutchinsii minima). Nur die Nominatform der Zwergkanadagans („Richardson's cackling goose“ = B. h. hutchinsii) ist weiterhin DAK-meldepflichtig. Aufgrund seiner Etablierung als regelmäßige Brutvogelart in NRW wurde auch der Seidensänger von der Meldeliste gestrichen.

Hier können der neue Meldebogen und die neue Meldeliste als pdf heruntergeladen werden.

 

 

13.02.2023

Seltene Vögel in NRW 2019

Kleines Sumpfhuhn
Ein Kleines Sumpfhuhn zeigte sich 2019 an den Klärteichen Bedburg erstaunlich frei (© Darius Stiels)

Zahlreiche Vogelarten erscheinen in NRW nur ausgesprochen selten und unregelmäßig. Irrgäste aus allen Himmelsrichtungen sind für viele Beobachter*innen das Salz in der Suppe der Beobachtung. Ihre Dokumentation hat aber auch weitreichende Bedeutung, da sich Veränderungen von Zugwegen, Verbreitungsgebieten und anderen Mustern oft im sich verändernden Auftreten von Ausnahmeerscheinungen ankündigen.

Für jedes Jahr stellt die Avifaunistische Kommission der NWO daher einen Bericht über seltene Vogelarten in NRW zusammen. Vor Kurzem erschien der Bericht für das Jahr 2019. Dieser umfasst 109 Meldungen von 52 seltenen meldepflichtigen Vogelarten oder Unterarten aus dem Jahr 2019. Darunter sind auch fünf Nachträge aus früheren Jahren. Weitere 25 Meldungen wurden als nicht ausreichend dokumentiert eingestuft oder aus anderen Gründen abgelehnt. Die sehr gut dokumentierte Beobachtung einer Felsenschwalbe ist der erste Nachweise dieser Art in Nordrhein-Westfalen.

Die Arbeit erscheint im aktuellen Charadrius. Mitglieder erhalten den Charadrius kostenlos, das Heft mit diesem und anderen Beiträgen kann aber auch kostenpflichtig über die NWO-Geschäftsstelle bezogen werden. Sowohl der aktuelle Bericht als auch die der vergangenen Jahre sind aber auch frei als pdf hier verfügbar.

Publikation:
AviKom 2021. Seltene Vögel in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2019. Charadrius 57: 53–64.

 

 

12.02.2023

Vortrag zum Thema FAIRPACHTEN

Kiebitz
Spezielle Maßnahmen helfen dem Ackervogel Kiebitz (© Hans Glader)

Lebensräume für Vögel schaffen durch ökologisch sinnvolle FAIRPACHTUNG von landwirtschaftlichen Flächen.Unter diesem Titel steht ein Online-Vortrag, den der NABU veranstaltet und den wir im Namen unserer AG Feldvögel gerne verbreiten.

Auf Europas Äckern und Wiesen wird es immer stiller. Die intensive Landwirtschaft bedroht den Lebensraum vieler Vogelarten und hat zu einem erheblichen Artenrückgang geführt. Davon sind Feldvögel besonders stark betroffen. Landeigentümerinnen und Landeigentümer können diesem Trend entgegenwirken: Rund 60 Prozent der Landwirtschaftsflächen in Deutschland sind verpachtet. Ob Lichtacker, selbstbegrünte Ackerbrache oder Kiebitzinsel: Verpächterinnen und Verpächter können Lebensräume für die Vögel in der Agrarlandschaft schaffen, indem sie Naturschutzmaßnahmen in ihren Pachtverträgen vereinbaren.

Eva Vayhinger zeigt auf, welche Maßnahmen für Vögel in der Agrarlandschaft sinnvoll sind, wie man diese im Pachtvertrag vereinbaren kann und wie das Beratungsangebot Fairpachten hier hilft.

Anmeldung bis zum 27.02.2023 um 12 Uhr mit Angabe des Vortragsdatums an fairpachten@nabu.de. Den Link zur Teilnahme erhalten Sie nach der Anmeldung.